Schießpulver für Spanien

Letzte Ehrung für Haenke

Viele von Haenkes Erkenntnissen über das Leben der damals noch unerforschten Dschungelbewohner, ihre erstaunlichen handwerklichen Fertigkeiten und kulturellen Errungenschaften, wurden wissenschaftlich nicht wahrgenommen.

Auch manche von Haenkes Entdeckungen auf dem Gebiet der Flora und Fauna blieben der Welt unbekannt, weil sie nie veröffentlicht wurden. Einige Blätter sind erhalten geblieben.

Sprengstoff für die Silberminen

Auch als Geograf ist er in die Geschichte Südamerikas eingegangen. Er zeichnet die ersten topografischen Landkarten Boliviens und den Verlauf der Flüsse - Voraussetzung für eine verstärkte Besiedlung des Tieflandes. Der König im fernen Spanien könnte zufrieden mit seinem Bediensteten sein. Doch der Druck auf Haenke wächst, seine Aufenthaltsgenehmigung in den spanischen Kronlanden zu rechtfertigen. Da kommt ihm der Auftrag des mächtigen Bergwerksbesitzers von Tarapaca wie gerufen. Hat der Reisende Haenke nicht die Salpeter-Vorkommen in der Atacama entdeckt? Jetzt soll der Chemiker Haenke daraus Sprengstoff für die Silberminen erzeugen.

Es gelingt ihm tatsächlich, billiges Natron in hochwertiges Kalisalpeter umzuwandeln. Diese Salzverbindung wird nie feucht, ideal zur Herstellung von Sprengstoff. Der Wissenschaftler verschenkt eine chemische Formel, die die Welt erschüttern wird. Doch die Geister die er rief, lassen ihn nicht mehr in Frieden. Er bekommt von der spanischen Krone den Auftrag, das Sprengpulver in großen Mengen herzustellen. Seine Experimente legen den Grundstein für die größte Pulverfabrikation Südamerikas. In langen Versuchsreihen erfindet er das Schwarzpulver geradezu neu, dadurch verbessert er immer wieder den Wirkungsgrad seines Sprengstoffes. Skrupel hat er anscheinend nicht.

Tragische Beziehung

In all den Jahren seiner Dienstverpflichtung kehrt Haenke immer wieder in die einsamen Salzsteppen zurück - auch ohne Genehmigung der Kolonialbehörden. Die scheinbar endlose Weite mache süchtig, heißt es. Wenn man durch die Wüste geht, spürt man die Stille. Sie kann beängstigend und sogar Ohren betäubend sein, sagen die Menschen der Atacama. Die Beziehung von Thaddäus Haenke und der Atacama endet tragisch. Sie hat ihm die Sternstunde seines Forscherlebens ermöglicht. Jetzt trägt er zu ihrer Zerstörung bei.

Chuquicamata ist im offenen Tagebau die größte Kupfermine der Welt. 2,5 Kilometer breit, 4,5 Kilometer lang. Förderleistung 350.000 Tonnen täglich. Der staubige Abfall der Verhüttung enthält das Gift Arsen. Der Wind verteilt es über das Land. Wieder brauchen die Machthaber den erfinderischen Doktor Haenke. Sie befehlen nun die Herstellung von 300.000 Pfund Schießpulver. Im Inneren wird das spanische Kolonialreich von Aufständen erschüttert und an den Grenzen stehen feindliche Truppen. Der Dank des Militärs für Erfüllung des Auftrags ist die letzte Ehrung, die ihm zuteil wird.

Ungeklärter Tod

Im Jahre 1816 stirbt Haenke plötzlich im Alter von 54 Jahren. In Südamerika geht die Zeit der Fremdherrschaft zu Ende, auch in Cochabamba siegt die Revolution. Das Gerücht geht um, Haenke habe die Aufständischen mit Rat und Tat unterstützt. Die Umstände seines Todes lassen viele Fragen offen. Er sei im Kerker gestorben, berichtet eine englische Zeitung. Haben spanische Agenten den Mann, der zuviel wusste, beseitigt? Sind dunkle Schatten aus seiner Vergangenheit aufgetaucht, als der Forscher jahrelang verschwunden war? Erst Jahre später taucht irgendwo ein Totenschein auf: Laut Expertenurteil eine im Nachhinein angefertigte Urkunde, um das Erbe zu sichern.

Der gesamte Besitz des Toten wurde von den spanischen Behörden eingezogen - wie das Eigentum eines Revolutionärs. Von Haenkes Nachlass an Pflanzen und Mineralien, an Büchern und Manuskripten ging vieles verloren. In Europa geriet er ganz in Vergessenheit. Doch in Südamerika wird seine Andenken bis heute in Ehren gehalten.

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