Schatzgrube Uluburun

Weltberühmtes Wrack der Bronzezeit mit kostbarer Ladung

In der türkischen Hafenstadt Bodrum liegt das Kastell St. Peter. Die mittelalterliche Festung beherbergt ein Unterwassermuseum. Dort lagert die gesamte Fracht der Uluburun, dem weltberühmten Wrack aus der Bronzezeit. Der stolze Frachter sank Ende des 14. Jahrhunderts vor Christus nahe der türkischen Küste.

Uluburun Quelle: ZDF

Das Wrack benannten die Entdecker nach dem Dorf Uluburun unweit der Unglücksstelle. Die Ursache für den Untergang aber bleibt Spekulation. Für die Forscher stehen mehrere Szenarien zur Diskussion. Vielleicht verrutschte die schwere Ladung und brachte das Schiff zum Kentern. Genauso wahrscheinlich ist ein Überfall von Piraten, ein Unwetter oder ein Navigationsfehler.

22.500 Tauchgänge

George Bass und Cemal Pulak entdeckten die Uluburun 1982. Mehr als 3000 Jahre ruhte das Wrack mit der gesamten Fracht unberührt auf dem Meeresboden. Der Beginn einer Lebensaufgabe für die Pioniere der Unterwasserarchäologie. Rund 22.500 Tauchgänge brauchte das Team, um das Fundfeld zu dokumentieren und das Schiff mit der Ladung zu heben. Allein 354 Ochsenhautbarren brachten die Spezialisten in Sicherheit.

Taucher bergen einen Ochsenhautbarren aus dem Wrack der Uluburun Quelle: ZDF

Zu den größten Überraschungen gehörten die azurblauen Glasrohlinge. Bis dahin konnten Archäologen nur spekulieren, ob in der Bronzezeit überhaupt schon Glas produziert wurde. An Bord waren mindestens 350 Kilogramm, gefertigt in Ägypten. Auch die zwei Dutzend Keramikkrüge aus dem griechischen Mykene sorgten für Aufsehen. Ein einzigartiger entenförmiger Kosmetikbehälter zeugt von filigraner Elfenbeinarbeit. Und nicht zuletzt der schimmernde Bernstein ist bemerkenswert.

Suche nach dem Herkunftsland

Im unterirdischen Magazin des Museums liegt die kostbare Ladung des Wracks. Vor allem die neun Tonnen Kupfer, gegossen in 354 Barren. Eine Materialprobe soll klären, wo die Uluburun den Rohstoff an Bord genommen hat. Ein erster Hinweis auf das Herkunftsland befindet sich auf der äußeren Korrosionsschicht. Das markante Zeichen, gleich einem Firmenstempel, deutet auf die Insel Zypern. Zur weiteren Herkunftsklärung wird das über 3500 Jahre alte Objekt mit einem Bohrer behandelt - bis reine Kupferspäne austreten. Anschließend erstellt ein Atomspektrometer einen so genannten metallurgischen Fingerabdruck. Der Befund bestätigt die Vermutung. Doch erst Vergleichsproben auf Zypern können das Resultat absichern.

Mine auf Zypern Quelle: ZDF

Die drittgrößte Insel im Mittelmeer gehörte in der Bronzezeit zu den Top-Adressen der Rohstoff-Lieferanten. Das Kupfer - lateinisch cuprum - gab Zypern den Namen. Das alte Kupferparadies gilt in der Fachwelt als Land der tausend Minen. Die zahlreichen Stollen zeugen von der Betriebsamkeit vergangener Zeiten. Die Einheimischen verfeinerten das Produktionsverfahren und bauten leistungsfähigere Öfen. Um den Schmelzpunkt zu senken, versetzten die Schmiede das Erz mit Kieselerde oder manganhaltigem Gestein. So konnten die Meister die Fließfähigkeit der Schmelze steuern. Die Form der Barren entsprach einer getrockneten Ochsenhaut. Jedes Stück war 60 mal 45 Zentimeter groß und wog exakt 29 Kilogramm.

Industrielle Vormachtstellung

Auf Zypern gibt es noch überall Metallreste zu entdecken. Mehr als vier Millionen Tonnen Schlacke aus dem Altertum erinnern an die industrielle Vormachtstellung der Insel. Innerhalb von 3500 Jahren gewannen die Bergleute mindestens 200.000 Tonnen Kupfer. Die exzessive Verhüttung verursachte jedoch schwere Ökokatastrophen. Denn für die Befeuerung der Öfen holzten die Einheimischen ihre Wälder ab. Und das nachweislich sechzehn Mal.

Hügel ohne Bäume Quelle: ZDF

In einer der ältesten Mine der Erde, die seit rund 6000 Jahren ständig in Betrieb ist, wird die notwendige Vergleichsprobe genommen. Sie soll die Herkunft des Kupfers von der Uluburun endgültig klären. Mit Hilfe von Elektronenmikroskop und Atomspektrometer lassen sich kristalline Struktur und chemische Zusammensetzung des Erzes bestimmen. Die beiden Fingerprints des Metalls verraten: Die Probe von der Uluburun stimmt mit dem Material aus Zypern geochemisch überein. Das Schiff muss tatsächlich die gesamte Ladung von neun Tonnen Kupfer auf der Mittelmeerinsel an Bord genommen haben.

Zinnland im fernen Osten

Zum Frachtgut der Uluburun zählte auch eine Tonne Zinn, ebenfalls für die Bronze-Herstellung geordert. Babylonische Quellen berichten von einem Zinnland weit im Osten. Es liegt über 3000 Kilometer vom Mittelmeer entfernt, im heutigen Usbekistan. Nahe bei der märchenhaften Stadt Samarkand an der alten Seidenstraße betrieben die Bronzezeitler die Mine von Karnab.

Mine von Karnab Quelle: ZDF

In dem Jahrtausende alten Bergwerk führen steile Felsen zu den Erzgängen hinab. Das Gefälle beträgt zwischen 70 und 80 Grad. In der Frühzeit schürften die Erwachsenen im oberen Bereich. Wegen der Enge mussten im unteren Abschnitt Kinder die schwere Arbeit übernehmen. Bei der Überprüfung des Ortes sind deutliche Tritt- und Schürfspuren zu sehen. Zeugnis für die Ausbeutung der Rohstoffquelle über viele Jahrhunderte. Die etwa 800 Gruben erstrecken sich über fast zwei Quadratkilometer. Jede Abbaustelle lieferte pro Jahr rund eine Tonne Zinn. Eine Rekordbilanz.

Rundreise von 1700 Seemeilen

Eselskarawanen brachten das begehrte Metall zu den Handelsmetropolen in Mesopotamien, wie Keilschrifttafeln belegen. Zweitausend Kilometer durch unwegsames Gebiet. Von Karnab ging es über Gebirge und durch Wüsten bis nach Babylon, dem wichtigsten Umschlagplatz. Dann weiter zum Hafen Ugarit am Mittelmeer. Dort kreuzten sich die großen Handelsstraßen. Die insgesamt 20.000 Teile der Uluburun beweisen: Das Schiff segelte von Ugarit über Zypern nach Kreta und Mykene. Dann weiter nach Troja und ins Schwarze Meer. Danach steuerten die Seeleute Ägypten an, erwarben dort Glasbarren und tauschten die in Ugarit gegen Zinn. Fernhandel auf einer Rundreise von 1700 Seemeilen.

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