Rom in Flammen

Kaiser Nero steht vor einem Trümmerhaufen

Am 19. Juli 64 nach Christus steht Rom in Flammen. Vom Wind angefacht, rast das Feuer durch die Gassen gen Osten. Erst sehr spät erscheint der Kaiser vor Ort. Nero hatte sich in seinem Landhaus aufgehalten.

Böse Zungen behaupten, er sei erst gekommen, als sein Stadtpalast in Gefahr geriet. Andere wollen ihn singend auf den Mauern gesehen haben. Der Kaiser indes kämpft an vorderster Front gegen die Flammen, gemeinsam mit der Feuerwehr, die bereits Augustus gegründet hatte.

Rom am Ende?

Nach dem Inferno bietet sich dem Herrscher ein niederschmetterndes Bild. Die viel zu enge Bebauung mit großenteils hölzernen Häusern und Buden hatte die rasche Ausbreitung der Flammen begünstigt. Es war der verheerendste Brand in der Geschichte Roms. Das Feuer wütet insgesamt neun Tage. Nur vier der 14 Bezirke sind stehen geblieben. Etwa eine halbe Million sind obdachlos, Tausende sind tot. Im Angesicht des Elends lassen selbst erfahrene Senatoren den Mut sinken. Sie sehen Rom am Ende. Sogar die Verlegung der Hauptstadt ist Thema.




Plötzlich gefordertes Krisen-Management zählt nicht zu Neros Stärken. In Bedrängnis traut er nur wenigen Menschen - keinem der Senatoren, sondern seiner Frau Poppaea und seinem persönlichen Berater und Philosophen Seneca. Seneca rät Nero "zu herrschen wie die Götter herrschen", dann könnte Nero selbst zu einem Gott werden. Für den 27-jährigen Kaiser sind die Worte Senecas wie ein Fingerzeig auf der Suche nach seiner Bestimmung. Nun sieht er den Tag gekommen, seine künstlerischen Visionen in die Tat umzusetzen. Nero möchte Rom zur Hauptstadt der Künste und der Schönheit machen.

Der Philosoph im Hintergrund



Seneca war Neros Erzieher. Neros Mutter Argippina hatte ihn noch als solchen bestimmt. Vorrangige Unterrichtsgegenstände dürften Philosophie, Rhetorik und die Unterweisung in praktischer Politik gewesen sein. Seit Neros Machtübernahme bleibt Seneca im Hintergrund, schreibt seine Reden. Er wird zur grauen Eminenz von Neros Politik.

Öffentlich erklärt Nero, er wolle dafür sorgen, dass sich in Rom eine solche Tragödie nicht mehr wiederholen könne. Neros erstes Projekt: ein gigantisches Wiederaufbauprogramm. Straßen müssen per Gesetz eine bestimmte Breite haben und genau nach Plan angelegt werden. Wohnblöcke sollen bis zum ersten Stock aus Stein errichtet und an der Vorderfront mit einem Säulenvorbau versehen werden - aus Brandschutzgründen. Die Senatoren begrüßen die Pläne Neros, doch bald müssen sie erkennen, dass die öffentlichen Pläne für ein neues Rom auch mit einem ganz persönlichen und privaten Anliegen verbunden sind: Der Kaiser will einen neuen prunkvollen Palast.




Neros Extravaganzen

Ein weiteres Symbol für Neros Größenwahn ist eine 36 Meter hohe bronzene Statue, die in der Vorhalle des Palstes errichtet werden soll. Ein Porträt des Kaisers mit einer Krone aus Sonnenstrahlen auf dem Haupt. Angesichts solcher Extravaganzen wird es Nero, seinen Ratgebern und dem Senat schnell klar, dass der Wiederaufbau Roms und vor allem die Verwirklichung des Traumpalastes Unsummen verschlingen würde. Da ist Neros Mann fürs Grobe gefragt: Tigellinus ist ein skrupelloser Diener seines Herrn, berüchtigt für Meineid und Schamlosigkeit. Neben Seneca und Poppea ist er Neros wichtigster Berater.

Nachdem selbst Steuererhöhungen in den Provinzen nicht mehr mehr ausreichen, empfiehlt Tigellinus dem Kaiser die Tempelschätze öffnen zu lassen. Schließlich gehöre Rom ihm und damit auch die Goldreserven der Stadt. Die Plünderung der Tempelschätze löst ein großes Unverständnis unter den Senatoren aus, denn sie gilt als unerhörter Tabu-Bruch. Selbst Seneca ist fassungslos. Nero, allmächtiger Herrscher, glaubt sich gottgleich erhaben. Doch viele der vorsichtigen Abnicker im Senat sehen in den kaiserlichen Extravaganzen Zeichen des Wahnsinns.

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