Rückzug kurz vor dem Ziel

Alfingers tragische Entscheidung

Für die indianische Bevölkerung hatte das Gold eine spirituelle Bedeutung. Gold war der Abglanz der Sonne. Die wirbelnde Goldscheibe versetzte den Schamanen in einen Trancezustand. Die flimmernden, eingebrannten Muster auf der drehenden Scheibe bewirkten dieses veränderte Bewusstsein.

Für die Konquistadoren war das Teufelswerk. Sie interessierte nur der materielle Wert des Goldes. Ein jeder bekam seinen Anteil vom Schatz; alle hatten Gold in den Taschen.

Verlorenes Gold

Eine halbe Tonne Gold wurde nach Venezuela zur Verschiffung nach Europa zurückgeschickt, doch das Gold ging auf dem Weg verloren. Es ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Zum besseren Transport wurden die Kunstwerke eingeschmolzen. Tag und Nacht brannten die Schmelzöfen. Hunderte Goldobjekte wurden in handliche Goldbarren verwandelt.


Der Weg der Konquistadoren führt immer weiter in die Andenberge hinein. Je dichter der Urwald, desto unsicherer fühlen sich Deutsche und Spanier. Nachts fliegen tödliche Giftpfeile aus dem Dunkeln. Die Eroberer ziehen es deshalb vor, auf der Erde zu schlafen, sie setzen sich lieber den Gefahren des Urwalds aus.

Weit über der Baumgrenze

Immer weiter entfernt sich die Truppe vom heißen Tiefland. Schon bald befinden sie sich über den Wolken, weit über der Baumgrenze. Im Jahre 1532 gründet Alfinger in den Bergen eine Siedlung und lässt dort ein paar Getreue zurück. Das auf 2750 Meter Höhe gelegene Silos in der kolumbianischen Provinz Santander. Manche Einwohner könnten vielleicht Nachkommen der deutsch-spanischen Eroberer sein.

Doch es geht noch weiter hinauf in die Bergwelt. Die Männer sind am Rande ihrer Kräfte. In 4000 Meter Höhe sucht Alfinger einen Aussichtspunkt. Wo ist der Weg zum Goldland? Seine indianischen Führer sind bereits in der Kälte umgekommen oder geflohen.
Die Landkarte Südamerikas, in Alfingers Zeit entstanden, lässt sein damaliges geografisches Weltbild erkennen. Die Größe des amerikanischen Kontinents nach Süden hin war unbekannt. Auf der Karte ist von einem Goldreich die Rede, einer Gegend "Abundae auro", also reich an Gold.

Tragische Entscheidung

Hunger und Kälte setzen der Truppe zu. Als Casimir von Nürnberg stirbt, bricht Alfinger die Expedition ab und befiehlt den Rückzug. Eine tragische Entscheidung und ein großer Fehler. Alfinger war bis zum Ort Servitá gekommen, keine 100 Kilometer vom heutigen Sogamoso entfernt. Dort begann das sagenhafte Goldreich der Chibcha-Indios. Nur wenig südlich liegt der mythische Guatavitasee, der See des El Dorado. Alfinger und die Welser wären in Gold geschwommen.

In der El Dorado-Gegend lebten auf sehr engem Raum etwa eine Million Indios in 2500 Meter Höhe. Das Land ist noch heute übersät mit Seen und kleinen Krater-Gewässern. Viele waren den Indios heilig. Das Wasser dieser Seen war für sie wie ein Spiegel ihrer Seele.

Opfergabe im Wasser

Der bekannteste Kratersee ist der Guatavita-See des Goldenen Fürsten El Dorado. Der Goldene Mann fuhr auf einem Floß in die Seemitte. Viel Gold wurde als Opfergabe im Wasser versenkt. Wäre Alfinger bis zum Guatavita-See marschiert, wäre die europäische Geschichte vermutlich anders verlaufen. Als ein paar Jahre später die Spanier an diesen Ort kamen, machten sie die Beute, auf die Alfinger gehofft hatte.

Die Spanier brannten den Goldtempel nieder und eroberten das Chibcha-Reich. Selbst die Mumiengräber schonten sie nicht. Sie waren mit reichen Gold-Beigaben ausgestattet. In der Chibcha-Stadt Tunja wurde ein Berg von Gold, Smaragden und Schmuck aufgestapelt, so hoch, dass die Wächter auf beiden Seiten sich nicht mehr sehen konnten.

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