Schätze von Gotland

Schlüssel zur Vergangenheit

Archäologen untersuchen Gotlands Erde. Sie graben sich in jene Zeit, als Gold und Silber anscheinend im Überfluss auf die Insel kamen. Dan Carlsson ist Ausgrabungsleiter in Fröjel, einem kleinen Dorf an der Westküste. Hier soll einst ein wichtiger Hafen der Wikinger gelegen haben.

Das Grabungsareal ist so groß wie hundert Fußballfelder. "Um die ganze Hafenstadt auszugraben, bräuchten wir über 200 Jahre", sagt Carlsson. Mit gezielten Grabungsschnitten will er der sagenhaften Erfolgsgeschichte der "Schatzinsel" näher kommen.

Verborgen unter dem Blütenmeer

Jedes Fundstück ist ein Schlüssel zur Vergangenheit: ob Wikingergürtel, ein Tonei, Symbol der Wiederauferstehung Christi für die orthodoxe Kirche des Ostens - oder ein kugelrunder, lupenreiner und in silber gefasster Bergkristall mit auffälliger Verzierung. Die Archäologen ordnen sie dem slawischen Kulturraum zu. Die Halskette einer Prinzessin aus den Weiten Russlands? Professor Carlsson vermutet, dass erst ein kleiner Teil der Schätze entdeckt worden ist. Das meiste liegt noch verborgen unter dem Blütenmeer Gotlands.

Der größte Schatzfund gelang in Spillings, im Norden Gotlands. Das war erst vor ein paar Jahren und es ist bis jetzt der größte Wikingersilberschatz der Welt: 75 Kilo pures Silber, hauptsächlich arabische und byzantinische Münzen. Fachleute sprechen Gotland die höchste Schatzdichte der Welt zu. Über die ganze Insel verstreut waren die Silberdepots verborgen. Die Schätze haben die Wikinger auf ihren Höfen vergraben. Warum nicht im Wald, in Höhlen, in einer Grotte oder am Strand?

Schweinerippe mit Runen

Heute bedeckt eine wild wuchernde Wiese den einstigen Wikingerhafen. Der Archäologe ist sicher, dass unter der Grasnarbe die Antwort auf seine wichtigste Frage liegt: Woher kam der unglaubliche Reichtum? Die Ausgräber, die im Bereich des Wikingerfriedhofs arbeiten, stoßen auf einen außergewöhnlichen Tierknochen: Runen auf einer Schweinerippe, eingeritzt in Spiegelschrift. Die Entzifferung ergibt einen geheimnisvollen Orakelspruch. Der Runenknochen war in ein Tieropfer eingebettet.

Kleine Sensation

Im Abschnitt nebenan stoßen die Ausgräber auf eine mysteriöse Frauenleiche. Ihr Gesicht ist nach unten gekehrt, "so als hätte man es in die Erde gedrückt, damit die Frau für immer schweigt", spekuliert Dan Carlsson. Auch die Position der Gliedmaßen irritiert den erfahrenen Ausgräber. Die Arme liegen auf dem Rücken gekreuzt. Möglicherweise hat man die Tote gefesselt ins Grab gelegt.


Visby ist die Hauptstadt Gotlands. In den Labors der Universität wird die rätselhafte Frauenleiche untersucht. In einem Backenzahn hat sich ihre DNA erhalten. Damit kann der Gencode der Frau geknackt werden. Er wird ihr Alter, und ihre Herkunft preisgeben. Das Laborergebnis ist eine kleine Sensation: Die Frau ist keine Skandinavierin, sie stammt aus Russland. Referenzdaten aus dem Wolgaraum stimmen exakt mit denen der Frauenleiche überein. Für Carlsson ein weiterer Puzzlestein, der nach Osten weist. Lag dort die Quelle des Reichtums der Wikinger?

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