Savonarolas Plan scheitert

Papstsohn vereitelt Bündnis zwischen Frankreich und Florenz

Am 28. November 1494 geschieht Unerhörtes: Der König von Frankreich begibt sich in die Klosterzelle eines einfachen Mönchs. Er will sich mit eigenen Augen von den Wundergaben des Predigers überzeugen.

Cesare Borgia Quelle: ZDF

In dem Gespräch kann Savonarola den König überzeugen, von Plünderung und Zerstörung Abstand zu nehmen. Es ist einer der unglaublichsten Momente der Weltgeschichte. Der Mönch zwingt den allmächtigen König von Frankreich in die Knie. Doch Savonarola will mehr. Er flüstert dem König ein neues Ziel ein.

Krieg gegen den Kirchenstaat



Der Prophet schmiedet ein Bündnis zwischen Florenz und den Franzosen. Die Kriegsmaschinerie des Königs wendet sich gegen den Kirchenstaat. Karl VIII. will die Vision Savonarolas verwirklichen: das heilige Rom zu erobern und den unheiligen Papst abzusetzen. Der Borgia-Papst scheint verloren. Selbst seine mächtige Festung, die Engelsburg, bietet gegen die militärisch überlegenen Franzosen keinen Schutz. Die päpstlichen Truppen werden verjagt.

Nur ein Wunder scheint im Januar 1495 Savonarolas Triumph, den Sieg der französischen Verbündeten, verhindern zu können. Doch unerwartet öffnet der Papst dem Feind die Türen der heiligen Stadt Rom - und seine Schatztruhe. Er lässt die französischen Invasoren aus freien Stücken in seine Welt der höfischen Lustbarkeiten ein.

Geniale Strategie

In der Vatikanischen Bibliothek befindet sich das Tagebuch des Deutschen Johann Burckard, Zeremonienmeister von Alexander VI. Die Skandale am Papsthof nehmen breiten Raum ein. "Alle taten alles, vor den Augen aller", heißt es in dieser wichtigsten Quelle über das Leben der Borgia-Familie. Diese Chronik ist für Professor Quandt der Schlüssel, um die Hintergründe des Zweikampfes zwischen Papst und Savonarola zu verstehen. Dabei wird die geniale Strategie Alexander VI. bei der Abwehr der Invasion sichtbar.




Die Festlichkeiten sind nur Tarnung. Die Franzosen bemerken nicht, dass die Borgias heimlich eine mächtige Allianz gegen die Invasoren schmieden. Er organisiert einen Städtebund in Italien um gegen die Franzosen gewappnet zu sein - ein glänzendes, kaltes, politisches Machtspiel. Überrascht müssen die Franzosen aus Italien fliehen. Nun feiert die unheilige Papstfamilie wieder unter sich. Savonarolas Plan ist gescheitert. Nun steht er im Fokus Alexanders VI.

Übermächtiger Feind



Der Prophet hat sich einen übermächtigen Feind geschaffen. Cesare Borgia ist die gefährlichste Waffe des Papstes.Von der feinen Intrige bis hin zu eiskaltem Mord reicht die Skala seiner Mittel. Cesare ist ein ebenso überragender Stratege wie Verbrecher. Der Philosoph Machiavelli findet in seinem berühmten Werk "Il Principe" bewundernde Worte für ihn: "Es ist sicherer für einen Fürsten, wenn er gefürchtet, als wenn er geliebt wird". Cesare wird als Ideal des Renaissance-Menschen gefeiert. So steht die Moral des Papstsohnes im Einklang mit der Zeit. Gewalt und Täuschung gelten als erlaubte Mittel, um die Herrschaft zu sichern.

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