Schlüsselfigur Nikola Tesla

Zwischen Gleich- und Wechselstrom

Im Juni 1884 betritt ein junger Serbe amerikanischen Boden. Er wird im Stromkrieg bald eine entscheidende Rolle spielen. In der Tasche hat er vier Cents, ein paar selbst geschriebene Gedichte und einen Empfehlungsbrief an Thomas Edison. Sein Name ist Nikola Tesla.


In Paris hatte Tesla in einer Edison Firma als Telegrafist gearbeitet. Nebenbei hatte er weit reichende Wechselstrom-Ideen entwickelt, aber keiner zeigte dort Interesse. Jetzt ist er nach Amerika gekommen. Ganz bestimmt würde Edison, der größte Erfinder des Jahrhunderts, seine Fähigkeiten erkennen. Tatsächlich stellt Edison den jungen Mann ein. Doch schon bald soll sich zeigen, wie verschieden die beiden sind.

Effektiver und preiswerter

Edison beauftrag Tesla seine Gleichstrom-Dynamos zu verbessern. Sie sollen effektiver und preiswerter werden. 50.000 Dollar Prämie verspricht Edison, wenn dies Tesla gelingt. Tag und Nacht verbringt der junge Forscher in der Werkstatt. Nach einem Jahr ist es soweit. Tesla stellt 24 stark verbesserte Dynamos fertig.


"Sie haben wohl den amerikanischen Humor nicht verstanden", schimpft Edison als Tesla die versprochene Prämie einfordert und bietet stattdessen 10 Dollar Gehaltserhöhung pro Woche. Es kommt zum offenen Streit. Nicola Tesla ist ein Mann von Ehre, selbstbewusst und konsequent. Empört gibt er die Arbeit bei Edison auf. Der große Erfinder lässt Tesla ziehen ohne seine Weg weisenden Ideen erkannt zu haben. Es soll sich rächen. Denn Nikola Tesla wird zur Schlüsselfigur im Wettlauf um den Bau der größten Kraftwerksanlage der damaligen Welt.

Auf einen Schlag berühmt



Am 16. Mai 1888 hält Nikola Tesla einen Vortrag, der ihn auf einen Schlag weltberühmt macht. Vor einem fachkundigen Publikum von Elektroingenieuren präsentiert er die ausgereifte Konstruktion seines Wechselstrommotors. Der Motor arbeitet ohne mechanische Reibung, wird stattdessen von Magnetfeldern in Bewegung gesetzt, ist verschleißfrei und Wartungsarm.

Auch George Westinghouse ist an diesem Tag anwesend, hört aufmerksam zu und ist begeistert. Dieser Motor ist genau das, was seinem Stromsystem bislang fehlt. Denn er will nicht nur Häuser beleuchten, sondern mit Strom ganze Industrieanlagen betreiben. Er macht Tesla ein großzügiges Angebot. 60.000 Dollar für das Patent und dazu noch 2,5 Dollar für jede Pferdestärke eines Tesla-Motors, der seine Fabrik verlässt. Tesla nimmt unverzüglich seine Arbeit bei Westingshouse in Pittsburgh auf und beginnt mit der Konstruktion seines Motors. Sein System ist dem alten Gleichstrom in jeder Hinsicht überlegen. Wie konnte Edison das nur übersehen?

Angebot zur Versöhnung

Der öffentliche Streit mit Edison nimmt kein Ende, da macht Westinghouse ein Angebot zur Versöhnung. Er schlägt die Fusion der beiden Elektro-Firmen vor. Anstatt durch erbitterte Konkurrenz Kräfte zu vergeuden, sollten sie gemeinsam ein perfektes System entwickeln. Doch Thomas Edison antwortet nicht. Er hat inzwischen ein neues Labor in West Orange, N.J. bezogen und leitet nun das größte industrielle Forschungslabor der Welt.



Anstatt das Monopol für elektrischen Strom zu gewinnen, wie er es sich kühn erträumt hatte, muss er jetzt seinen Marktanteil verteidigen. Gegen einen starken Gegner und gegen eine bessere Technik. Seine Ingenieure legen ihm nahe, endlich auch auf Wechselstrom umzustellen. Doch Edison will nichts davon hören. Er hat zuviel investiert. Zuviel Geld, zuviel Arbeit, zuviel Stolz. Schließlich ist er der große Edison, der Erfinder des Jahrhunderts.

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