Rückgang der Baumgrenze

Untersuchung der Vegetationsgeschichte

Der Biologe Andreas Hemp ist besorgt: Der Bergwald am Kilimandscharo ist in Gefahr. Illegaler Holzabbau und Waldbrände bedrohen das natürliche Klima der Bergregion. Ethnologe Christoph Winter ist dagegen einem Seeungeheuer auf der Spur.

Christoph Winter besucht die Dorfschule in Old Moshi. Die Kinder hatten die Aufgabe, alte Chagga-Legenden zu sammeln und aufzuschreiben, die sie von ihren Großeltern kennen.Die Schüler sollten sich besonders um Versionen der Geschichte über ein vierflügliges Wasserungeheuer bemühen. Diese Mythologie, so nimmt Winter an, war Teil der Chagga-Religion, die mit dem Eindringen der weißen Kolonisatoren verschwand.

Legende vom Seeungeheuer

Der Wasserdrache ist mit dem Bewässerungswesen eng verbunden. Ähnliche Geschichten kennt man auch in Arabien. Für den Forscher ein wichtiger Hinweise auf die ursprüngliche Herkunft der Kanäle. Im Chalasee soll das Ungeheuer leben. Um es zu besänftigen, muss eine Jungfrau geopfert werden, so will es die Legende. Tatsache ist, dass in dem Kratersee immer wieder Menschen verschwinden. Die Ranger machen ein riesiges Krokodil dafür verantwortlich. Woher das stammt ist allerdings ein Rätsel: Der Chalasee wird nur unterirdisch vom Gletscherwasser des Kilimandscharo gespeist.

Dem Franziskaner Ladislaus aus der Schweiz liegt der Bergwald des Kilimandscharos besonders am Herzen. 18.000 Bäume hat er für sein privates Aufforstungsprogramm bereits gepflanzt. Mit Hilfe neu angelegter Kanäle in alter Chaggatechnik bewässert er Nutzholzplantagen für die Einheimischen. Damit der Raubbau aus Not endlich ein Ende hat. "Eine geregelte Forstwirtschaft würde Druck vom Urwald nehmen", sagt der Pater, und die Biologen stimmen ihm zu. Immer wieder stoßen sie bei ihren Erkundungsfahrten auf illegale Holzfäller.

Alarmierendes Resultat

Im Podocarpus-Wald sind noch kaum Spuren des Raubbaus zu sehen. Die Baumgrenze liegt auf über 2700 Metern. Mit der Machete gräbt Andreas Hemp ein Loch in den Boden. Er will wissen, wie die Vegetation hier früher aussah. Die wichtigste Frage: Gab es Veränderungen am Waldgürtel? Die Erde des Bodenprofils ist für den Spezialisten sehr aufschlussreich: Winzige Holzkohlenpartikel sind der Beweis für ausgedehnte Waldbrände. Hier stand einst dichter Wald. Durch ihre Untersuchungen sind Hemps erstmals in der Lage, die Vegetations- und Klimageschichte des Kilimandscharo zu rekonstruieren. Ihr alarmierendes Resultat: Die Waldgrenze hat sich allein in den letzten 25 Jahren um über 300 Meter nach unten verschoben.

Was passiert, wenn die Waldgrenze sinkt? Die Untersuchungen haben ergeben, dass es zwischen 2100 und 2400 Meter die höchsten Niederschläge gibt, bis zu 3000 Liter pro Jahr. Das ist genau in der Bergwald-Stufe. Wenn der Bergwald zurückgedrängt wird, ist es klar, dass er nicht mehr als Wasserspeicher fungieren kann und auch die Niederschläge viel schneller abfließen, es zu Erosion kommt, zu Hochwasserkatastrophen am Bergfuß. Während der Trockenperioden kann kein Wasser mehr nachgeliefert werden. Die Kanäle werden immer periodischer werden und immer mehr austrocknen. Das gibt es an einigen Stellen heute schon, vor allem an der Nordost-Seite. Ausgetrocknete Kanäle wären ein Horrorszenario für die Chagga. Die Bananenhaine und die üppigen Reisfelder wären gleichermaßen betroffen. Noch haben die Reisbauern nur einen Feind, und den bekämpfen sie mit Vogelscheuchen "made in Africa". Nass-Reisanbau garantiert gute Ernten und hohe Löhne. Erkauft jedoch mit einem enormen Wasserverbrauch.

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