Schreinöffnung in neuem Licht

Howard Carter unter Betrugsverdacht

Am 17. Februar 1923 wartet die ganze Welt gespannt auf die Öffnung der zweiten Kammer. Vor dem Eingang versammeln sich prominente Besucher, nur einige Auserwählte dürfen das Grab betreten. Doch ist die erstmalige Öffnung nur inszeniert?

Carter steht an der Schwelle zum größten Heiligtum des Pharao. Die Enthüllung einer archäologischen Sensation steht unmittelbar bevor.

Exklusive Bilder

Für die Fotografen der internationalen Presse gibt es exklusive Schnappschüsse. Vor den Entdeckern steht eine Mauer aus purem Gold. Ein gewaltiger, wundervoller Schrein, der die Sargkammer fast vollständig ausfüllte. Wie ein Kokon liegt der Pharao darin bestattet.
Mit klopfendem Herzen öffnet Carter die Flügeltüren. Doch - da steht in strahlendem Gold der nächste Schrein. Die Priester, die den Pharao zur letzten Ruhe betteten, haben es Eindringlingen wahrlich nicht leicht gemacht, an die Mumie des Königs zu gelangen. Angeblich wirft Carter an diesem Tag erstmals einen Blick in das Haus des toten Pharao. Doch hat sich wirklich alles so zugetragen, wie es der Abenteurer überliefert?

Wilde Spekulationen

Ein hölzernes Podest sorgt nach der Graböffnung für wilde Spekulationen. Verdeckt der obskure Sockel ein Grabräuberloch? Einen Gang, den der besessene Ausgräber selbst in die versiegelte Tür gebrochen hat? Ein Halbbruder Lord Carnarvons enthüllt in seinem Tagebuch die wahre Geschichte des Jahrtausendfunds. Danach sind die Entdecker bereits drei Monate vor der offiziellen Öffnung heimlich in die Sargkammer eingedrungen.
Unter dem Siegel der Verschwiegenheit habe ihm Lady Evelyn von der verbotenen Exkursion in das Heiligtum des Königs erzählt. Er habe lange vor der Öffnungsfeier einige Fundstücke aus der Sargkammer in Carters Haus gesehen, so ein Forscher aus dem Team des Entdeckers.

Späte Enthüllungen

Enthüllungen, die erst Jahre nach Carters Tod in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht werden. Die Berichte lassen das "Unternehmen Tutenchamun" in neuem Licht erscheinen. Vermutlich sind die Entdecker in dieser Nacht weiter in das Grablabyrinth vorgedrungen, als man bislang glaubte. Sie schlugen ein Loch in die Tür zur Sargkammer, das Carter eigenhändig wieder zumauerte und versiegelte. Diese Tat hat er einem Vertrauten gestanden.
An den Wänden des goldenen Schreins vorbei führt der Weg durch eine Maueröffnung in die sagenumwobene Schatzkammer Tutenchamuns. Im Eingang wacht der Totengott Anubis in Gestalt eines Schakals über die reichen Grabbeigaben.

Sicher haben die Verschwörer bei ihrer Nacht- und Nebelaktion auch einen ersten Blick in die vielen Schatztruhen geworfen, in denen lockendes Gold lag. Glaubt Carnarvon, dass ihm ein Teil dieses überbordenden Reichtum zusteht? Schließlich hat er die kostspielige Schatzjagd finanziert.

Versteckter Schatz

Als die Eindringlinge die Kisten und Kästen der Schatzkammer öffnen, finden sie eine ganze Schar majestätischer Figuren - Porträts des Königs, von Schutzgöttern und illustren Dienern, die dem Pharao das Leben im Jenseits erleichtern sollen. Doch Carnarvon hat keine Chance, sein herrschaftliches Schloss damit zu schmücken. Ein so erstrangiger Fund muss den ägyptischen Behörden übergeben werden - und der Lord muss damit rechnen, leer auszugehen.
Bis heute ist Schloss Highclere der Sitz der Carnarvons. Noch immer kursieren Gerüchte, der Lord habe sich am Erbe Tutenchamuns bereichert. Seine Nachfahren fanden per Zufall einen versteckten Schatz voller ägyptischer Altertümer. Bis das Versteck ans Tageslicht kam, glaubte man, dass Carnarvons gesamte Sammlung nach seinem Tod verkauft worden war - an das renommierte New Yorker Metropolitan Museum. Doch einige Objekte wurden zurückbehalten. Allerdings keine Fundstücke aus dem Grabschatz Tutenchamuns.

Nur wenige Wochen nach der Graböffnung stirbt Lord Carnarvon. Sein Tod sorgt für Schlagzeilen auf der ganzen Welt. Die Legende behauptet: wer sich an den Gräbern der Pharaonen vergreift, wird mit dem Tod bestraft. Aber mit dem berüchtigten Fluch der Pharaonen hatte er nichts zu tun. Ein Rasiermesser war die wahre Todesursache. Damit infizierte der Lord einen Moskito-Stich. Es folgten schwere Fieberanfälle, die der Lungenkranke nicht überlebte. Eine Entzündung aber schien zu banal als Todesursache für den Mann, der das Grab Tutenchamuns entweiht hatte.

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