Schatzsuche als Gratwanderung

Zwischen moralischer Verantwortung und kommerziellem Erfolg

Etwa 400 Jahre nach dem Untergang der San José sind Unterwasserarchäologen und Schatzjäger mit dem Expeditionsschiff Zanj auf Spurensuche, am Infusse Riff, 15 Grad südlich des Äquators. Ein zwei Kilometer langes und 400 Meter breites Gebiet, durchzogen von starken Strömungen.

Mit einem Sensor, der Metall aufspüren kann, tasten sie den Meeresboden ab - in der Nähe des Riffs vermuten sie Überreste der Sao José.

Exklusive Lizenzen

Die Wissenschaftler arbeiten für die portugiesisch-deutsche Firma Arqueonautas. Das Unternehmen finanziert sich durch das Heben von Schätzen und zählt zu den führenden Bergungsgesellschaften weltweit. Für die Suche nach der Sao José hat die Regierung von Mosambik exklusive Lizenzen vergeben.



Ein Signal des Magnetometers weist möglicherweise auf eine erste Fährte der Sao José. Bei dem angepeilten Gegenstand handelt es sich um eine schwere Bronzekanone in 21 Meter Tiefe: eine heiße Spur, denn 24 prächtige Kanonen verteidigten die Sao José - die wertvolle Waffe könnte also zu dem gesuchten Schiff passen. Doch dieses Wissen allein beweist noch nichts - Stil und Beschaffenheit der Kanone müssen auf die richtige Epoche verweisen. Die Archäologen stellen fest: Die Form ihrer Griffe war Anfang des 17. Jahrhunderts üblich. Ein wichtiges Indiz. Jedes Detail kann helfen, das Geheimnis eines Wracks zu lüften. Seriennummern von Kanonen verraten im Idealfall die Identität des Schiffes, auf dem sie montiert waren.

Strenge Auflagen

Schatzsuche unter Wasser ist eine Gratwanderung zwischen moralischer Verantwortung und materiellem Erfolg. Mosambik verbindet seine Lizenzen mit strengen Auflagen. Oberstes Gebot ist die genaue wissenschaftliche Dokumentation und Veröffentlichung der gewonnenen Erkenntnisse. Ein Abkommen, das auf Vertrauen basiert.

Auf dem Expeditionsschiff Zanj leben und arbeiten auf engstem Raum die Männer bis zu acht Monate im Jahr. Ein Knochenjob, der viel Leidenschaft erfordert. Daten über Größe und Verarbeitung der Kanone müssen registriert werden. Illegale Wracktaucher sind das Feindbild Nummer 1 für die Wissenschaft. Der deutsche Chef von Arqueonautas muss mit besonderer Sorgfalt an die Arbeit gehen.




Antiquitäten als boomendes Geschäft

Elf Jahre schon sucht Sandizell entlang der Meilensteine portugiesischer Seewege - Zuerst die Kapverden vor Westafrika, seit 1999 Mosambik. Dort stieß er vor drei Jahren auf ein anderes Wrack mit rätselvoller Geschichte. Es hatte 1500 Stück Ming Porzellan geladen - jedes ein Unikat. Die Mehrzahl gehört dem mosambikanischen Staat. Nur wenige Stücke durfte Sandizell versteigern.



Antiquitäten vom Meeresboden sind ein boomendes und lukratives Geschäft. Die UNO Konvention von Montego Bay schützt Kulturerbe unter Wasser. Ein Appell und gleichsam eine Illusion. Denn an den Schätzen der Meere wollen alle verdienen. Solange der Ratifizierungsprozess läuft, ist nicht verbindlich geregelt, was strafbar ist. Wissenschaftler verlieren oft Zeit im Wettlauf mit modernen Seeräubern.

126 interessante Fälle

Illegale Praktiken, von denen sich Sandizell ausdrücklich distanziert. Gemeinsam mit dem marinearchäologischen Leiter von Arqueonautas, dem Kubaner Alejandro Mirabal, durchforstet er alte Archive. 126 Schiffe in mosambikanischen Gewässern stufen Sandizell und Mirabal als interessant ein. Eine Bergung könnte sich lohnen. Säcke voll Pfeffer, Ingwer und Zimt, tonnenweise Kisten, gefüllt mit Seiden, Gold und Edelsteinen transportierten die Frachter der Ostindienlinie zwischen Lissabon und Goa. Allein die Carreira da Índia verzeichnet in knapp 200 Jahren mehr als 1000 Handelsfahrten.

Zu den 126 Schiffen zählt auch die Sao José. In der Nationalbibliothek von Lissabon stoßen Sandizell und Mirabal auf das Tagebuch des Padre Jerónimo Lobo. 1622 segelte er als Missionar mit Francisco da Gama nach Goa. Der Jesuitenpater hat den Schicksalsweg der Flotte aufgezeichnet. Auch andere Quellen berichten von der angespannten politischen Lage, in der die Sao José nach Goa auslief. Und alle erwähnen ihre wertvolle Ladung: 18.000 Silbermünzen.

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