Schätze für den König

Größte Ausgrabungskampgne in Herculaneum

Im Jahr 79 nach Christus ist Herculaneum eine mondäne Küstenstadt am Golf von Neapel. Das Imperium Romanum wird von Kaiser Titus regiert und herrscht weit über den Mittelmeerraum hinaus. Es ist eine Zeit voller Überfluss und Dekadenz. Dann verschütten die Lavaströme eines gewaltigen Vulkanausbruchs die Städte am Vesuv. Eine von ihnen, Herculaneum, wird im Jahr 1710 zufällig entdeckt.

Ausgrabungen am Fuße des Vesuv Quelle: ZDF

Die Villen und Paläste sind prunkvoll ausgestattet, selbst in öffentlichen Badehäusern wie der "Therme Suburbane" wurden die Wände bemalt und farbiger Marmor verbaut. Das Atrium ist mit einer wertvollen Büste von Apollo geschmückt. Doch am 24. August 79 erschüttert den Golf von Neapel eine furchtbare Naturkatastrophe. Ein gewaltiger Vulkanausbruch löscht in wenigen Stunden das Leben von Tausenden Menschen aus.

Büste des Apollo im Atrium der "Therme Suburbane" Quelle: ZDF

1700 Jahre unter Lava und Asche

Der Vesuv schleudert gigantische Mengen von Asche und Bimsstein in die Luft, dann bricht die kilometerhohe Säule aus vulkanischem Material in sich zusammen und rast als pyroklastische Welle zu Tal. Die 500 Grad heiße Wolke aus Asche und giftigen Gasen verkohlt dabei jedes Leben, jedes organische Material innerhalb von Sekunden. Die Städte Herculaneum und Pompeji bleiben fast siebzehn Jahrhunderte unter einer massiven Lava- und Ascheschicht begraben.

Fund des Theaters Quelle: ZDF

Mit der Zeit gerät ihre genaue Lage in Vergessenheit - bis im Jahr 1710 der Bauer Ambrogio Nucerino zur Bewässerung seines Gartens einen Brunnen aushebt. Dabei macht er eine verblüffende Entdeckung: in zwanzig Metern Tiefe stößt er auf die Überreste eines Gebäudes. Der Bauer steht auf der Bühne eines antiken römischen Theaters. Mit marmorverkleideten Wänden, Ehrenlogen und Reiterstandbildern aus Bronze. Unter dem Gemüsegarten wartet eine ganze Stadt auf ihre Entdeckung - eine Inschrift verrät ihren Namen: Herculaneum.

Streng geheimes Projekt

Knapp 30 Jahre später, im Jahr 1738 startet Karl der III., König von Neapel-Sizilien, in Herculaneum eine der größten Ausgrabungskampagnen der Geschichte. Er finanziert die Arbeiten aus der Staatskasse und beauftragt den Spanier Rocco de Alcubierre mit dem streng geheimen Projekt. Die Plünderung Herculaneums nimmt ihren Lauf. Was nicht den Wertvorstellungen Rocco de Alcubierres und seines Auftraggebers entspricht, wird weggeworfen und oft zerstört.

Karl III. Quelle: ZDF

Obwohl das neapolitanische Königshaus die Ausgrabungen als Staatsgeheimnis behandelt, macht bald der Vorwurf von rücksichtsloser Schatzgräberei die Runde. Doch die Kritik ficht Alcubierre nicht an. Was zählt, ist der Erfolg: Schätze für den König! Das Ziel der Kunst-Transporte ist der Sommersitz des Königs von Neapel, der Palazzo Reale in Portici. Bestärkt von seiner jungen Frau, der erst 14-jährigen Maria Amalia von Sachsen, plant Karl III. ein exklusives Privatmuseum. Mit der Antiken-Sammlung will der 22-jährige Regent beweisen, dass er über die größte Kulturnation Europas herrscht. In Herculaneum sieht Karl III. eine persönliche Schatztruhe, die es zu heben gilt.

Imposante Sammlung

Hunderte Antiquitäten liefert Alcubierre nach Portici - doch zu sehen bekommt die Funde kaum jemand. Der König hält die Kunstwerke unter strengstem Verschluss. Die Sammelleidenschaft von Karl III. begründet eine der bedeutendsten archäologischen Kollektionen der Welt. Die Statuen, Fresken und Mosaike im heutigen Nationalmuseum von Neapel gewähren einen einzigartigen Blick auf die hohe Kunstfertigkeit im Römischen Reich. Am Hof von Neapel werden die Schatzsucher nach zehn Jahren Grabung mit den Ergebnissen aus Herculaneum zunehmend unzufriedener. König Karl III. hat mit Hilfe von Rocco de Alcubierre zwar eine imposante Sammlung aufgebaut, doch wirklich interessante Funde werden immer spärlicher.

Gipsabdruck eines Opfers Quelle: ZDF

Doch dann entdecken die Ausgräber im April 1748 einen Ort, der Herculaneum für immer in den Schatten stellen und die Schatzkammer des Königs bis zum Bersten füllen soll: Pompeji. Schon nach wenigen Tagen stoßen die Ausgräber auf die ersten Opfer der Katastrophe. Ein Regen aus Asche und Bimsstein hatte die Pompejianer bis zu drei Meter hoch bedeckt. Ihre Körper hinterließen in dem vulkanischen Material Hohlräume, die der Archäologe Giuseppe Fiorelli vor knapp 150 Jahren mit Gips ausgießen ließ und die so einen dramatischen Eindruck vom Moment ihres Todes vermitteln.

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