Schmelztiegel der Völker

Garamanten ohne gemeinsame Herkunft

Wohin sind die Erben der Garamanten verschwunden? Diese Frage bewegt auch die italienischen Forscher. In Rom untersuchen sie die Funde aus Libyen. Jeder Knochen- und Schädelfund kann eine wichtige Spur sein. Ihre Form und spätere DNA-Tests werden Aufschluss darüber geben, wie die Garamanten aussahen und woher sie kamen.

Die ersten Ergebnisse überraschen: die Garamanten hatten keinen einheitlichen Genpool, keine gemeinsame Herkunft, sondern stammen aus dem Schmelztiegel der Völker Nordafrikas. Libyen als Wiege der Zivilisation, so wie Herodot schrieb.

Mumie in Blättern

Mitten im Kernland der Garamanten wurde 1958 von italienischen Forschern eine Mumie entdeckt. Die Stammesältesten aus der Umgebung erinnern sich noch gut und führen den Archäologen Savino di Lernia zum Fundort. Die Mumie war vor etwa 5500 Jahren in Blätter gewickelt worden. Ein kleiner Junge, genannt die schwarze Mumie. Schädel, Skelett und Haut haben die Jahrtausende überstanden. Die Ehrung der Toten gilt als Merkmal der Garamanten: War dieser Junge ein Vorfahre der Wüstenkönige?

Die Antwort muss Di Lernia in Tripolis finden, der Hauptstadt des heutigen Libyen. An der Mittelmeerküste herrscht seit 1969 unangefochten Muammar Ghaddafi. Die verschiedenen Stammesfürsten hat er in seinen Machtapparat einbezogen. Erst vor kurzem hat sich Libyen dem Kulturtourismus geöffnet - eine Genehmigung für ausländische Filmteams ist dagegen immer noch die Ausnahme.

Rätselhafte Substanzen



Die italienischen Archäologen haben die Schwarze Mumie dem libyschen Nationalmuseum in Tripolis übergeben. Hier kann di Lernia das Geheimnis der Mumie selbst untersuchen. Wie in der ägyptischen Kultur wurden die Organe vor der Mumifizierung entfernt. Der Körper wurde anschließend mit Substanzen aufgefüllt, deren genaue Zusammensetzung immer noch rätselhaft ist. Die Mumie ist älter, als die älteste jemals in Ägypten gefundene.

Die Ägypten haben dies aber Jahrhunderte später praktiziert. Eine Theorie lautet: Ur-Libyer flüchteten vor der Trockenheit nach Osten, in Richtung Nildelta und nahmen das Know-how der Mumifizierung mit.

Überlebenskünstler der Antike

In der libyschen Sahara entstand nicht nur das faszinierende Reich der Garamanten, die sogar die Griechen inspirierten. Schon deren Vorfahren beeinflussten selbst die ägyptischen Pharaonen. Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, hatte recht mit seiner Bewunderung für die Herren der Wüste. Nur: was ist aus diesen Überlebenskünstlern der Antike tatsächlich geworden?


Zum Abschluss der Expedition finden die italienischen Forscher durch die Gravuren, die es überall im Garamantenreich gibt möglicherweise eine Antwort. Wie die Malereien zeigen sie zumeist Tiere. Doch oft finden sich daneben auch Schriften in der uralten Sprache Tifinagh, die es schon zu Zeiten der Garamanten gab.



Nur die Tuareg können sie noch heute entziffern, denn es ist ihre Schriftsprache: "Dieses ist ein sehr wichtiger Platz für Euch, gebt gut Acht auf ihn." Vielleicht sind sie die versprengten Nachfahren der Garamanten. Stolze freie Krieger, die überlebten, weil sie wieder gelernt hatten, sich der Natur anzupassen - und nicht, sie sich untertan zu machen. Die, wie die alten Figuren in Cyrene es ausdrücken: wieder Demut vor der Wüste gelernt hatten.

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