Scherben und Papyri aus Elephantine

Nilinsel birgt zahlreiche Funde mit demotischen Inschriften

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die aus dem Hieratischen abgeleitete Kursivschrift des Alten Ägypten noch nicht entschlüsselt. Doch selbst heute ist Demotisch eine Schriftart, die noch manch modernen Ägyptologen herausfordert. Wie auch auf der Nilinsel Elephantine. 1000 Kilometer nilaufwärts bei Assuan, wo die Wüste bis an den Nil heran reicht.

Insel Elephantine Quelle: ZDF

Elephantine ist noch heute die erste ägyptische Stadt, die nubische Händler aus dem Süden erreichen. Die Stadt auf der Insel wuchs bis zum 13. Jahrhundert vor Christus mehr als 4000 Jahre kontinuierlich. Ein Dorado für Ägyptologen. Seit fast 40 Jahren erkundet das Deutsche Archäologische Institut zusammen mit dem Schweizer Institut für Ägyptische Bauforschung die Siedlungen auf Elephantine. An der Tagesordnung sind dabei Funde mit Demotischen Inschriften, deren Übersetzung die Archäologen oft überfordert.

Demotische Schrift Quelle: ZDF

Demotisch als Alltagsschrift

Das Schreiben in kunstvollen Hieroglyphen oder der ersten Kursivform, dem Hieratischen, wurde den alten Ägyptern zu aufwendig. Eine Schnellschrift musste her. Deshalb entwickelten sie Demotisch als Alltagsschrift. Während die Babylonier eine Tontafelbibliothek für die Aufzeichnung ihrer Epen anlegten, dachten die alten Ägypter praktisch. Denn Ägypten hatte schon sehr früh eine funktionierende Verwaltung - aber damit auch eine der ersten Bürokratien der Welt. Rechnungen, Verträge, Quittungen, private Dokumente: Alles wurde ab 700 vor Christus in Demotisch geschrieben.

So müssen auf Elephantine über 900 Scherben und Papyri mit demotischer Beschriftung sortiert und dokumentiert werden, bevor sie zur Übersetzung zu den Philologen geschickt werden. Der Inhalt kommt einem manchmal überraschend modern vor. Auf einem Papyrus wird beispielsweise die Gütertrennung einer Ehe geregelt. Die Konditionen werden formuliert, unter welchen Bedingungen die Ehefrau welche Gegenstände aus dem Haus mitnehmen darf, sollte die Ehe scheitern. Da man auf der Insel nicht in die Breite bauen konnte, wuchsen die Siedlungen nach oben, Schicht um Schicht. Eine Fundgrube für moderne Archäologen. Artefakte aus mehr als vier Jahrtausenden auf dem Präsentierteller.

Ruinen der gewachsenen Siedlungen Quelle: ZDF

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