Risikofaktor Mensch

Die Erde steht vor ihrer vielleicht größten Herausforderung

Das Leben hat von den vergleichsweise stabilen Bedingungen auf der Erde sehr profitiert. Nachdem es sich einmal entwickelt und die Erde in Besitz genommen hatte, vermochten selbst Asteroiden und andere Katastrophen nicht mehr, es gänzlich auszurotten. Aber jetzt steht die Erde ihrer vielleicht größten Herausforderung gegenüber. Eine neue, bis vor wenigen Jahrtausenden völlig unbedeutende Kraft beeinflusst den Planeten: der Mensch.

Fabrik im Sonnenuntergang Quelle: ZDF

Man muss die Erde aus dem All betrachten, um unsere Bedeutung für die Zukunft des Planeten richtig einschätzen zu können. Die Lichter der Städte zeigen in der Nacht eindrucksvoll die Ausdehnung der Gebiete, die wir für uns beanspruchen. Keine andere Art hat es bisher geschafft, sich derart auf dem Globus auszubreiten.

Lichter der Städte Quelle: ZDF

Stark beansprucht

Indem wir in großem Maßstab fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas verbrennen, verändern wir die Zusammensetzung der Atmosphäre - und mit ihr das Klima. Der Mensch fördert mehr Gestein und Erde an die Oberfläche des Planeten als alle natürlichen Prozesse zusammen. Keine andere Art hat die Erde je so stark beansprucht wie wir. Tatsächlich ist unser Einfluss mittlerweile so groß, dass die Wissenschaftler ein neues geologisches Zeitalter eingeläutet haben: Das Antropozän, das Zeitalter des Menschen.

Madagaskar Landschaft Quelle: ZDF

Ein Blick in die Zukunft des Planeten Erde ist ein schwieriges Unterfangen. Zu vielschichtig und verflochten sind die Vorgänge, um sie tatsächlich in allen Details zu erfassen. Doch ein Blick auf einen kleineren Lebensraum veranschaulicht die Probleme. Erst vor 2000 Jahren betrat der erste Mensch die Insel Madagaskar am Südzipfel Afrikas. Europa war zu dieser Zeit bereits seit 40.000 Jahren besiedelt. Durch die isolierte Lage entwickelte sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. 85 Prozent aller Lebewesen gibt es nur auf Madagaskar.

Erhebliche Auswirkungen

Brian Fisher leitet eine Expedition, die die Arten im Dschungel Madagaskars erfassen und dokumentieren soll. Sein Team sucht nach neuen Spezies, seine besondere Aufmerksamkeit gilt dem Waldboden. Hier hofft er, viele noch unbekannte Arten entdecken zu können, wie etwa eine neue Ameisenart. Je mehr die Wissenschaftler über den Dschungel in Erfahrung bringen, desto mehr erkennen sie, dass jede noch so unbedeutend erscheinende Art wichtig für das Gesamtsystem ist. Der Verlust einer Artengemeinschaft kann erhebliche Auswirkungen für den gesamten Planeten haben.

Neue Ameisenart in Madagaskar Quelle: ZDF

Der tropische Regenwald ist ein ganz besonderer Ort. Alles ist mit allem durch vielfältige Beziehungen verbunden. Die Bewohner dieses Lebensraumes sind Jäger und Gejagte, sie stehen in Konkurrenz zueinander oder unterstützen sich gegenseitig in symbiotischen Verbindungen. Diese Verbindungen sind sehr komplex und wir beginnen gerade erst, den Regenwald richtig zu verstehen. Regenwälder sind nicht nur wegen ihres Artenreichtums so wichtig, sondern auch als Sauerstoffproduzenten. Besonders solange sie wachsen, absorbieren Bäume große Mengen Kohlendioxid. Steigt die CO2-Menge an, reagieren die Bäume darauf, wachsen schneller und nehmen noch mehr Kohlendioxid auf. Seit der Mensch Treibhausgase produziert, konnten Regenwälder 25 Prozent davon abbauen.

Regenwald in Flammen

Gesunde Urwälder auf diese Weise eine ganz wesentliche Rolle bei der Regulierung des Klimas auf der Erde. Doch naturbelassene Dschungelgebiete werden immer kleiner. Einer der Touristenmagnete Madagaskars sind Baobabbäume. Sie sind nationale Symbole der Insel und den Menschen Madagaskars heilig. Doch alle anderen Bäume um sie herum wurden abgeschlagen. Nur noch ein Fünftel des ursprünglichen Dschungels ist übrig geblieben, alles andere wurde gerodet. Diese fatale Entwicklung teilt Madagaskar mit vielen anderen Orten auf der Welt. Jedes Jahr gehen 150.000 Quadratkilometer Regenwald in Flammen auf. Überall auf der Welt werden Wälder vernichtet. Das Kohlendioxid steigt auf in die Atmosphäre und wirkt dort als Treibhausgas.

Baobabbäume Quelle: ZDF

Schlimmer noch als der zusätzliche Ausstoß von CO2 ist der Verlust der Waldflächen. In Bolivien wurde im Laufe von nur 20 Jahren eine 50.000 Quadratkilometer große Regenwaldfläche in Siedlungen und Ackerland umgewandelt. Wir erhöhen also nicht nur die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre, wir blockieren durch das Abholzen auch noch die Regelmechanismen des Planeten. Und das ist nur ein Beispiel, wie der Mensch Systeme stört, die Jahrmillionen für ihre Entstehung gebraucht haben.

Wir schaden uns selbst

Steigen die Temperaturen des Planeten an, schmelzen Gletscher und Polkappen. Die Folgen sind weltweit spürbar. Wenn die Gletscher schmelzen bedrohen Fluten die Großstädte an Flüssen und in Küstennähe. Steigende CO2-Werte vergiften die Meere. Es ist mit einem globalen Korallensterben zu rechnen. Mit den Korallen aber sterben alle Riffbewohner. Dramatische Klimaveränderungen sind auf der ganzen Welt zu spüren. Über Milliarden von Jahren ist das Leben Teil dieses wunderbaren Planeten geworden. Diese einzigartige Zusammenarbeit ist bedroht. Dabei sind wir davon abhängig, dass unser Lebensraum so bleibt, wie er ist. Dramatische Veränderungen auf unserem Planeten wie wir sie hervorrufen, schaden vor allem uns selbst. Welche Rolle wir in dem großen Drama Erdgeschichte übernehmen wollen, können wir ein Stück weit selbst beeinflussen.

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