Rückständiges Land

Katharina und ihre Nachfolger regieren auf Kosten der Bevölkerung

Katharina steht ganz in der russischen Tradition ihrer Vorgänger, auch wenn sie von Geburt eine Deutsche war: die man "die Große" genannt hat. Ihren Gatten ließ sie von einem ihrer zahlreichen Liebhaber umbringen.

Sie selbst hat die Namen von immerhin neun preisgegeben. Katharina nimmt sich, was sie will. Ehrgeizig, konsequent, dominant - rücksichtslos. Ein russisches Spottwort machte schon zu ihren Lebzeiten die Runde: "Jeder Fürst hat seine Fürstin, jeder Bauer hat seine Marina - aber alle haben Katharina!"

Russischer als jede Russin

Im Frühjahr 1744 trifft die junge Sophie von Anhalt-Zerbst in Sankt Petersburg ein, um den Thronfolger zu heiraten. Zur Hochzeit nimmt sie den Namen Katharina - die Reine - an. Sie setzt den ganzen Ehrgeiz daran, russischer als jede Russin zu sein. Nach dem Mord an ihrem Gatten übernimmt sie die alleinige Macht und erweist sich als politisches Talent. Das Zarenreich erlebt nun ein Goldenes Zeitalter - Adlige und Kaufleute schwelgen im Reichtum und folgen der Monarchin am Anfang bedingungslos.


Doch zu ihren Leidenschaften gehören auch Gold, Edelsteine und Männer. Damit ruft sie Neid und Missgunst auf den Plan. Man sagt ihr nach, sie habe Legionen von Männern verführt. Aber sie tat nur das, was an allen Höfen Europas damals Gang und Gäbe war.

Hungersnöte und Epidemien

In einem Punkt herrscht unter Historikern Übereinstimmung: In Katharinas Reich war kein Platz für gesellschaftlichen Fortschritt. Das Leben der Landbevölkerung ist kaum erträglich ist. Hungersnöte und Epidemien fordern Millionen Todesopfer - besonders im harten Winter. In Russland gibt es weder eine wirkliche Aufklärung noch ein Bürgertum, das zum Träger von Freiheit und Demokratie hätte werden können. Russland bleibt ein rückständiges Land. Bestes Beispiel dafür: Die Leibeigenschaft ist erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschafft worden.



Großgrundbesitzer haben das Recht, ihre Knechte nach eigenem Gutdünken zu prügeln - und sie machen regelmäßig Gebrauch davon. Wo in den Weiten Russlands der Zar fern ist, üben Gutsherr und Priester die alleinige Staatsgewalt aus. Und schüren den Hass. Wer rebelliert, wird verbannt Die Unrechtsjustiz schickt jedes Jahr Tausende nach Sibirien - Millionen kehren nie zurück. Wer aus den Straflagern flüchtet oder die Zwangsarbeit verweigert, wird erschossen.

Hochbrisante Bomben

Vor allem in den überbevölkerten Industriestädten wächst die Wut auf das Zarenregime: Mit plötzlicher Wucht wird sie zum Ausbruch kommen - die Lunte des Aufstandes glimmt. Im Untergrund planen Anarchisten und Sozialrevolutionäre Attentate. Sie bauen hochbrisante Bomben. Ein neuentdeckter Werkstoff macht dieses Geschäft zu einer regelrechten Industrie. Der von dem Schweden Alfred Nobel erfundene Sprengstoff Dynamit erfordert bei der Herstellung größte Vorsicht - der Grundstoff Nitroglyzerin explodiert bereits bei geringer Erschütterung. Doch der revolutionäre Eifer überwindet die Angst vor der Geheimpolizei des Zaren - und vor dem Tod. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg kommt es zu mehr als 5000 Anschlägen.

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