Schwerer Abschied von der Abora

Was bleibt von der Fahrt?

Beachtlich weit hat es diese Mannschaft trotz widrigster Bedingungen geschafft hat, auch wenn sie das eigentliche geographische Ziel verfehlt hat. Doch was ist mit Dominique Görlitz' Theorie von den vorzeitlichen Reisen, sind sie nun widerlegt?

Abgesunkenes Schilfboot Abora Quelle: ZDF

Dominque Görlitz durchtrennt die Seile, die sein Boot zusammen halten. Nach und nach soll sich das Schilffloß auflösen, damit das führungslose Bündel nicht mit anderen Schiffen zusammenstößt. Noch ein letzter Logbuch-Eintrag, aufgezeichnet am 4.September, um drei Uhr nachmittags. Noch eine Unterschrift, dann ist das Schlusskapitel der "Abora III" geschrieben. Als Letzter geht der Skipper von Bord, nach 56 Tagen auf See. War die Expedition dennoch erfolgreich? Belege für seine Theorie fand Görlitz in einem Experiment, das bei der Fahrt der Abora stattfand.

Was sagt die Kokusnuss?

Dominique Görlitz schreibt im Logbuch auf der Abora Quelle: ZDF


Im Schlepptau des Schiffes werden Kokosnuss, Baumwolle und Kürbis durch das Salzwasser gezogen. Doch was haben die Kulturpflanzen mit prähistorischer Bootsfahrt zu tun? Die gängige Meinung ist, dass sich Pflanzensamen im Wasser treibend um die Welt verbreiten. So sollen manche Kulturpflanzen von einem Kontinent zum anderen gelangt sein, die bereits vor Jahrtausenden in der neuen und alten Welt verbreitet waren. Dazu gehört zum Beispiel der Flaschenkürbis. Doch halten die Samen die lange Zeit im Salzwasser durch und behalten sie ihre Keimfähigkeit? Oder wurden die Kulturpflanzen vielleicht von vorzeitlichen Schiffen transportiert? Für Dominique Görlitz ist das eine Schlüsselfrage und entscheidender Teil des Schilfboot-Experiments.

Dominique Görlitz bei Keimversuche im Labor Quelle: ZDF


Im Institut für Kulturpflanzenforschung in Gatersleben werden die Samen untersucht, die die Abora im Wasser hinter sich herzog. Dort wird das Saatgut unter standardisierten Bedingungen in Brutschränken zum Keimen gebracht und das Verhältnis von gekeimten bzw. nicht gekeimten Samen ermittelt. Daraus errechnet sich dann die Keimfähigkeit. Das Ergebnis der Untersuchungen: Die Keime werden nach Monaten im Salzwasser unfruchtbar.

Vergessenes Wissen aus der Antike?

Für Dominique Görlitz liegt die Erklärung auf der Hand: Pflanzen wie Kokos und Baumwolle kamen trocken übers Meer - in vorzeitlichen Handelsschiffen. Und so wird er weiter nach Beweisen suchen, dass Menschen Jahrtausende vor Kolumbus die transatlantischen Routen kannten. Seiner Meinung nach gab es im frühen Europa ein Wissen um die Welt jenseits des Ozeans, das spurlos verschwand. Fast spurlos. Wäre nicht dieses Objekt aus der frühen Neuzeit, das uns erhalten bleibt. Der Marmorglobus von Gotha

Marmorglobus von Gotha Quelle: ZDF

Hans-Jürgen Steinbrück, Kartograph: "Der Globus stammt aus dem 16.Jahrhundert von einem unbekannten Meister. Er zeigt Länder und Kontinente, die eigentlich noch gar nicht entdeckt waren, z.B. eine genaue Küstenführung Nordamerikas bis Südamerikas, Australien integriert in die Antarktis. Eigentlich hätte dieser Kartograph dieses Wissen noch gar nicht haben können. Wo hat er dieses Wissen her? Er hat auf alle Fälle anderes Kartenmaterial verwendet. Vielleicht auch aus der Antike. Das heißt also, dass Menschen schon ihren Fuß auf anderen Kontinenten hatten. Was vielleicht jetzt gar keiner mehr weiß."

Folgte das Schilfboot vielleicht uralten Handelswegen, die heute vergessen sind? Die Zeitreise mit der Abora vermittelt eine vage Vorstellung von den Fähigkeiten früher Völker. Und eines verbindet uns gewiss mit unseren Vorfahren: der Urtrieb, über die Grenzen des Bekannten hinauszuschauen.

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