Segeln mit den Sternen

Über die hohe Kunst des Navigierens

Chief Kaveia besitzt ein enormes Wissen über den Wind und die Sterne. Er hat einen eigenen Windkompass konstruiert, in dem die zehn wichtigsten Himmelskörper vertreten sind - Segeln wie auf einem Sternenpfad.

Kaveia ist einer, der über den Horizont hinausgesegelt ist. Er lernte schon als Sechsjähriger zu navigieren. Instrumente oder Seekarten hat er nie gebraucht.

Orientierung am Vogelflug

Der Navigation legen die Polynesier Naturphänomene zugrunde. Sie können scharf beobachten und haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie verfolgen den Vogelflug und erfahren durch ihn die Richtung zum Land. Fragattvögel fliegen mit ihrem Fang auf gerader Linie zum Nest zurück. Darüber hinaus verraten bestimmte Wolkenformationen am Horizont den Navigatoren die Inselpositionen. Sie haben es gelernt, die charakteristischen Gebilde der warmen Aufwinde zu deuten.

Auch an den Wellen lassen sich nahe Inseln erkennen. Große Dünungswellen durchziehen in regelmäßigen Rhythmen den Pazifik und werden gestört, sobald sie auf eine Insel stoßen. Es kommt zu Überlagerungen und rätselhaftem Unterwasserleuchten. In jedem neuen Dünungsmuster kann ein guter polynesischer Navigator lesen wie in einem Buch. Er erfühlt es als Vibration und Rhythmus im Unterleib und erspürt auf diesem Wege eine voraus liegende Insel, heißt es.

Vom Wind und den Sternen geleitet

Auf hoher See orientiert sich Chief Kaveia tagsüber am Sonnenstand und nachts an der Konstellation der Sterne. Für ihn stehen die Sterne mit dem Wind in Verbindung, denn die Windrichtungen im tropischen Pazifik sind ziemlich stabil. Zehn wichtige Sterne sind in seinem Windkompass vertreten. Bestimmte Sternkonstellationen gehören zu bestimmten Regelwinden. Dieses erstaunlich präzise Navigationsprinzip gibt es nur auf Taumako.

Für Kaveia und die anderen alten Seefahrer gibt es für jede Insel zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Leitstern, den sie ansteuern. Steht dieser schon zu hoch, wird der nächste angepeilt. Ein guter Seefahrer hat Dutzende Sterne im Kopf.

Auf dem offenen Meer

Um richtig segeln zu können, muss der Navigator Teil des Bootes werden. Er ist wie ein lebendes Organ des Schiffes. Mit seinen Augen und Muskeln, seiner Intelligenz und seiner Intuition schafft er es, Mensch und Boot ins Gleichgewicht zu bringen. Da beide Rumpfenden identisch gebaut sind, kann ein Richtungswechsel ohne Wenden erfolgen. Das Umsetzen des Segels erfordert jedoch enormes Geschick, vor allem, wenn es nass und schwer ist. Das Manöver muss auf hoher See sehr schnell gehen.

Die von den Polynesiern gebauten Auslegerboote gelten als das ideale Gefährt der Südsee. Obwohl sie auf den ersten Blick zerbrechlich anmuten und kein Nagel sie zusammenhält, können die Boote ohne Kiel und mit geringem Tiefgang über die gefährlichen Korallenriffe hinweg segeln und direkt an den flachen Stränden landen. Mit bis zu 15 Knoten sind sie so schnell wie moderne Hightech-Yachten.

Meisterwerke der Bootsbaukunst

Erst heute erkennen Ingenieure, dass sie keine primitiven Einbäume vor sich haben, sondern Meisterwerke der Bootsbaukunst. Die größte Überraschung erlebten die Forscher, als sie das ungewöhnliche Segel im Windkanal testeten. Die eingebuchtete Form hätte man auch heute mathematisch kaum besser berechnen können. Sie nutzt die Kraft des Windes nicht nur optimal, sondern verhindert bei Stürmen sogar einen übermäßigen Druckanstieg. Bei starken Winden bilden sich am Segel Wirbel, die das Umkippen des Bootes verhindern. Diese Wirbel verschwinden, sobald die Windgeschwindigkeit sinkt - eine geniale Technik.

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