Schliemanns Erben (2/4): Heiße Spur auf Rapa Nui

Verlorenes Paradies

Dokumentation | Terra X - Schliemanns Erben (2/4): Heiße Spur auf Rapa Nui

Einst war die Osterinsel ein Palmenparadies - dann passierte etwas Merkwürdiges: 16 Millionen Palmen verschwanden und die riesengroßen Statuen, für die das Eiland heute bekannt ist, wurden umgestürzt.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.09.2017, 09:55
Produktionsland und -jahr:
2009
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Die Osterinsel gibt Generationen von Wissenschaftlern Rätsel auf. Einst war die Insel ein Palmenparadies - eine Oase inmitten des Südpazifiks. Dann passierte etwas Merkwürdiges: 16 Millionen Palmen verschwanden und die riesengroßen Statuen, für die das Eiland heute bekannt ist, wurden umgestürzt.

Palmen am Strand der Osterinsel
Palmen am Strand der Osterinsel Quelle: ZDF

Sie gilt als einer der einsamsten Flecken Land auf dieser Erde. Die Osterinsel, auch Rapa Nui genannt, liegt in den Weiten des Stillen Ozeans. 3765 Kilometer trennen sie vom Festland. Urlauber benötigen von Santiago de Chile aus fünf Stunden, bis der Langstreckenjet auf der Osterinsel aufsetzt.

Der "Nabel der Welt", wie die Ureinwohner ihr Eiland nennen, hat kein Südseeflair zu bieten. Das Klima auf der karg bewachsenen Insel ist bestimmt durch den kühlen Humboldtstrom im Pazifik. Bodenerosion zerrt an den wenigen fruchtbaren Flächen. Die 45.000 Touristen, die jährlich hierhin kommen, lockt vielmehr das Mysteriöse, dasGeheimnisvolle, das zum Beispiel die tonnenschweren Steinfiguren, die "Moais", umgibt.

Friedhof der steinernen Giganten

Animation: Blick auf Weltkugel - Osterinsel Quelle: ZDF

Mehr als 600 Statuen stehen oder liegen auf der Insel. Ihr eigentlicher Zweck und die genaue Zeit ihrer Errichtung sind umstritten. Man geht davon aus, dass sie berühmte Häuptlinge oder verehrte Ahnen darstellen. Die Figuren sind aus dem Tuffstein des erloschenen Vulkans Rano Raraku geschlagen worden. Die Herstellung einer einzigen Statue muss Monate gedauert haben. Noch heute fragen sich Wissenschaftler, wie die Menschen die tonnenschweren und bis zu 21 Meter großen Giganten transportieren konnten, ohne über entsprechendes Gerät zu verfügen.

Eines Tages endete die Herstellung der Steinkolosse fast schlagartig. Als der holländische Seefahrer Jakob Roggeven das Eiland am Ostersonntag des Jahres 1722 entdeckte - daher auch der Name der Osterinsel - waren die meisten Statuen von ihren altarartigen Plattformen gestürzt. In den Steinbrüchen im Vulkankrater befanden sich noch unvollendete Figuren und weitverstreut hunderte Statuen, die zum Abtransport bereitstanden.

Rodung oder Rattenplage?

Maois-Statuen auf der Osterinsel
Maois-Statuen auf der Osterinsel Quelle: ZDF

Kurioserweise fanden die Seefahrer die Insel entwaldet und kahl vor. Dabei hatte es noch bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts nachweislich eine üppige Vegetation gegeben. Die wenigen heute existierenden Bäume wurden erst in jüngerer Zeit angepflanzt.
Seit Jahren ist unter Wissenschaftlern aller Fachrichtungen ein Wettstreit um Antworten entbrannt. Der amerikanische Wissenschaftler Terry Hunt ist überzeugt, dass sich Ratten, die die ersten Siedler mit auf die Insel gebracht hatten, rapide vermehrten und den dichten Palmenwald vernichteten. Zwei deutsche Öko-Archäologen, Hans-Rudolf Bork und Andreas Mieth von der Universität Kiel, stießen jedoch auf eine neue Spur: Sie sind überzeugt, dass Menschen den Wald gerodet haben.

16 Millionen Palmen

Hinweise darauf liefern massive Reste von Holzkohle. Sie zeigen, dass Menschen ab Mitte des13. Jahrhunderts die Bäume auf der Insel gefällt und anschließend Feuer gelegt haben müssen. Die beiden Archäologen vermuten, dass die Bewohner ihre Palmen gefällt hatten, um aus ihnen Flüssigkeit zu gewinnen um in dürren Zeiten nicht zu verdursten. Es gab immer wieder Zeiten, in denen es nicht oft und lange genug regnete.

Dann legten die Bewohner Feuer, um Stümpfe und Blätter zu vernichten. Bork und Mieth errechneten, dass mehr als 16 Millionen Palmen die Landschaft der Insel zu einer fruchtbaren Oase gemacht haben müssen - mitten im Pazifischen Ozean. Die letzte Palme muss um das Jahr 1600 gefallen sein.

Öko-Kollaps blieb aus

Die gigantische Rodung veränderte das Gesicht der Insel zwar dramatisch. Trotzdem blieb ein Öko-Kollaps aus - dank eines Geniestreichs, wie Bork und Mieth meinen: Um in der kargen Wüste nicht zu verhungern, haben die Insulaner ihrer Meinung nach Steingärten angelegt.

Diese verhinderten, dass die Anbauflächen bei starkem Regen weggeschwemmt wurden. Die Felsbrocken erfüllten dabei die Funktion einer Mulch-Schicht: Sie schützten die Anpflanzungen und speicherten zugleich die Wärme der Sonne. Das Resultat war perfekter, fruchtbarer Ackerboden.

Rettung durch die Inka?

Woher das Wissen um diese Technik kam, ist unklar. Möglicherweise stammt sie von den Inka. Das Andenvolk war für ihre extrem ertragreiche Landwirtschaft berühmt und beneidet. Es gibt Überlieferungen, dass sich die Inka Ende des 15. Jahrhunderts in Richtung Osterinsel aufgemacht haben sollen. Ein Indiz für ihre Anwesenheit könnten auch die auf der Osterinsel vorhandenen Grabstöcke sein. Solche Werkzeuge fanden die westlichen Entdecker der Insel noch im 18. Jahrhundert vor.

Und die umgestoßenen Steinfiguren? Eine Überlegung ist, dass die ökologischen Veränderungen dazu führten, dass die Ureinwohner den Glauben an die Kraft ihrer Moais verloren hatten. Möglicherweise waren die Insulaner enttäuscht von ihnen und warfen sie um, nahmen ihnen die Augen heraus und zerstörten sie. Dann könnten sie als Beispiel stehen für den drastischen Umbruch eines Lebensraums - ausgelöst durch die Menschen. In diesem Fall kamen sie noch einmal glimpflich davon.

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