Schicksalhafte Beziehung

Napoleon und die Liebe

Die Menschen in der Heimat liegen dem Kriegshelden zu Füßen. Nur seine Frau nicht. Der junge General ist mit der sechs Jahre älteren Joséphine de Beauharnais verheiratet. Eine Beziehung, die er in Briefen als schicksalhaft verklärt.

Sie schlugen und sie liebten sich. So will es die Legende. Doch in Wahrheit ist die Ehe für Joséphine vor allem ein Zweckbündnis. Sie liebt nicht ihn, sondern seinen Ruhm. Die Verbindung soll ihr Sicherheit und Auskommen garantieren. Für sie das Wichtigste in ihrem Leben.

Jahre zuvor war die Adlige in den mörderischen Strudel der Revolutionszeit geraten. In einer Gefängniszelle in einem ehemaligen Kloster erhält sie Nachricht von der Hinrichtung ihres ersten Mannes. An die Zellenwand hat Joséphine Verse voller Verzweiflung geschrieben. Freiheit und ein unbeschwertes Leben scheinen ihr nur noch eine "vergebliche Hoffnung". Sie entkommt knapp der Guillotine. Steigende Schulden treiben sie in die Arme Napoleons, spotten Zeitgenossen. Der junge Aufsteiger hingegen lässt in den Ehering gravieren: "Eine aufrichtige Liebe".

Flammende Briefe

Er schrieb flammende Briefe voller Leidenschaft: "Meine süße, unvergleichliche Josephine ... tausend Küsse für Dich, aber sende keinen zurück, denn sie setzen mein Herz in Brand. Kein Tag vergeht, ohne dass ich dich liebe, keine Nacht, in der ich Dich nicht in den Armen halte. Ich liebe Dich mit jeden Tag mehr. Entfernung kuriert kleine Leidenschaften, aber die großen macht sie schlimmer." Doch der Mann, der als Feldherr Europa erschüttert, verliert auf dem Schlachtfeld der Liebe. Joséphine genießt den frischen Ruhm ihres Gatten, ihr Herz gehört jedoch anderen. Während er zu Felde zieht, empfängt sie zu Hause ihre Liebhaber. Als Napoleon von den Affären erfährt, scheint alles andere um ihn herum zu versinken. "An meinem Ruhm liegt mir nichts mehr. Mit neunundzwanzig Jahren habe ich alles ausgeschöpft."

Im Pariser Nationalarchiv werden Napoleons intime Briefe an Joséphine aufbewahrt. Louis Bonaparte, der spätere Napoleon III., hat den Nachlass seines Onkels hier einlagern lassen. Eine wertvolle Quelle, denn diese Briefe speisen den Mythos vom großen Liebhaber Napoleon. Würde dieser Mann wirklich alles aufgeben für die Liebe einer Frau?

König des Orients

Napoleon, für den Liebe eine Stimmung ist, will andere Ziele erobern als nur das Herz einer Frau: "In mir erwachte der Ehrgeiz, wahrhaft Großes zu vollbringen - etwas, das mir bis dahin nur wie ein fantastischer Traum erschienen war. Hätte ich Frankreich vierzig Jahre lang regiert, ich hätte aus ihm das schönste Weltreich gemacht, das jemals existiert hat. Frankreich als Herr von Ägypten wäre auch Herr von Indien. Ich hätte dort ein Reich begründet wie Alexander, ich wäre nach Mekka gepilgert und hätte dort meine Gebete verrichtet. Wäre ich in Ägypten geblieben - ich wäre heute König des Orients. Der Osten sucht nach einem Mann."

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