Rückkehr der Wildtiere

Natürliche Lebensräume für bedrohte Tiere

Europas arktische Wildnis erstreckt sich von Skandinavien bis zum Nordpol. Nur wenige Arten können hier bestehen. Es ist eine der unwirtlichsten Regionen der Erde. Aber im kurzen Sommer der Mitternachtssonne erwacht der arktische Himmel zum Leben. Auch in osteuropäischen Gegenden zieht wieder die Wildnis ein.

Wald im Morgennebel Quelle: ZDF

Die Gewässer rund um die zahllosen Inseln der westlichen Arktis gehören zu den produktivsten der Welt. Sie profitieren gleichermaßen vom warmen Golfstrom und dem nährstoffreichen Wasser aus dem Polarmeer.

Letzte Inseln der Wildnis

Doch nicht nur die nördlichsten Breiten des Kontinents liegen weitgehend außer Reichweite der Zivilisation. Auch Europas Hochgebirge - allen voran die Alpen - sind letzte Inseln der Wildnis geblieben. Der Alpenbogen ist auf allen Seiten umringt von großen Städten und intensiv genutzter Kulturlandschaft. Dennoch liegen hier Mitteleuropas größte Flächen unberührter Natur. Die Hänge der Alpen sind zwar von weiten Wäldern bedeckt, aber die größten und ursprünglichsten Wälder Europas finden sich im Osten.

Auf dem Balkan und in den Karparten hat traditionelle Landwirtschaft bis heute überlebt und Wildtieren ihren Lebensraum gelassen. Selbst in Zeiten kommunistischer Planwirtschaft hat sich in den Bergen wenig verändert. Im Wilden Osten Europas haben Bauern und Hirten immer in der Nachbarschaft großer Raubtiere gelebt. Im Westen dagegen wurden diese Tiere verfolgt und ausgerottet. Seit mehr als einem Jahrhundert waren diese Wälder Osteuropas Rückzuggebiete von Tierarten, die ursprünglich auf dem ganzen Kontinent heimisch waren. Auch heute leben in der Slowakei und in Rumänien Europas größte Populationen von Wolf, Bär und Luchs.

Todeszone wird zum Grüngürtel

Ein halbes Jahrhundert lang waren diese weiten Wälder von den inselhaften Waldgebieten des Westens abgeschnitten. Von der Ostsee bis ans Schwarze Meer war Europa zweigeteilt - dreitausend Kilometer Grenzlinie zwischen Ost und West. Auf der Ostseite verlief ein fünf Kilometer breiter Streifen, eine verbotene Zone für Menschen. Nach der Öffnung der Mauer 1989 werden die Grenzanlagen samt Wachtürme abgerissen, die Mienenfelder geräumt. Heute erinnert kaum mehr etwas an den Eisernen Vorhang. Was aber geblieben ist, ist ein grüner Korridor quer durch den Kontinent. Entlang dieses grünen Bandes erobert die Natur altes Territorium zurück. Verfallene Militäranlagen werden zu neuen Stützpunkten. Wildnis zieht hier ein.

Zum ersten Mal seit hundert Jahren sind Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt, vermutlich aus den polnischen Wäldern. Eine verlassene Militärbasis der Roten Armee, nicht weit von Berlin, ist heute einer der ersten Brückenköpfe heimkehrender Wildtiere. Die einstige Todeszone wird zu einem Korridor des Lebens. Die Nachbarstaaten haben sich zusammengetan und grenzüberschreitende Nationalparks gegründet. Weitere Schutzgebiete sind geplant. Nirgendwo sonst in Europa können sich Wildtiere heute so frei ausbreiten wie hier.

Hoffnungsschimmer grüne Brücke



Eine weitere Erfolgsgeschichte ist der Luchs. Nur in den Wäldern Polens und der Slowakei konnte sich diese europäische Großkatze halten. In Mittel- und Westeuropa gehören die Tiere immer noch zu den gefährdeten Arten. Aber die Zeichen stehen gut: vieles lässt auf eine Rückkehr der Luchse hoffen. Auf dem Balkan konnte der Braunbär überleben. Von Slowenien aus haben Bären den ersten Vorstoß zurück in die Alpen geschafft. Aber trotz des grünen Korridors sehen sich die Bären - und mit ihnen viele andere - gefährlichen Hindernissen gegenüber.

Etwa die Hälfte aller großen Säugetiere und Vögel Europas stirbt auf der Straße - die meisten auf kleinen Landstraßen. Europa hat fünf Millionen Kilometer Asphaltstraße - genug, um den Äquator einhundert mal zu umrunden. Über Europas Straßen rollen täglich 100 Millionen Autos. Auf den Hauptverkehrsadern erreicht die Verkehrsdichte mehrere Zehntausend Fahrzeuge pro Tag. Solche Straßen sind für Wildtiere unpassierbar. Ein Hoffnungsschimmer ist die grüne Brücke, wie sie schon an einigen kritischen Stellen realisiert wurde: 200 Meter breit, überspannt sie die Autobahn. Sie ist naturnah bepflanzt mit Sträuchern und Bäumen und strategisch so positioniert, dass eine alte Wanderroute wieder neu genutzt werden kann.

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