Schicksal Schmelzofen

Rechenexempel mit Unbekannten

Das Schloss über der Stadt Gotha beherbergt eine exquisite Handschriftensammlung. Dort lagern auch einzigartige Dokumente aus dem alten Arabien. Darunter die mittelalterliche Chronik der Stadt Mekka von Muhammad Ali Qutb ad-Din.

Der Historiker präsentiert eine schier unglaubliche Fortsetzung der Geschichte. Ein Orientalist der altehrwürdigen Bibliothek übersetzt den arabischen Originaltext ins Deutsche.

150 Kilogramm Gold

Sulaiman Ibn Dawoud ist der arabische Name für Salomon, Sohn Davids. Sollte das Heiligtum der Israeliten wirklich in einem morgendländischen Schmelzofen verschwunden sein - um schließlich als ein Berg aus Münzen zu enden? Selbst wenn es stimmt, dass der Schaubrottisch nach Damaskus gelangte, stellt sich die Frage: Ist die Zahl von 36.000 Dinaren, die angeblich aus dem Edelmetall geschlagen wurden, nicht völlig unrealistisch? Reichte das Material überhaupt für eine solche Menge an Goldstücken?

Hinter Panzertüren verwahren Mitarbeiter des Münzkabinetts der Universität Jena seltene Exemplare aus der Frühzeit des Islam. Darunter auch einen Dinar, den einst Kalif Walid aus Damaskus prägen ließ. Wenn die Chronik von Mekka die Wahrheit sagt, dann wären aus dem Jerusalemer Tisch solche Münzen hergestellt worden. Ein Dinar bringt 4,23 Gramm auf die Waage. Für 36.000 Stücke mussten also etwa 150 Kilogramm Gold vorhanden sein. War der Schaubrottisch tatsächlich so schwer?

Mehrere Talente Gold

Die einzige, wenn auch ungenaue Angabe macht Flavius Josephus: "Am meisten Aufsehen erregte ein Tisch von mehreren Talenten Gold", erinnert sich der Augenzeuge des römischen Triumphzugs. Ein "Talent" entspricht dreißig Kilogramm. 150 sind in jedem Fall "mehrere Talente". Möglich, dass der jüdische und der arabische Historiker vom selben Gegenstand sprechen - dem Schaubrottisch aus Jerusalem - verewigt vor fast zweitausend Jahren auf dem Titusbogen in Rom.

In Mekka, dem heiligsten Ort des Islam, soll das Gold gelandet sein. Die Kaaba verehren die Moslems als Geburtsstätte ihrer Religion. Ein Magnet für Millionen von Pilgern. Einmal im Leben soll jeder Gläubige die Wallfahrt zur Stadt des Propheten unternehmen. Gold für die Tür zu stiften, hat bei arabischen Herrschern Tradition - heute genauso wie zu Zeiten von Kalif Walid. Der eingeschmolzene Tisch Jahwes bei den Erben Mohammeds - so endet der eine Teil der abenteuerlichen Geschichte, heißt es.

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