Sehnsucht nach Gottes Bild

Vier Meter langes Leinen wird als Leichentuch Jesu verehrt

Die Menschwerdung und der stellvertretende Tod Jesu am Kreuz zählen zu den Geheimnissen des christlichen Glaubens. Was sich vor etwa zweitausend Jahren in der römischen Provinz Judäa ereignet, ist in der Bibel überliefert.


"Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt ... und er trug sein Kreuz und ging zur Stätte, die da heißt Schädelstätte ..." (Bibel-Zitat)

Qualvoller Tod

Tausende wurden auf diese Weise hingerichtet. Ein qualvoller Tod, verhängt über Aufrührer und Hochverräter. Im Jahre 30 vollstreckt die Staatsmacht das Todesurteil auch über den Angeklagten Jesus von Nazareth. Vor den Stadttoren Jerusalems wird er ans Kreuz geschlagen.

Gekreuzigte ehrenvoll zu bestatten ist nach römischem Recht verboten. Im Fall Jesus kommt es anders. Den Evangelien zufolge kauft der angesehene Ratsherr Josef aus Arimathäa ein Leinentuch und erbittet von Pontius Pilatus die Erlaubnis, Jesus vom Kreuz nehmen und seinen Leichnam beisetzen zu dürfen. Der Bitte wird stattgegeben. Weiter heißt es, dass Josef den Leib in ein reines Leinentuch wickelte und in ein Felsengrab legte.

Zeugnis des Leidens

Eine Truhe im Dom von Turin enthält das legendäre Grabtuch. Nur, ist es auch das Leinentuch des Josef aus Arimathäa, in dem Jesus ins Grab gelegt wurde? Ist es möglich, dass dieses Leinen die Zeiten überdauert hat? Unter einer Abdeckung verborgen, liegt das Tuch in seinem gläsernen Schrein. Nur alle 25 Jahre, einmal in einer Generation, wird es der Weltöffentlichkeit gezeigt. Millionen Gläubige verehren es als das echte Leichentuch Christi, als Zeugnis seiner Existenz, seines Leidens und seiner Auferstehung.

Das Tuch birgt ein geheimnisvolles Bild: das blasse Abbild eines Gekreuzigten, das die Zeit um fast 2000 Jahre zurückzudrehen scheint. Ist es das Abbild des toten Jesus? Wie die Bibel berichtet, stirbt Jesus um drei Uhr am Nachmittag. Für die Beisetzung bleibt seinen Anhängern nicht viel Zeit. Nur wenige Stunden sind es noch bis zum Anbruch des heiligen Passahfestes, an dem alle Arbeit ruhen muss.

Widersprüchliche Überlieferung



Der Hergang der Grablegung ist nicht bekannt. Die erst 60 Jahre nach Jesu Tod verfassten Evangelien überliefern die Bestattung widersprüchlich. Nach Matthäus wird Jesus in ein Tuch, nach Johannes aber in mehrere Tücher gewickelt und in ein Felsengrab gelegt. Gegen Abend verlassen die Anhänger Jesu die Grabhöhle und verschließen sie mit einem Stein. Hat der Stoff des Grabtuches von Turin den Leib Jesu berührt?

Keine weitere Bedeutung

Das vier Meter lange Leinen zeigt die Vorder- und Rückansicht eines nackten Mannes. Wundmale einer Kreuzigung, Geißelungsspuren, eine große Seitenwunde und Abdrücke wie von einer Dornenkrone sind zu erkennen. In keiner Überlieferung wird die Gestalt Jesu beschrieben. Liegt hier das einzige Zeugnis seines Aussehens? In dieser Hoffnung spiegelt sich die Sehnsucht, die Christen zu allen Zeiten bewegt hat, die Sehnsucht nach Gottes Bild, nicht nur nach seinen Worten.


Drei Tage nach der Bestattung finden die Jünger in Jesu Grab nur noch die Leinentücher vor. Den Tüchern wird in den Evangelien keine weitere Bedeutung beigemessen. Auch wird kein Grabtuch mit einem Abbild Jesu erwähnt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet