Schwierigkeiten im Sand

Tückische Technik

Erstaunlicherweise ist es auf dieser langen Reise nicht zu wirklichen Katastrophen gekommen. Unser Expeditionsarzt hatte nur leichte Verletzungen zu versorgen und musste hauptsächlich Pillen gegen Durchfall verabreichen. Aber den Autos wurde das Äußerste abverlangt.

Immer wieder mussten einige der Fahrzeuge im tiefen Sand auseinandergenommen und repariert werden. Für unseren Monteur, der mit seinem Werkstattwagen als letzter hinterherfuhr, war es ein "full-time-job".

Begrenzte Kraftstoffvorräte

Der Verschleiß an Reifen, Stoßdämpfern und Federn war enorm. Wann immer wir in bewohnte Gegenden kamen, wurden alle Garagen und Werkstätten heimgesucht und deren letzte Vorräte geplündert. Ein anderes Problem waren unsere begrenzten Kraftstoffvorräte. Obgleich fast alle Fahrzeuge große zusätzliche Tanks hatten und auf ihren Dächern etliche Kanister festgezurrt waren, kam es immer wieder zu Engpässen, die uns in große Schwierigkeiten gebracht haben.

In den weiten Dünenfeldern der Taklamakan, in denen es kilometerlange Züge von bis zu dreihundert Meter hohen Dünen gibt, ist es auch mit dem Satteliten-Navigationssystem GPS und guten Karten sehr schwierig, einen Weg zu finden, den die Fahrzeuge bewältigen können. 300-Meter-Dünen schafft kein Auto. Wenn der Sand sehr weich ist, und die Räder bis zur Achse darin versinken, können auch kleinere Dünen den Autos schon zum Verhängnis werden.

Einmal haben wir einen halben Tag gebraucht, unseren Weg aus einem undurchdringlichen Dünenfeld zu finden, obwohl wir gute Karten und einen Flieger dabei hatten, der sich mit einem Gleitschirm und einem Motor auf dem Rücken nach wenigen Schritten in die Lüfte schwingen konnte und von oben eine Durchfahrt hätte finden können. Bei seinem Einsatz am frühen Morgen hatte ihn ein plötzlich aufkommender Wind so weit weggeweht, dass wir ihn nur mit viel Glück und Geschick in der Weite des Sandmeeres wiederfinden konnten.

Kein Funkkontakt mehr

Mehr als 150 Kilometer Umweg mussten wir an diesem Tag fahren. Die drei stärksten Maschinen mit den verwegensten Fahrern wurden als Pfadfinder in alle Himmelsrichtungen ausgeschickt. Sie entfernten sich aber soweit von uns, dass wir über Stunden den Funkkontakt zu ihnen verloren. Erst am Abend konnten wir mit viel Glück ein ausgetrocknetes Wadi erreichen, in dem wir aus diesem Wüstenabschnitt herauskommen konnten.

Das Bild, wie wir aus diesem schlimmsten Abschnitt der Wüste herausgefahren sind, werde ich nie vergessen. Leider existiert es nur in unseren Köpfen, denn niemand hatte in der Situation die Ruhe, den Photoapparat zu zücken oder eine Kamera aufzubauen: Rechts und links des Wadis standen auf den höchsten Dünengipfeln die Autos unserer "Pfadfinder" und gaben den 16 anderen Wagen, den "müden Kriegern", Geleitschutz bei ihrer Rettung aus dem Sandmeer. Nie wieder sind alle Autos in einer solch geschlossenen Formation gefahren wie in diesem Augenblick.

Auf dem langen Umweg, den niemand vorher einkalkulieren konnte, war bei zwei von unseren Fahrzeugen der Kraftstoff ausgegangen, so dass wir ein Fahrzeug über Nacht losschicken mussten, um Nachschub zu besorgen. Für jede Kamelkarawane wäre dieser große Umweg der sichere Tod gewesen.

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