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Schatzsuche im Goldenen Dreieck

Den Geheimnissen Südostasiens auf der Spur

Doku | Terra X - Schatzsuche im Goldenen Dreieck

Für "Faszination Erde" drehten Dirk Steffens und sein Team am Inle-See in Myanmar. Die Menschen, die hier leben, haben ganz besondere Methoden gefunden, sich den See zunutze zu machen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.01.2020, 16:08
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015

"Goldenes Dreieck" nennt sich das Grenzgebiet zwischen Laos, Thailand und Myanmar. Es verdankt seinen klangvollen Namen dem einst lukrativen Opiumhandel. Aber das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Dirk Steffens hat sich aufgemacht, die wahren Reichtümer der Region aufzuspüren. Am Ende wird er nicht nur einen Schatz heben, sondern viele: Tausende von prächtigen Pagoden in Myanmar. 1500 neue Tierarten, die man erst jüngst im Mekongbecken entdeckt hat. Oder das sagenumwobene Angkor in Kambodscha, Hauptstadt des Khmerreiches und im Mittelalter die wahrscheinlich größte Stadt der Welt.

Bei einer Fahrt im Heißluftballon über den Tempeln von Bagan ahnt man, woher die Region ihren Namen haben könnte: Hunderte von Pagoden breiten sich auf der Ebene am Fluss Ayeryawady aus. Viele der religiösen Bauwerke sind von goldenen Dächern und Stupas – buddhistischen Heiligtümern – gekrönt. Die rund tausend Jahre alte Königsstadt Bagan ist eine der größten archäologischen Stätten der Welt. Elf Könige ließen hier bis zum Ende des 13. Jahrhunderts rund 6.000 Tempel und Klöster errichten, von denen etwa 2.200 erhalten geblieben sind.

Auch wenn sich in manchen Heiligtümern über die Jahre schon kiloweise Gold angesammelt hat: Mit der Bezeichnung „Goldenes Dreieck“ für die Region zwischen Laos, Thailand und Myanmar hat das eigentlich nichts zu tun. Der Begriff stammt vielmehr aus den frühen 1970ern und geht auf den Opiumanbau und -handel zurück: Chinesische Händler bezahlten das Opium anfangs mit Gold. Aus dem Anbaugebiet, das ungefähr die Form eines Dreiecks hat, wurde das Rohopium nach Australien, China und Europa exportiert. Heute ist der Drogenanbau verboten, in abgelegenen Bergregionen gibt es allerdings noch illegale Anbauflächen. Doch die goldenen Zeiten des Opiumhandels sind vorbei, geblieben ist der Name.

Schatztruhe für Naturforscher

Blutegel auf menschlicher Haut
Blutegel: für Laien eklig, für Forscher extrem nützlich

Inzwischen hat das Goldene Dreieck eine neue Bedeutung gewonnen – und zwar für Naturforscher. Der große natürliche Reichtum der Region ist seine zum Teil noch unbekannte Tier- und Pflanzenwelt. Im Mekongbecken wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 1.500 neue Arten entdeckt. Dazu zählen etwa die augenlose Riesenkrabbenspinne Sinopoda scurion oder der fliegende Frosch Rhacophorus helenae, der dank großer Schwimmhäute 15 Meter tief von Bäumen herunter oder von Baum zu Baum gleiten kann. Sogar auf neue Arten von Warmblütern sind die Forscher gestoßen: zum Beispiel die Laotische Felsenratte, die bis 2005 als ausgestorben galt, die Blattnasenfledermaus und eine neue Stumpfnasenaffen-Art.

In die schwer zugänglichen, oft im Gebirge gelegenen Lebensräume seltener Tiere vorzudringen und bei monatelangen Beobachtungen auf Sichtungen zu hoffen, kann allerdings zeitaufwendig und ineffizient sein. Seit Kurzem verspricht eine neue Forschungsmethode Abhilfe: Sie arbeitet mit Blutegeln. Die Mini-Vampire haften sich nämlich an alle Warmblüter an, die im Dschungel unterwegs sind, und speichern deren abgezapftes Blut monatelang in ihrem Magen. Forscher analysieren diese Blutproben der Saugwürmer im Labor und können anhand der enthaltenen DNA auf die Tierart schließen, von der es stammt. Sie erfahren also, wo im Untersuchungsgebiet welches Tier vorkommt. Gerade in Laos gibt es viele selten gewordene Tiere, auch Tiger und Kragenbären sind hier heimisch. Mithilfe der Blutegel-Methode, hoffen die Wissenschaftler, lässt sich nun ein genauerer Überblick über die tatsächlichen Bestände gewinnen.

Kulturschätze im Dschungel

Warnschild vor Minen
Die Gefahr durch Landminen ist allgegenwärtig.

Dass es in Indochina noch so viele Naturschätze zu entdecken gibt, hat neben der Unzugänglichkeit der Landstriche auch einen erschreckenden Grund: Landminen. In abgelegenen Gegenden empfiehlt es sich deshalb, nur auf ausgewählten und von Minen befreiten Pfaden durch die Wildnis zu streifen. Der Vietnamkrieg sowie die Bürgerkriege in Laos und in Kambodscha, die bis 1975 andauerten, hinterließen Millionen Streubomben und Landminen, die noch nicht explodiert sind. Auch abgelegene Regionen, in denen sich Rebellen versteckten, wurden damals vermint. Aus diesem Grund dringen auch die Archäologen erst nach und nach in manche Regionen vor. Dabei lockt nicht nur die Natur, sondern auch ein unvergleichlicher kultureller Reichtum.

Angkor Wat
Der größte Tempel: Angkor Wat

Im heutigen Kambodscha baute das Volk der Khmer eine gigantische Stadt: Angkor, das alte Zentrum ihres Reiches, ist Südostasiens wohl berühmteste archäologische Stätte. Das Khmerreich erlebte seine Blütezeit zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert nach Christus. Sein Einfluss reichte damals von Kambodscha über Thailand und Myanmar bis nach Laos. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern lebten in Angkor etwa eine Million Menschen auf einer Fläche größer als das heutige Berlin. Wie man inzwischen weiß, hat sich die Bevölkerung von Angkor weitgehend selbst versorgt, die Menschen betrieben intensive Landwirtschaft. Die Khmer errichteten prachtvolle Tempel, allein in der Stadt Angkor wurden bisher rund tausend im Dschungel entdeckt. Der größte und bekannteste Tempel ist Angkor Wat. Seine Geschichte begann im Jahr 1113,als Suryavarman II. durch einen Königsmord auf den Khmerthron gelangte. Der neue Herrscher wollte Autorität vor dem Volk gewinnen und sich als gottgleich präsentieren. Daher beschloss er den Bau einer gigantischen Tempelanlage, die für die Menschen die Welt der Götter auf Erden symbolisieren sollte. Nur religiöse Bauwerke durften damals aus Stein gebaut werden und überdauerten deshalb die Jahrhunderte.

Wassermanagement als Schlüssel

Bewässerungssystem von Angkor (Grafik)
Angkor verfügte über ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem.

In dieser Region, in der es aufgrund des Monsunklimas nur etwa sechs Monate im Jahr regnet und sechs Monate lang Trockenheit herrscht, ist die Versorgung der Einwohner und der landwirtschaftlichen Flächen mit Wasser eine Herausforderung. Der Schlüssel zum Überleben ist ein ausgefeiltes Wassermanagement. Kanäle und Speicherbecken für regenarme Zeiten sicherten die Bewässerung ausgedehnter Felder. Die Ebene, auf der Angkor liegt, war umrahmt von einem weitläufigen Kanalsystem und großen Becken als Wasserspeicher. Mit diesen Mitteln reichte das Wasser für die Versorgung der Millionenstadt das ganze Jahr über. Doch das System war anfällig: Durch das geringe Gefälle lagerte sich Sediment in den Kanälen ab, die Versorgungsadern mussten daher ständig gepflegt werden. Als die Trockenperioden immer länger wurden, begannen die Wasservorräte allmählich knapp zu werden – für die Millionenstadt Angkor eine Katastrophe. Der Wassermangel ließ die Kanäle austrocknen, Missernten waren die Folge. Im 15. Jahrhundert verließen die Menschen  innerhalb von wenigen Jahren die Metropole, und über die Jahrhunderte geriet sie in Vergessenheit. Der Dschungel eroberte sich die Ebene von Angkor mit ihren Tempeln und Palästen zurück, und der kulturelle Schatz versank im Urwald. Bis heute sind die Archäologen vollauf damit beschäftigt, ihn zu bergen und für die Nachwelt zu  bewahren – ein Wettlauf zwischen Mensch und Natur.

Und woher stammt das Wasser, das Angkor einst zur Blüte brachte und dann im Stich ließ? Sein Ursprung liegt rund dreitausend Kilometer entfernt. Der Himalaya im Norden ist der Garant für die Wasserversorgung ganz Südostasiens. An der Bergkette des Himalayas fangen sich in den Sommermonaten die vom Süden kommenden Monsunwinde. Die Wolken regnen oder schneien sich hier ab, und  das Wasser nimmt seinen Weg Richtung Küste. Es speist die großen Flüsse der Region, wie den Mekong und den Ayeryawady. Dieser Wasserreichtum ist einer der kostbarsten Schätze, die das Goldene Dreieck birgt. Aber er ist bei Weitem nicht der einzige.

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