Schwarzes Gold

Die Geschichte des Erdöls und seine Bedeutung heute

Bereits vor fast 4000 Jahren, im babylonischen Mesopotamien, ist das "Erdpech" ein weit geschätzter Stoff. Da Erdöl eine niedrigere Dichte als Wasser besitzt, steigt es je nach Gesteinsboden mitunter bis zur Erdoberfläche.

Im Zweistromland wird es aus kleinen Tümpeln geschöpft und nach dem babylonischen Wort für "leuchten" "naptu" genannt (noch heute heißt das russische Wort für Erdöl "Naphtha") und vor allem - worauf der Name schon hindeutet - als Brennmittel für Lampen benutzt. Darüber hinaus wird es zum Kalfatern, also Abdichten, von Schiffsrümpfen mit Sand, Schilf und anderen Materialien vermischt. Die wichtigsten Zufahrten zu babylonischen Kultstätten waren mit einer dünnen Asphaltschicht abgedeckt. Im Gesetzeswerk des babylonischen Herrschers Hammurabi finden sich sogar einige Kapitel, die sich ausschließlich mit dem "Erdpech" befassen.

"oleum petrae"

Ähnlich wie die Babylonier Jahrtausende zuvor entdecken römische Legionäre in einem ägyptischen Gebirgszug am Golf von Suez das an der Oberfläche austretende Erdöl. Die Römer nennen den Rohstoff "oleum petrae", was so viel wie Stein- oder Felsöl bedeutet. Die Wurzeln des deutschen Wortes Petroleum lassen sich auf diesen römischen Ursprung zurückführen.

Jahrhunderte später erkennen die Byzantiner auch die kriegerischen Einsatzmöglichkeiten des Rohstoffs. Mit brennenden Ölkrügen, den sogenannten "griechischen Feuern", die auf die gegnerischen Linien und Städte geschleudert werden, verbreiten sie Furcht und Schrecken unter den Feinden. Nach dem Mittelalter weiß man aber nichts Rechtes mehr mit der schwarzen, klebrigen und übelriechenden Flüssigkeit anzufangen.

Ungenießbares Öl

Im 19. Jahrhundert wird Erdöl vor allem in den USA als Heilmittel verwendet. Es wird in kleinen Flaschen unter dem Namen "Rock Oil" verkauft und soll eine blutreinigende Wirkung bei Cholera, Bronchitis oder Tuberkulose besitzen. Erfolg und Absatz sind gering, denn viele Patienten wollen lieber krank bleiben, als das ungenießbare Öl trinken. Plötzlich hat aber Mitte des 19. Jahrhunderts der Dornröschenschlaf des Erdöls ein Ende.

Ölraffinerie in Texas
Ölraffinerie in Texas Quelle: dpa

Öl ist inzwischen der Motor unserer globalen Wirtschaft. Ob wir mit dem Auto fahren, in den Urlaub fliegen oder heizen - Erdöl ist immer noch der Garant unserer Mobilität und Energieversorgung. 84 Millionen Fass des kostbaren Rohstoffs werden täglich auf unserem Planeten verbraucht. Ein gigantischer Ölsee mit einem Volumen von 13 Milliarden Litern. Und ein Ende der stetig steigenden Nachfrage ist nicht in Sicht, vor allem wegen aufstrebender Industrienationen wie Indien oder China. Kriege wurden und werden geführt, um den ungehinderten Zugang zum schwarzen Gold zu gewährleisten. Denn steigende oder fallende Ölpreise entscheiden über das Wohl oder Wehe jeder Volkswirtschaft, fällen das Urteil über Haussen oder Baissen an den weltweiten Aktienbörsen.

Suche nach neuen Quellen

Mit hohem technischem Aufwand wird nach immer neuen Quellen dieses Wirtschaftselixiers gesucht und in immer abgeschiedenere Gebiete unseres Planeten vorgedrungen. Und es gibt nur eine Antwort auf die Frage, wie sich Öl und Gas schnell, sicher und kostengünstig von diesen entlegenen Fördergebieten zum Verbraucher transportieren lassen: Pipelines. Ein Netz von Stahlröhren, über drei Millionen Kilometer lang, überzieht unseren Globus. Von den Eiswüsten Alaskas und Sibiriens bis zu den leblosen Einöden der Arabischen Wüste, von den Tiefen der Weltmeere bis zu den Höhen des Kaukasus - diese Adern sind das unverzichtbare Distributionsnetz, das Öl und Gas von der Quelle zu den Industriezentren pumpt.

Wer dieses Netz kontrolliert, besitzt Macht, hält alleine durch Androhung der Drosselung von Durchflussmengen einen wichtigen Joker im weltweiten Machtpoker in der Hand. Täglich wird dieses Netz auf allen Kontinenten und in allen Weltmeeren ausgebaut. Wöchentlich kommen hunderte Kilometer hinzu.

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