"Schneeball Erde"

Geologe Paul Hoffmanns Entdeckung beweist eine unvorstellbare Art von Eiszeit

So genannte "drop stones" sind für den Geologen Paul Hoffmann Beweise für eine Eiszeit, die den ganzen Planeten Erde im Griff hatte. Niemand weiß bisher, was zu der völligen Vereisung vor 700 Millionen Jahren geführt hat. Erst Vulkane konnten vermutlich die kilomterdicke Eisschicht durchbrechen.

Von einem Eispanzer bedeckte Erde Quelle: ZDF,BBC

Seit den frühen Einzellern, folgten einige Milliarden Jahre keine großen Veränderungen mehr. Die Topentwicklung der Evolution stellten Einzeller dar, die gemeinsam mit anderen lebende Matten bildeten und seltsam anmutende Bauwerke schufen. Heute findet man ihre Nachfahren an der Küste Westaustraliens. Man nennt sie Stromatolithen. Für den weitaus größten Teil der Erdgeschichte waren diese Einzeller die Krone der Schöpfung.

Stromatolithen Quelle: ZDF

Globale Katastrophe

Rund zwei Milliarden Jahre regierten die Stromatolithen die Welt und nichts wies darauf hin, dass sich die Situation jemals ändern würde. Doch dann brach eine Katastrophe über die Einzeller herein, die sie fast nicht überlebt hätten. Der Beweis dafür wurde in Namibia entdeckt. Erst vor wenigen Jahren fanden Geologen Hinweise auf eine globale Katastrophe, die vor 700 Millionen Jahren fast alles Leben auf der Erde auslöschte. Paul Hoffman erforscht vor allem Gesteinsschichten, die einst der Boden eines seichten Meeres gewesen waren.

Einen solchen Stein nennt man "drop stone". Wie er allerdings seinen Weg in einen Ozean nahe des Äquators gefunden hat, ist zunächst rätselhaft. Doch der Geologe ist sich sicher, dass die Steine vom Eis bis ins heutige Namibia gebracht wurden. Gletschereis hat sie an Land aufgelesen und der Gletscher floss weiter aufs Meer hinaus. Die Steine waren in Eisbergen eingefroren. Als diese schmolzen, landeten die Steine im Sediment.

Paul Hoffman Quelle: ZDF

Völlige Vereisung

Eis am Äquator kann eigentlich nur bedeuten, dass es Gletscher in einer der heute heißesten Gegenden der Welt gab. Und das wiederum bedeutet, dass überall Eis war. Forscher nennen das den "Schneeball Erde". Hoffmans Entdeckung beweist, dass auf der Erde eine bislang unvorstellbare Art von Eiszeit herrschte. Bisher weiß niemand, was zu der völligen Vereisung geführt hat, aber die Hinweise mehren sich, dass der Planet vor 700 Millionen Jahren komplett eingefroren war. Die Ozeane müssen von einer zirka einen Kilometer dicken Eisschicht überzogen gewesen sein. Vermutlich gingen die Temperaturen selbst in den wärmsten Gegenden nie über Minus 20 Grad Celsius hinaus.

Eine globale Abkühlung diesen Ausmaßes hätte alles Leben auf der Erde vernichten können. Und es gab keine Anzeichen dafür, dass der Planet jemals wieder auftauen würde. Eis reflektiert Sonneneinstrahlung sehr stark, während das Wasser des Ozeans es absorbiert. Als die Eiskappen an den Polen wuchsen, reflektierten sie umso mehr von der ankommenden Strahlung - ein so genanntes positives Feedback. Mit jedem weiteren Wachstum wird dieses Feedback stärker und stärker, schließlich ist die Eisfläche so groß, dass sie sich selbst erhält und das Eis sich von beiden Polen her zum Äquator bewegt bis sich die Flächen treffen und der Schneeball Erde komplett ist.

Treibeis Quelle: ZDF

Rettung durch Kohlendioxid

Wieder einmal waren es vermutlich die Vulkane, die die Erde vor dem ewigen Eis retteten. Obwohl der gesamte Planet eingefroren war, blieben die Vulkane aktiv und durchbrachen, wenn nötig selbst dickste Eisschichten. Die Hitze der Vulkane hat Löcher in den Eisschild geschmolzen, aber was die Erde letztlich ein weiteres Mal gerettet hat, war das Treibhausgas Kohlendioxid. Immer neue Ausbrüche schleuderten das Gas tonnenweise in die Atmosphäre, wo es sich ansammelte und Sonnenlicht auf die Erde reflektierte.

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