Schlachtfeld Kalkriese

Zeugnisse des antiken Dramas

Erst sechs Jahre nach der Varusschlacht wagte sich der römische Feldherr Germanicus wieder in die Nähe des Teutoburger Waldes. Er hatte den Auftrag, nach den sterblichen Überresten der Legionen zu suchen.

Germanicus sollte die römische Schmach und Schande für alle Zeiten begraben, Knochen für Knochen, Schädel für Schädel. Der römische Historiker Cassius Dio beschrieb, was der Suchtrupp voller Entsetzen vorfand. "Überall lagen noch Gerippe von Maultieren. In Haufen oder zerstreut fand Germanicus die bleichen Gebeine von Menschen. Freund und Feind waren nicht zu unterscheiden, als wären es alle Blutsverwandte. In den Waldlichtungen standen die Altäre der Barbaren. Auf ihnen hatten die Cherusker ihre vornehmsten Gefangenen geschlachtet: Als Opfer für ihre Götter. Die Köpfe der Legionäre hatten sie an Bäume genagelt oder aufgespießt und den Pferden der Reiter hatten sie die Felle abgezogen."

Drei lange Tage lang hatte die brutale Schlacht im Herbst des Jahres 9 gedauert. 15.000 Legionäre waren tot auf dem Schlachtfeld geblieben. Germanicus ließ die Gebeine bestatten und alles bergen, was sich auf dem Schlachtfeld fand.

Geruch des Todes

Fast 2000 Jahre später ging der englische Major Tony Clunn über ein Feld bei Osnabrück. Er suchte den Ort der Varusschlacht. An über 700 verschiedenen Stellen war er bisher vermutet worden. Ausgerechnet Hobbyarchäologe Clunn wurde am richtigen Ort fündig. An drei verschiedenen Stellen fand er dort Schleuderbleie. Auf 100 Meter tödliche Geschosse. Clunn fand den "klassischen Morast, wo Varus steckengeblieben", wie Heinrich Heine ironisch dichtete.

Nicht im Teutoburger Wald, sondern in Kalkriese bei Osnabrück erlebte das Römische Reich eine seiner größten Niederlagen. Dort kämpfte der Stamm der Cherusker unter Arminius dafür, dass Germanien frei von römischer Herrschaft blieb. Der Fundplatz erstreckt sich über gut 30 Quadratkilometer. Zum ersten Mal in der Geschichte der Archäologie wird ein antikes Schlachtfeld systematisch erforscht. Die Forscher müssen gut einen Meter tief graben, um an die Zeugnisse des antiken Dramas zu gelangen. Tausende Knochen haben sie geborgen, auch Gerippe von Maultieren. Noch heute umweht der grauenvolle Geruch des Todes die Fundstücke. Sie erzählen vom Untergang eines großen Heeres.

Beweise für den richtigen Ort

Der sensationellste Fund: Die Parademaske eines römischen Offiziers - der Suchtrupp des Germanicus hatte sie ebenso übersehen wie die Gemme einer Schwertscheide. So etwas verliert man nicht so einfach, es sei denn im Kampf. Auch ein Schlüssel wurde gefunden, vielleicht von der Kriegskasse des Varus. Letztlich sind es die Münzen, die beweisen, dass die Varusschlacht wirklich in Kalkriese stattfand. Die meisten wurden unter Kaiser Augustus geprägt. Der jüngste Münzstempel datiert aus dem Jahr 9, exakt das Jahr der Varusschlacht.

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