"Saint-Exupéry habe ich abgeschossen"

Nach jahrelanger Recherche findet sich der Schütze vom 31. Juli

Die Ursache für das Verschwinden Saint-Exupérys bleibt weiter unklar. Aber Lino von Gartzen bleibt die vage Hoffnung, über Zeitzeugen noch etwas herauszufinden. Im Rahmen der Recherchen zum Motor der Messerschmitt hat er eine Liste mit tausend Namen. Tausend Anrufe in zwei Jahren - ohne Ergebnis. Doch dann führt ihn der Hinweis eines Zeitzeugen zu einem Mann aus der Jagdgruppe 200. Dieses letzte Telefonat bringt eine unverhoffte Wendung.

Horst Rippert als Pilot im Zweiten Weltkrieg Quelle: Hans Fahrenberger/Tangram

Jeder seiner bisherigen Anrufe begann mit den Worten: "Guten Tag, mein Name ist Lino von Gartzen. Ich führe eine Recherche zu einem Flugzeugmotor durch, der vor der Küste Marseilles am Absturzort Antonie de Saint-Exupérys gefunden wurde." Doch am 20. Juli 2006 kommt er gar nicht so weit. Nach dem der Name des berühmten Schriftstellers fällt, wird er sofort unterbrochen: "Herr von Gartzen, Sie können aufhören zu forschen. Saint-Exupéry, den hab ich abgeschossen!"

Pilot Horst Rippert wartet auf seinen Einsatz (Spielszene) Quelle: ZDF

Aufklärung am Mittelmeerraum

Horst Rippert ist Mitglied der Jagdgruppe 200, stationiert im Fliegerhorst Marignane bei Marseille. Am 31. Juli 1944 bekommt er den Auftrag, eine feindliche Maschine aufzuspüren. Am späten Vormittag macht sich Rippert auf zu seiner Messerschmidt 109. Er startet mit dem Auftrag, eine Aufklärung am Mittelmeerraum zu fliegen: Marseille/Toulon. Gegen 11.40 Uhr sichtet Rippert eine feindliche Aufklärungsmaschine in 2000 Metern Höhe.

Horst Rippert Quelle: ZDF



Kurz nach zwölf Uhr ist Rippert zurück am Stützpunkt. Den Abschuss hat er zuvor gemeldet. Wenige Tage danach hört Rippert vom Verschwinden Saint-Exupérys. Ein alliierter Sender setzt eine unverschlüsselte Nachricht ab: "Nous interrompons notre programme pour un communiqué spécial. Un bien triste évènement vient d'etre rapporté par la première escadrille du groupe 2/33: Le Commandant Saint-Exupéry n'est pas rentré de sa mission sur la Savoie le 31 de juillet...." Von da an quält Rippert der Gedanke, dass er es war, der Saint-Exupéry vom Himmel geholt haben könnte. Doch eine Abschussbestätigung ist nie erfolgt.

Immer nur der Verdacht

Memoiren Horst Rippert Quelle: ZDF

So wie die Ereignisse von Horst Rippert geschildert werden, hätte eine offizielle Abschussanerkennung allein aus bürokratischen Gründen nie erfolgen können. Er war nach seinen Aussagen allein unterwegs, und das Wrack ist ins Meer gestürzt. Das heißt, die zwei wichtigen Voraussetzungen, die man für eine offizielle Abschussanerkennung braucht, waren nicht erfüllbar. Kein Wrack, keine Zeugen. Jahrzehntelang trägt Horst Rippert nur den Verdacht mit sich. In seinen 1998 verfassten Memoiren beruhigt er sich damit, dass Saint-Exupéry nie über Marseille geflogen sein konnte. Aber die Entdeckung des Wracks vor Marseille macht ihm endgültig klar, wer damals sein Gegner war.

Nach 60 Jahren Ungewissheit ist das Schicksal von Antoine de Saint-Exupéry aufgeklärt. Doch eine entscheidende Frage bleibt. Saint-Exupéry wurde bei der Ile de Riou abgeschossen. Warum jedoch hat er zuvor seinen Kurs verlassen? Eine Antwort darauf könnte sein: Mit seinem letzten Flug wollte er ohne Auftrag einen spektakulären Coup landen. Eine Heldentat - um zu zeigen, dass er mit seinen 44 Jahren längst noch nicht zum alten Eisen gehörte.

Was Saint-Exupéry tatsächlich vorhatte, wird niemand mehr herausfinden. Dieses Geheimnis nimmt er mit in sein Grab. Zurück lässt er seinen Gegner, der seine Tat bis heute nicht verwunden hat.

Eine Botschaft vom kleinen Prinzen

Zeichnung Der kleine Prinz Quelle: ZDF

Antoine de Saint-Exupérys Leidenschaft zum Fliegen hat sein Leben, sein Werk und sein Schicksal bestimmt. Die Lösung des Rätsels um sein Ende klärte auch das Schicksal eines echten Prinzen: Alexis Prinz zu Bentheim und Steinfurt. Die Geschichte vom Kleinen Prinzen hat Millionen Leser damals wie heute berührt. Als er vom Planeten verschwindet, hinterlässt er eine Botschaft: "Es wird aussehen, als wäre ich tot, und das wird nicht wahr sein..."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet