Sachsens Sonnenkönig

Augusts ambitionierte Pläne nach französischem Vorbild

Der Kurstaat Sachsen im 17. Jahrhundert: Schon in seiner Kindheit hegt Friedrich August hochfliegende Pläne. Der Fürstensohn, der gern über die Stränge schlägt, will ruhmreiche Schlachten schlagen und in prachtvollen Palästen ein Leben führen, das den Mächtigen der Welt in nichts nachsteht. Sein Vorbild: der französische Sonnenkönig Ludwig XIV.

August vor dem Dresdner Zwinger (Spielszene)
August vor dem Dresdner Zwinger (Spielszene) Quelle: ZDF,Steffen Junghans
August als kleiner Junge (Spielszene)
August als kleiner Junge (Spielszene) Quelle: ZDF,Steffen Junghans

Als Sohn Johann Georgs IV. von Sachsen lernt Friedrich August schon früh nach den Spielregeln des Adels zu leben. Seine Mutter, Anna Sophie von Dänemark, achtet streng auf die Erziehung Friedrich Augusts und seines älteren Bruders Johann Georg. Im Alter von 17 Jahren wird Friedrich August, wie es sich für einen jungen Mann seines Standes gehört, auf eine Kavalierstour geschickt. Von 1687 bis 1689 bereist er inkognito als "Graf von Leißnigk" Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Österreich. Von seinen Treffen mit dem französischen König scheint er zwar wenig beeindruckt - umso mehr ist er von der Selbstinszenierung Ludwigs XIV. und dessen absolutistischer Herrschaft fasziniert.

Imposante Kräfte

Begeistert berichtet August von den architektonischen Schönheiten Versailles und des spanischen Escorial, genießt die Feste während des Karnevals in Venedig - und stellt seine imposanten Kräfte zur Schau. Schon in seiner Jugend ist er für seine körperliche Überlegenheit gegenüber seinem älteren Bruder bekannt. Doch seine Demonstrationen gehen nicht immer gut - in Venedig entgleitet ihm bei einem solchen Schauspiel eine Marmorplatte und zerquetscht eine seiner Zehen.

Als Zweitgeborener hat Friedrich August zunächst keine Aussicht auf den Thron des Kurfürsten von Sachsen. Doch der Tod seines Bruders verhilft ihm 1694 an die Macht. Friedrich ist bereit, die unerwartete Verantwortung zu übernehmen. Er wird ein Herrscher, den die Kraft der Imagination zum grandiosen Regisseur des eigenen Lebens macht. Auf der Kavalierstour hat er sich von der glanzvollen Welt der europäischen Fürstenhöfe anstecken lassen. Dresden - so Augusts Vorstellung - könnte ebenso glanzvoll erstrahlen wie Versailles oder Venedig. Sachsen ist Ende des 17. Jahrhunderts zwar nur ein kleines deutsches Kurfürstentum, doch August will es zum Zentrum eines Königreichs wie Frankreich machen, wo sein großes Idol, Ludwig XIV., mit absoluter Macht regiert.

Karte Sachsen und Polen zur Zeit August des Starken
Karte Sachsen und Polen zur Zeit August des Starken Quelle: ZDF

Gelassenheit mit knallhartem Kalkül

Im Kurstaat Sachsen haben die Stände das Sagen. Doch mit kühner Gelassenheit und mit knallhartem Kalkül setzt der neue Kurfürst seine Gegner matt. Auf dem Weg zur Alleinherrschaft setzt er auf einen mit allen Wassern gewaschenen Politiker: Graf Jacob Heinrich von Flemming zieht diskret die Fäden und wird sein Regierungschef. Kaum im Amt, schmiedet August einen kühnen Plan: Sein Augenmerk richtet sich auf Polen. Nach dem Tod des polnischen Königs ist er vom Ehrgeiz besessen, sich die Krone zu kaufen. Die heikle Mission des Königsmachers vertraut er Flemming an. Doch wenn August den polnischen Thron besteigen will, muss er zum katholischen Glauben übertreten. Ein Unternehmen, das politischen Sprengstoff birgt: Sachsen ist die Hochburg des Protestantismus - aber August spielt die Sache herunter.

Gemälde Christine Eberhardine
Gemälde Christine Eberhardine Quelle: ZDF

Sachsen ist das Land Martin Luthers, und im Dresdner Schloss geht es streng protestantisch zu. August ist seit 1693 mit Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth verheiratet: die "Betsäule Sachsens", wie man sie nennt. Auch wenn sie sich mit Augusts zahlreichen Geliebten und Mätressen abfindet - wenn es um die Religion geht, kennt sie kein Pardon. Doch der Übertritt zur katholischen Konfession ist für den Kurfürsten nicht mehr als ein Geschäft: er garantiert ihm die Krone und die Aussicht auf königlichen Glanz. Im Juni 1697 sagt er sich von der Lehre Luthers los und legt in aller Heimlichkeit das katholische Glaubensbekenntnis ab. Er stellt jedoch eine Bedingung: Sollte der polnische Adel sich wider Erwarten für einen anderen Kandidaten entscheiden, wird der Religionswechsel für null und nichtig erklärt.

Großzügige "Geschenke"

Flemming reist als Königsmacher nach Warschau, um mit den polnischen Magnaten zu verhandeln. Die schwerreichen Edelleute besetzen alle politischen Schlüsselpositionen und entscheiden über die Wahl des Königs. Flemming sieht nur einen Weg, wie August die Krone erringen kann: Geld und Gold sollen der Preis für politische Gefolgschaft sein - und für Wählerstimmen. Um großzügige "Geschenke" zu verteilen, reist August auch selbst nach Polen. Die Summe beläuft sich auf rund vier Millionen Taler - enorm viel Geld, in einer Zeit, in der Handwerker nicht mehr als 25 Taler im Jahr verdienten.

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