Schicksal eines Außenseiters

Warum Australien anders ist

Kata Tjutas in Australien bei Sonnenaufgang

Dokumentation | Terra X - Schicksal eines Außenseiters

Faszination Erde aus Australien: Eine Moderation mit Agakröten wird fast zum Albtraum für Dirk Steffens und sein Team. Die Kröten wollen einfach nicht so, wie es der Drehplan vorsieht ...

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Leben im Abseits: Australien, der fünfte Kontinent, ist wie kein anderer geprägt von der Isolation. Fernab von anderen Landmassen, unter weltweit singulären geologischen Bedingungen, konnten sich hier über Millionen von Jahren Lebensformen entwickeln, die es nirgendwo sonst mehr gibt.

Wahre Wunderdinge erzählte man sich von diesem Land: Schon der Grieche Ptolemäus hatte in der Antike eine im Süden liegende Landmasse vorausgesagt, die die gesamte Südhalbkugel umspannen und damit die Erde im Gleichgewicht halten sollte: terra australis incognita. Zwar suchten die Seefahrer, die ab dem 16. Jahrhundert den südlichen Pazifik erkundeten, vergeblich nach dem legendären Südkontinent. Dafür betraten sie am Ende der Welt ein Reich, das ihnen nicht minder fabelhaft vorkam.

Besondere Tierwelt

Australien, Ansicht auf Weltkarte
Australien: komplett vom Meer umgeben, weitgehend flach, heiß und trocken Quelle: ZDF

Vor rund 100 Millionen Jahren löste sich Australien vom Urkontinent Gondwana und ist seither durch die Ozeane von den anderen Kontinenten getrennt. In der Abgeschiedenheit konnten sich Tiere entwickeln, die weltweit ihresgleichen suchen. Den ersten Berichten aus der Ferne über "hüpfende Hirsche ohne Geweih" konnten die Menschen in Europa kaum Glauben schenken. Das Präparat eines Schnabeltieres, eines Eier legenden Säugetieres, hielten sie für einen schlechten Scherz und suchten nach Nähten im Fell, denn das Tier sah aus wie eine Fälschung aus Ente, Maulwurf, Otter, Biber und mehr...

Die isolierte Außenseiterlage ließ Australien zu einer sicheren Arche für das Schnabeltier und viele andere Tiergruppen werden, zum Beispiel Reptilien und Beuteltiere. Weil in Australien die Konkurrenz anderer Säugetiere fehlte, konnten die Beuteltiere den gesamten Kontinent erobern. Im Kampf gegen Neuankömmlinge sind die Tiere Australiens dennoch oft unterlegen: Sie sind derart spezialisiert, dass sie sich gegen Konkurrenten nicht behaupten können. In den vergangenen 200 Jahren sind allein 17 Beuteltierarten ausgestorben.

Besondere Geschichte

Eisenerzmine in Australien
Weltführer in der Föhrderung von Eisenerz Quelle: ZDF

Die Ausrottung der Riesenbeuteltiere begann wahrscheinlich schon mit der Ankunft des Menschen. Uralte Felsmalereien lassen vermuten, dass die Vorfahren der Aborigines schon vor mehr als 50.000 Jahren Australien besiedelte - noch bevor die ersten Menschen aus Afrika Europa erreichten. Die Neuankömmlinge fanden ein in weiten Teilen trockenes und unfruchtbares Land vor, das sich kaum kultivieren ließ. Für die Domestizierung kamen heimische Tiere wie die freiheitsliebenden Kängurus nicht in Betracht. So lernten die Aborigines im Lauf der Zeit, die Nahrungsquellen zu nutzen, die die Natur für sie bereithielt. Sie blieben bis zur Ankunft der Europäer weitgehend Jäger und Sammler. mehr...

Dass die australischen Böden so unfruchtbar sind, ist eine Folge der Außenseiterlage des Kontinents. Australien erhebt sich mitten auf einer Kontinentalplatte aus den Ozeanen. Geologisch gesehen liegt es damit in einer Ruhezone, denn Unruhen durch Erdbeben und Vulkanausbrüche gibt es vorwiegend an den Plattengrenzen. Die Böden haben sich teilweise schon seit Milliarden Jahren nicht verändert, und Mineralien wurden im Laufe der Zeit ausgewaschen.

Besondere Geologie

Korallenriff mit Fischen
Artenvielfalt am Great Barrier Reef Quelle: ZDF

Die extreme Ruhelage des Kontinents hat auch einen Vorteil. Der australische Boden ist an manchen Stellen seit Anbeginn der Erde unverändert. Schätze aus der Vergangenheit konnten so bis heute bewahrt werden. In Australien finden sich daher Lagerstätten von Eisen, Gold und vielen anderen wertvollen Rohstoffen, die sich einst gebildet haben und bis heute von tektonischen Prozessen unbeschadet in relativ leicht zugänglichen Lagerstätten vorliegen. Pro Jahr werden heute mehr als 400 Millionen Tonnen Eisenerz gefördert - so viel wie sonst nirgends auf der Welt.

Weltspitze ist auch ein Bauwerk, das winzig kleine Lebewesen im Lauf von Millionen Jahren errichteten: das Great Barrier Reef vor der Nordostküste. Das größte Korallenriff der Erde bietet Lebensraum für über 10.000 Arten. Doch dieses natürliche Bauwerk der Superlative ist bedroht. Eine der Plagen ist der räuberische Dornenkronenseestern, der sich von Korallenpolypen ernährt und periodisch in Schwärmen über Teile des Riffs herfällt. Stirbt das Riff, geht auch ein wichtiger Küstenschutz für Australien verloren. Denn bei Sturm wirkt das Korallenriff wie ein Wellenbrecher, der die zerstörerische Kraft des Pazifiks mildert. mehr ...

Besonderes Klima

Morning-Glory-Wolke in Australien
Beeindruckendes Wetterphänomen: die Morning Glory Cloud Quelle: Red Bull Australia

Die Außenseiterlage Australiens ist für ein spezielles Wettergeschehen verantwortlich: Wasser, das Meeresströmungen nach Australien bringt, heizt sich unterwegs auf. Vor Australiens Küste angelangt, ist es bis zu 30 Grad heiß. Diese Energie kann aus Winden Zyklone machen. Im Frühjahr 2011 traf Zyklon Yasi mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde auf die Küste, und heftige Regenfälle überspülten Queensland. Hunderttausende Einwohner mussten ihre Häuser verlassen.

Wenn der Wind hier verrückt spielt, ist das aber nicht immer ein Grund zur Sorge: Turbulenzen in der Atmosphären fördern gigantische Wirbel und Wellen. Aus ihnen entsteht im Nordosten Australien regelmäßig die größte Luft-Welle der Welt - eine Attraktion für Extremsportler. Jedes Jahr zum Ende der Trockenzeit treffen sich die besten Drachenflieger, um den legendären "Tsunami unter den Wolken" zu reiten: die Morning Glory. Sie ist morgens sichtbar, wenn die Luft noch feucht ist, und kann bis zu 1000 Kilometer lang und bis zu 60 Stundenkilometer schnell werden. Das weltweit einmalige Phänomen entsteht, wenn sich Cape York im Sommer stark aufheizt. Die erwärmten Luftmassen an Land saugen Luft vom Ozean an und lassen starke Winde entstehen. Von beiden Seiten strömen sie über die Halbinsel und türmen sich zu einer gewaltigen Druckwelle auf.

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