Schiffahrt ins Verderben

Auch der französische Kinderzug scheitert kläglich

Was sich nun mit den Kindern des französischen Kreuzzuges ereignet, ist in der Chronik des Alberich von Troisfontaines belegt: Hugo Ferreus und Wilhelm de Posqueres, zwei Kaufleute aus Marseilles, wollen mit ihren Schiffen die Kinder ins gelobte Land führen.

Gott schickt Schiffe, so muss es den verzweifelten Kindern erscheinen. Das Wunder wird wahr: Die Quellen berichten von sieben Schiffen.

Passage in das gelobte Land

Sieben Schiffe für 5.000 Kinder. Jeder will einen Platz an Bord, eine Passage in das gelobte Land. Ein Kampf um den begrenzten Platz bricht aus. Wer ins Wasser stürzt, ertrinkt. Einige bleiben in Marseille zurück. Die Kinder, die es bis an Bord geschafft haben, wähnen sich im Glück. Sie ahnen nicht, dass sie nun die Ware von Sklavenhändlern werden.


Die Kinder müssen die Hölle der Seefahrt erdulden. Über 500 von ihnen befinden sich auf jedem der Lastkähne. Bei schwerer See müssen sie unter Deck. Zusammengepfercht wie Vieh bleibt nicht einmal die Luft zum Atmen. Die Überbelegung der Schiffe macht eine ausreichende Versorgung mit Nahrung unmöglich. Der Gestank ist unerträglich. Seekrankheit und Infektionen breiten sich aus. Und die Angst: Waren Ferreus und de Posqueres wirklich die göttlichen Helfer? Die vom Himmel gesandten Verbündeten? Die Retter, die ihnen den Weg ins himmlische Jerusalem weisen?

Mehr als 1000 Kinder ertrinken



Und wieder begegnen sie der Grausamkeit der Natur. Vor Sardinien baut sich ein fürchterliches Unwetter auf. Ein Orkan. Wie fühlt sich ein Kind, das zum ersten Mal die Planken eines Schiffes betreten hat, wenn sich die ganze Gewalt des Meeres entfesselt? An den messerscharfen Klippen von San Pietro zerbrechen schließlich zwei der Schiffe und gehen unter. Mehr als 1000 Kinder ertrinken. Die verbliebenen Schiffe nehmen Kurs auf Nordafrika. Die überlebenden Kinder enden auf den dortigen Menschenmärkten. An sie erinnert kein Denkmal.

Aber denen, die an den Klippen von St. Pietro den Tod fanden, wurde schon im Mittelalter ein Monument errichtet, in Sichtweite der Unglücksstelle, oberhalb des Dorfes Carloforte. Die Kapelle der "Neuen Unschuldigen" wurde sie genannt. Papst Gregor IX. war es, der diese Kirche errichten ließ.

Wenig Erinnerungen



Die Kapelle verfiel mit der Zeit zur Ruine, um erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt zu werden - genau wie die sterblichen Überreste der jungen Kreuzfahrer. Bis auf diese kleine Kirche und die wenigen Dokumente erinnert nichts mehr an jene Tausende von Kindern, die einen göttlichen Auftrag erfüllen wollten und am Ende scheiterten.

Nur 400 Kinder haben "Glück"

Knochstaub ist alles was von diesen Kreuzfahrern übrig geblieben ist. Sie verließen Heim und Familie, um das Heilige Grab von den Sarazenen zu befreien. Und die, die überlebten, endeten in Nordafrika als Sklaven von Fürsten und Kaufleuten. 400 Kinder, so ist es überliefert, haben das "Glück", in den Besitz eines Kalifen überzugehen, der sie mit Respekt vor ihrer Religion behandelt. Andere sterben den Märtyrertod, weil sie nicht bereit sind, dem christlichen Glauben abzuschwören.




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