Rückkehr eines Mythos

Unter ptolemäischer Führung gewinnt Punt wieder an religiöser Bedeutung

Im ersten Jahrhundert vor Christus wurde Punt wieder bedeutender. Ptolemäus XII. ließ mitten in der Stadt Athribis einen gigantischen Tempel errichten. Das Herzstück war die Puntkammer im Inneren der Weihestätte. Der Mythos vom Weihrauchland war wieder zurück.

Die eindrucksvollen Reliefs lesen sich wie ein botanisches Lehrbuch. Im unteren Register gibt es eine lange Reihe von Weihrauchbäumen, begleitet von ausführlichen Inschriften, die in einen längeren botanischen und einen kleineren mythologischen Teil zerfallen. In diesem botanischen Teil finden sich einzigartige Informationen über die Farbigkeit der verschiedenen Harze, deren Konsistenz, die Größe der Harzkörner und vor allem die fremdländischen Namen der verschiedenen Weihrauch- und Myrrhearten. Im mythologischen Teil werden dann die einzelnen Harze und ihre Stoffe mit der ägyptischen Götterwelt und deren Mythologie in Verbindung gebracht.

Stadtbild Alexandria vor dem Sonnenuntergang Quelle: ZDF

Unter neuen Vorzeichen

Unter dem ptolemäischen Herrscher gewann das ferne Gebiet offensichtlich an religiöser Bedeutung. So wie in der Ära der Hatschepsut. Dies geschah jedoch unter neuen Vorzeichen, da fremde Pharaonen das Reich regierten. 332 vor Christus eroberte Alexander der Große Ägypten. Seine Nachfolger begründeten dann die Dynastie der Ptolemäer und erklärten Alexandria zur Hauptstadt. Für den ägyptischen Seehandel brachen goldene Zeiten an. Die Regenten ließen die Karawanenstraße zum Roten Meer absichern. Expeditionen nach Punt stand fortan nichts mehr im Weg. Nach Meinung der Forscher lag die Beschaffung des teuren Weihrauchs jedoch in mehreren Händen. Die Märkte für den Warenverkehr öffneten sich.

Die wohlriechende Substanz blieb nicht mehr allein dem Kult im Tempel vorbehalten. Das klebrige Harz hielt auch Einzug in die privaten Haushalte. Die Ägypter liebten es, Öle und Kosmetika mit Weihrauchessenzen anzureichern. Der Duft der Götter avancierte zum Verkaufsschlager für jede Gelegenheit. Die Vielfalt der Baumarten auf den Wänden von Athribis legt nahe: In der Epoche der Ptolemäer importierten die Kaufleute den Rohstoff aus mehreren Ländern. Punt war plötzlich überall, wo Weihrauch wuchs. Die Tradition von der heiligen Mission, der Hatschepsut folgte, lebte dennoch weiter.

Anknüpfen an die Vergangenheit

Auch Ptolemäus XII. unterstellte seine Unternehmungen dem göttlichen Auftrag. Sicher wollte er Ägypten zu altem Glanz verhelfen und an die große Vergangenheit anknüpfen. Wie Athribis zeigt, unterhielten die Priester sogar ein eigenes Laboratorium für die Herstellung von Aromastoffen. Der Ägyptologe Christian Leitz und sein Team entdeckten ein fein gemeißeltes Bildprogramm, das sich über eine lange Wand hinzieht. Die Szene gibt Aufschluss auf das erfolgreiche Tempelgeschäft.

Relief Tagesgötter Quelle: ZDF

In einer der abgebildeten Prozessionen trägt eine Reihe von Tagesgöttern jeweils ein Gefäß mit einer bestimmten Zutat vor sich her. Die Gefäße weisen winzige kleine Inschriften auf, die verschiedene Ingredienzen benennen - an jedem Tag eine andere. Es handelt sich um Aromata, Harze, Weihrauch, Myrrhe, Salbe, Johannisbrot und ähnliche Dinge. Auch Quantitätsangaben sind vorhanden. Offenbar handelt es sich um die Rezepte für Räuchermischungen, die Priester im Tempel herstellten.

Komplizierte Prozedur

Die Priester folgten einem bestimmten Rezept, das exakt vorgab, wann welche Substanz in welcher Dosierung verwendet wurde. Hinter verschlossenen Türen bereiteten die frommen Männer die geheime Mixtur zu - zum Wohlgefallen der Götter. Die Prozedur war kompliziert und nahm Monate in Anspruch. Schriftquellen rühmen eine spezielle Paste mit dem Namen Kyphi. Ihr angenehmer Geruch machte sie in der gesamten antiken Welt zur gefragten Handelsware.

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