Schwimmende Oase

In neun Tagen im Luxusdampfer über den Atlantik

Der Luxusliner "Andrea Doria" ist ein Prestigeobjekt der Italiener. 1953 wird das Schiff in Dienst gestellt und gilt als eines der sichersten der Welt. Obwohl der Riese bei Unwetter zu Schlagseite neigt. Als Piero Calamai das Kommando übernimmt, ist er 58 Jahre alt. Ein Kapitän alter Schule - zurückhaltend und höflich.

Schnell avanciert das Superschiff zur Attraktion für Reisende. Fast immer sind die Passagen von Genua nach New York bis auf die letzte Kabine ausgebucht. Aus allen Ländern der Erde stammt die Kundschaft, die je nach Vermögen zwischen der ersten, zweiten oder dritten Klasse wählen kann.

Die 51. Überfahrt

Am 17. Juli 1956 tritt die "Andrea Doria" ihre 51. Überfahrt an. An Bord sind 1706 Menschen. Die Sunshine-Route über den Atlantik soll neun Tage dauern. Auf dem technisch hoch gerüsteten Vergnügungsdampfer zu arbeiten, darum reißt sich jeder italienische Seemann. So auch der junge Eugenio Giannini, der als Offizier anheuert.

Vor allem die elegante Ausstattung der Salons macht die schwimmende Oase zu einem Juwel unter den Passagierdampfern. Für die erlesenen Kunstwerke und Dekorationen haben die Eigner über eine Million US-Dollar ausgegeben. Die Kabinen der ersten Klasse können mühelos mit den Suiten von Luxushotels konkurrieren. Die Pracht wissen vor allem Hollywoodstars zu schätzen: Cary Grant, Kim Novak, Orson Welles, Joan Crawford, Spencer Tracy, Joseph Cotten und viele andere zählen zu den Fans. Frei nach der Devise: auf zehn Decks Vergnügen für alle Gäste, doch streng nach Klassen getrennt.

Vertrauen in die Sicherheit

Das Freizeitangebot auf der "Andrea Doria" kann sich sehen lassen: vom Tontaubenschießen über Modeschauen, Sonnenbaden und Kinoprogramme bis hin zu einem exquisiten Galadiner am Abend vor der Ankunft im Hafen von New York. Die Passagiere genießen den 25. Juli, den letzten Tag auf See. Sorgen um einen Störfall macht sich auf dem erst drei Jahre alten Luxusschiff kein Passagier, das Vertrauen in die Sicherheit ist groß.

Erhöhte Bereitschaft

Immerhin verfügt das Schiff über Frühwarnradar und elf wasserdichte Schotten. Genügend Rettungsboote für den Notfall stehen ebenfalls bereit. Auf der Brücke machen sich Kapitän Calamai und seine Offiziere also keine Sorgen, als sich die Wetterverhältnisse plötzlich ändern. Die Männer kennen die Tücken des Atlantik, und der sichere Zielhafen liegt nicht mehr allzu weit entfernt. Selbst im Sommer ist Nebel auf der Route zwischen Gibraltar und dem amerikanischen Festland nichts Außergewöhnliches. So gerät die "Andrea Doria" auch am 25. Juli gegen 15 Uhr in den Nebel. Kapitän Calamai lässt das Frühwarnradar auf 20 Seemeilen einstellen und das Nebelhorn aktivieren.
Calamai stellt Extrawachen auf, lässt den Kesseldruck senken und gibt an den Maschinenraum das Signal zur erhöhten Bereitschaft, sollte die Drosselung der Maschinen oder gar ein Stopp erforderlich sein. Für weitere Maßnahmen sieht der Kommandant zunächst keine Notwendigkeit - trotz der dicken Suppe.

Erst als die Sicht noch schlechter wird, kommt Calamais Befehl, das Tempo von 23 auf knapp 22 Knoten zu verringern. Nur eine kleine Korrektur, schließlich soll das Schiff pünktlich ankommen. Das exakte Einhalten des Fahrplans ist seit jeher ein Dilemma. Gerade bei widrigen Umständen auf See kann Zeitdruck fatale Folgen haben. Hafen- und Liegegebühren schießen schnell in die Höhe, wenn die festgelegten Zeiten nicht eingehalten werden.

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