Schädelanalyse

Hinweise auf Fraktur

Ortsbegehung im Tal der Könige, der legendären Nekropole zahlreicher Pharaonen. Die Fahnder Cooper und King suchen nach handfesten Beweisen für ihre Mordtheorie.

Das Ziel der Fahnder ist das geheimnisumwitterte Felsgrab des kindlichen Herrschers. In der Sargkammer wollen sie die Wände des Heiligtums unter die Lupe nehmen.

Schlampige Arbeit

Möglicherweise liefern die Darstellungen Hinweise auf die Umstände, die zu Tutenchamuns Tod führten. Die Bilder sind sein Testament an die Götter. Sie sollten Einblick in das Leben des Verstorbenen erhalten. Cooper und King finden bestätigt, was die historischen Fotos schon vermuten ließen. An Wänden und Sarg stoßen die erfahrenen Kriminologen auf deutliche Spuren schlampiger Arbeit. Vor allem Harzreste am Fuß der Mumienhülle. Beleg dafür, dass der tote Pharao überstürzt beerdigt wurde?

Die Untersuchung seines Leichnams im Jahr 1968 lieferte den ersten Verdacht, dass im Altertum vielleicht ein Verbrechen vertuscht werden sollte. In einer groß angelegten Aktion, unter Teilnahme eines internationalen Gremiums, beginnt Professor Harrison von der Universität Liverpool mit der Arbeit. Auch den Mediziner interessiert vor allem die Todesursache. Deshalb macht er Röntgenaufnahmen von seinem berühmten Patienten.

Abnorme Verdichtung

Damals ein spektakuläres Vorgehen. Zum ersten Mal in der Geschichte blickten Forscher ins Innerste einer ägyptischen Mumie - ohne sie dabei zu zerstören. Stück für Stück durchleuchtet Harrison so den gesamten Körper. Und dokumentiert damit auch die Schäden, die Derry 40 Jahre zuvor verursacht hatte. Bei der Bestrahlung des Kopfes gelingt dem Briten eine überraschende Entdeckung, denn die Aufnahmen führen zu einem Verdacht: An der Schädelbasis ist eine abnorme Verdichtung zu erkennen. Harrison tippt auf ein Blutgerinnsel.

Hielt Harrison damals das erste Beweisstück im Mordfall Tutenchamun in Händen? Er selbst konnte dies nicht mehr überprüfen. Die ägyptischen Behörden erlaubten keine weiteren Forschungen an der Mumie. Kopien der Röntgenbilder zeigen Cooper und King rund 30 Jahre später einem Experten: Todd Gray, Chef-Pathologe von Salt Lake City, fällt sofort ein loser Knochensplitter in der oberen linken Schädelhälfte auf. Entstand der Schaden bei der Prozedur der Mumifizierung? Die Balsamierer benutzten Skalpell und Haken, um das Gehirn durch die Nase aus dem Schädel zu entfernen. Sind die Priester an die Schädeldecke gestoßen und haben dabei den Splitter gelöst?

"Coup contra Coup"

Heißt das, der Splitter entstand doch durch einen Schlag auf den Hinterkopf? So, wie schon Harrison vermutete? Zumindest ließe sich dann auch das Blutgerinnsel erklären. Gray spricht von einer "Coup contra Coup"-Verletzung. Trifft ein Mensch mit dem Hinterkopf hart auf einen Gegenstand, wird das Gehirn nach vorne geschleudert. Die Folgen sind heftige Blutergüsse rund um die Augen und Splitterbrüche. Denn im unteren Bereich der Stirn ist die Schädeldecke extrem dünn und empfindlich. Grays Diagnose lautet: Das winzige Knochenstück kann tatsächlich beim Balsamieren gelöst worden sein. Doch eine Fraktur bestand in jedem Fall schon vorher. Daran lässt er keinen Zweifel. Wie sich Tutenchamun die Verletzung zuzog, kann der Experte aber nicht beantworten.

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