Schatzkammer in der Steppe

Grab voller Überraschungen

Die Steppe zwischen Wolga und Ural in Südrussland war vor 2500 Jahren Schauplatz dramatischer Ereignisse. Damals durchstreiften kriegerische Nomaden die endlosen Weiten. Heute zeugen nur noch Grabhügel von der Vergangenheit.

Die so genannten Kurgane sind Fixpunkte eines rastlosen Nomadenlebens. Jahr für Jahr, Generation auf Generation, begruben die Clans hier ihre Toten.

Heimliche Hoffnungen

Heute ist die Steppe ein Betätigungsfeld für Wissenschaftler. Der Archäologe Leonid Jablonskij hat seine amerikanische Kollegin Jeannine Davis-Kimball eingeladen. Auf der Ausgrabungsstelle haben sie sechs leere Löcher gefunden, für die es keine schlüssige archäologische Erklärung gibt. Vor etwa neunzig Jahren haben Forscher den Kurgan schon einmal untersucht - und fanden nur Spuren von Plünderern. Doch Jablonskij ahnt, dass ihnen allen bislang etwas entgangen sein könnte.

Grab voller Gold

Größe und Lage des vermuteten Grabes wecken heimliche Hoffnungen, dass der Fund vielleicht der Schlüssel zur Lösung des Amazonen-Rätsels sein könnte, dem Davis-Kimball schon seit Jahren auf der Spur ist. In dem Grab finden sie einen gut erhaltenen Schädel eines Menschen. Doch das ist erst der Anfang. Ein weiterer Fund: Ein Spiegel - in der symbolträchtigen Kultur der Nomaden das Zeichen für einen Priester - oder eine Priesterin.


Noch fürchten die Wissenschaftler, dass Grabräuber gezielt am Werke waren, alles liegen ließen - und nur nach Gold suchten. Falls sie es taten - haben sie es jedenfalls nicht gefunden, denn das Grab ist voller Gold. Dutzende Goldperlen - Teil eines Schmuckstücks, einer reich verzierten Rüstung? Fein gearbeitete Broschen und Applikationen - die Überreste prachtvoller Kleidung. Ein Trinkgefäss aus purem Silber - das unscheinbare Grab in der russischen Steppe entpuppt sich als wahre Schatzkammer. Selbst für einen erfahrenen Archäologen wie Leonid Jablonskij sind solche Schätze außergewöhnlich.

Doch was verraten diese Funde? Wer lag in diesem Grab? Jablonskij und seine Mitarbeiter stoßen auf ein unauffälliges und doch äußerst wertvolles Objekt. Sie finden einen Ohrring - den Schmuck einer Frau. Für Jeannine Davis-Kimball ist das ein Fund, der sehr viel verspricht. Noch bleibt es eine Ahnung, vielleicht auch nur ein geheimer Wunsch: dass dieses Grab in der Steppe helfen könnte, endlich Mythos und Wahrheit der Amazonen-Geschichte aufzuklären, die seit Jahrtausenden die Phantasie der Menschen beflügelt.

Gebogene Knochen

Die Merkmale des Knochenfundes deuten darauf hin: Die Person war weiblich. Und noch ein wichtiger Hinweis. Der Oberschenkelknochen der mutmaßlich weiblichen Toten ist erhalten. Er hat eine ungewöhnliche Form: Ihre Oberschenkel sind gebogen und die Steißbeinwirbel gestaucht. Das könnte bedeuten, dass diese Frau sehr viel geritten ist - aber hat sie auch gekämpft? Existierte in der russischen Steppe, vor 2500 Jahren ein Nomadenvolk, das seine Frauen in den Krieg schickte? Schon einmal nährte ein Grabfund diese Theorie.

Im Juli 1994 entdeckte das Team um Davis-Kimball menschliche Skelette in einer ähnlichen Grabanlage, rund 300 Kilometer südöstlich. Die Funde markierten den Beginn einer zehnjährigen Recherche.

Wertvolle Artefakte

In einigen Gräbern lagen Männer - aber ebenso viele enthielten offenbar weibliche Skelette. Zudem wertvolle Artefakte und Waffen. Waren diese Frauen das Vorbild für den Amazonen-Mythos? Die Vermutung wurde zum Verdacht, als die Knochen datiert wurden. Sie sind 2.300 Jahre alt - und stammen damit aus jener Zeit, in der sich der Amazonen-Mythos wie ein Lauffeuer über die damals bekannte Welt verbreitete.




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