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Rückkehr ins Inkareich

Vom Abenteurer zum König

Lange mag der Inka-Fürst an den fernen Gestaden nicht geblieben sein. Historiker del Busto ist sicher: Die Osterinsel war für die Besucher nur eine letzte, willkommene Etappe. Zurück im Inkareich wird er triumphal empfangen.

Auf der Fahrt nach Hause müssen die Seeleute all ihr Geschick aufbieten gegen Stürme und widrige Strömungen.

Grandiose Leistung

Es müssen schreckliche Monate auf dem engen Floß gewesen sein. Krankheiten und Mangel an Vorräten haben so mache Pazifiküberquerung scheitern lassen. Schließlich muss die Mannschaft Tupac Yupanquis bis Peru 2500 Seemeilen zurücklegen und den eiskalten Humboldtstrom bezwingen. Doch gegen alle Widrigkeiten gelingt ihnen die Rückkehr in die Heimat. Eine grandiose Leistung - zu einer Zeit, als die Navigation noch am Anfang steht.

In seiner "Geschichte der Inka" von 1572 schreibt der spanische Chronist Sarmiento de Gamboa, dass die Reise des Tupac Yuapanqui übers Meer insgesamt "neun Monate dauerte, andere sagen, ein Jahr. Und da man so lange nichts von ihm hörte, glaubten alle, er sei tot." Sarmientos Bericht über die Odyssee des Inka erregt am spanischen Hof großes Aufsehen. Nur wenige Jahre später schickt König Philipp II. seine Flotte in die Südsee. Fasziniert von den Erzählungen des Inka fasst Sarmiento den Entschluss, als Steuermann mit an Bord zu gehen.

Der neue Inkakönig

Dem wissbegierigen Vater Tupacs und dem versammelten Hofstaat schildert der Weitgereiste alle Einzelheiten der abenteuerlichen Fahrt. Danach begibt sich der Fürst in seine Residenz Tumipampa, wo ihn Frau und Kinder erwarten. Er gibt Weisung, einen großen Sommerpalast in Chincheros - oberhalb Cuzco - zu bauen. Kurz darauf stirbt sein Vater und Tupac tritt das Erbe an, das seit Jahren für ihn bestimmt gewesen ist: Als Zehnter der Dynastie wird er 1471 zum Obersten Inka erhoben.

Uralte Mythen


Der Titicacasee ist das heilige Zentrum des Inka-Reiches. Dort feiern die Indios zum Sommeranfang ein Fest, das an einen großen König erinnert. Schamanen beschwören die Naturgeister und weihen Kokablätter zu Ehren des Inka-Stammvaters Manco Capac und seiner Schwester, den Kindern des Sonnengottes Inti. In festgelegten Zeremonien lassen die Nachfahren die uralten Mythen wieder aufleben.

    Historiker José A. del Busto über das Ende Tupacs:
    Die Fassade von Tupacs Sommerpalast hat eine Reihe trapezförmiger Nischen. Offenbar hatte man hier lebensgroße Idole aufgestellt, die Tupac Yupanqui von seinen Eroberungszügen mitbrachte. In diesem Palast starb er um das Jahr 1485. Er war gerade mal 45 Jahre alt.

Auch der Vogelmensch hat darin einen festen Platz. Ebenso wie das Gebet an die Sonne. Die göttliche Urkraft, die alles Leben schuf - Menschen, Tiere, Pflanzen. Und die den Inka der Schöpfungslegende nach die Erde anvertraute: Macht sie euch untertan und dehnt das Reich in alle Himmelsrichtungen aus! Die großen Eroberungen, wie auch die legendäre Floßfahrt des Tupac Yupanqui - demnach heilige Missionen?

Verblüffende Ähnlichkeiten

Ein Vergleich mit den polynesischen Inselfesten zeigt verblüffende Ähnlichkeiten. Tausende von Seemeilen westwärts, im Pazifik, vollzieht sich alljährlich ein gleiches Ritual. Die legendäre Ankunft König Hotu Matuas auf der Osterinsel. Zwei Versionen von ein und derselben Geschichte?

Wenn die prächtig ausgestatteten Schilfboote das Ufer des Titicacasees erreichen, feiern die Einheimischen noch heute die Ankunft des großen Inka. So als kehrte Tupac Yupanqui von seiner Odyssee zurück. Geschichte, die mit den Jahrhunderten zur Legende wurde.

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