Seeschlacht vor den Philippinen

Die spanische Galeone "San Diego" sinkt

Im französischen Staatsarchiv in Paris sucht ein Mitarbeiter von Franck Goddio nach Hinweisen auf eines der legendären Schiffe. Er stöbert in alten Karten, Versicherungsberichten und Logbüchern - in der Hoffnung auf eine entsprechende Notiz. Dabei stößt er auf das Buch des Holländers Olivier van Noort.

Der Reisebericht aus dem 17. Jahrhundert schildert die Weltumsegelung des Admirals. Er erzählt, wie er vor den Philippinen in eine Seeschlacht mit spanischen Schiffen geriet und eine Galeone versenkte. Ihr Name: San Diego.

Holländischer Spionageauftrag

Im August 1598 macht sich van Noort mit der "Mauritius" auf den Weg nach Asien. Im Auftrag holländischer Kaufleute soll er die Handelsrouten der Spanier ausspionieren und möglichst viele Luxusgüter aus Fernost nach Hause bringen. Der Kommandant umsegelt Kap Horn, überquert den Pazifik und ankert am 14. Oktober 1600 vor den Philippinen.

Handicap durch Ladung

In Manila breitet sich die Nachricht von der Ankunft der Fremden wie ein Lauffeuer aus. Antonio de Morga, ein hoher Verwaltungsbeamter ohne seemännische Erfahrung, beruft sofort eine Krisensitzung ein. Die Zeit drängt. Denn die Stadt ist ohne Verteidigung, weil die Armee im Süden des Landes steht, um Rebellen zu bekämpfen. Da keine Kriegsschiffe zur Verfügung stehen, befiehlt de Morga, Handelsboote zu beschlagnahmen und aufzurüsten. Er will die ungebetenen Besucher mit einem Überraschungsangriff auf See stellen.
Im Hafen liegen fünf Segler, darunter auch die "San Diego". De Morga macht sie zum Flaggschiff der Mini-Flotte und lässt sie mit 14 Kanonen bestücken. Am 14. Dezember ist es soweit. Die "San Diego" und die "Mauritius" treffen aufeinander. Die "San Diego" kann nur eine kleine Bugkanone einsetzen, denn de Morga hatte versäumt, die Laderäume leer machen zu lassen. Die schwere Galeone liegt so tief, dass bei geöffneten Kanonenluken Wasser ins Schiff dringen würde. So haben die Spanier den Salven der Holländer nichts entgegenzusetzen.

De Morga ordnet an, die "Mauritius" zu entern. Im Nahkampf gewinnen die Spanier schnell die Oberhand. Als sie ihrem Kommandanten vom Erfolg berichten wollen, finden sie ihn auf der "San Diego" - versteckt unter einer Matratze. Der völlig verstörte Mann war unfähig, den entscheidenden Befehl zur Übernahme des gegnerischen Schiffes zu erteilen. So schreibt ein Kanonier später. Vielmehr macht de Morga einen Kardinalfehler. Er lässt die Taue zur "Mauritius" kappen. Die "San Diego", die bereits voll Wasser gelaufen ist, sinkt und reißt über 300 Menschen in die Tiefe.

Näher an der Küste als gedacht

Überlebende der Katastrophe mussten damals vor einem Untersuchungsausschuss aussagen. Bisher gingen Archäologen davon aus, das Schiff sei weit draußen vor der philippinischen Küste gesunken und für die Wissenschaft verloren. In Unterlagen des Generalarchivs in Sevilla stößt Franck Goddio auf den Report eines Schiffsjungen. Der Matrose nahm kurz vor dem Untergang eine Peilung vor. Aus den Angaben schließt der Forscher: Das Wrack der San Diego muss viel näher am Ufer untergegangen sein als vermutet.

Vor Fortune Island, 164 Seemeilen von Manila entfernt, wählt Franck Goddio ein sieben Quadratkilometer großes Areal aus. Mit einem Magnetometer kann man auf dem Meeresboden Gegenstände lokalisieren, die aus Eisen sind. Das Gerät wird schnell fündig. Schon die grobe Inspektion des Fundfeldes begeistert die Forscher: Die Objekte stammen von einem alten Schiff. Daran besteht kein Zweifel. Doch ob es sich dabei um die "San Diego" handelt, kann zu diesem Zeitpunkt noch keiner beantworten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet