Sehnsuchtsziel mit Kakerlaken in der Hose

Dreharbeiten in einer Höhle auf Madagaskar

Die Tsingys – wörtlich der Ort, „an dem man nicht barfuß gehen kann“ – gehören zum Spektakulärsten, was Madagaskars Natur zu bieten hat. Gigantische Kalksteinnadeln prägen über viele Quadratkilometer das Landschaftsbild. Unter diesem „Nagelbrett“ verbergen sich gigantische Höhlen. Nach der Vorrecherche steht für Redakteurin Iris Zink fest: Die teilweise noch unerforschte Region im Norden der Insel ist ein Muss für „Faszination Erde“, ein ideales Ziel für Dreharbeiten mit Dirk Steffens.

Es ist der letzte Dreh auf unserer Reise. Flug nach Antsiranana im Norden Madagaskars, 80 Kilometer Fahrt mit dem Auto und dann ein Buschcamp. Wir freuen uns auf Begegnungen in einer außergewöhnlichen Landschaft. Doch zu früh gefreut: Von unseren 14 Kisten wurden sechs Kisten, die man vor unseren Augen in den Flieger gepackt hatte, wieder ausgeladen. Okay, das Flugzeug war voll, und die Startbahn auf der Insel Nosy Be war schon sehr kurz. Da mag es gute Gründe für das Ausladen gegeben haben …

Beschwerliche Anreise

Zwei Tage später haben wir unsere Sachen wieder beisammen. Die Fahrzeit für die 80 Kilometer bis zum Camp hat man uns mit zwei Stunden angegeben, aber von der ehemaligen „Straße“ können wir nur noch verstreute Asphaltflecken erkennen. Zwei Flüsse – bis zu 50 Meter breit – haben wir mit dem Auto zu durchqueren. Und nach schließlich sechs Stunden Fahrt müssen wir das Camp erst einmal mit der Machete von Buschwerk befreien. Zudem wird die Köchin von einem Skorpion gebissen, und unser Kameramann Oliver Roetz entdeckt in der Nacht einen in seinem Zelt.

Bei all unseren Reisen habe ich es immer vermieden, in Höhlen mit Fledermäusen zu drehen. Die schlimmsten Krankheiten dieser Welt werden durch den Kot von Fledermäusen übertragen, wie das oft tödliche Marburg-Virus oder eine Krankheit, bei der in der Lunge Kristalle wachsen. Auch in Madagaskar ist daher kein Drehort mit Fledermäusen vorgesehen.

Im Dunklen tappen

Redakteurin Iris Zink in der Fledermaushöhle
Redakteurin Iris Zink sieht wieder Licht: Die Expedition hat sich gelohnt! Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Am nächsten Morgen gegen 6 Uhr brechen wir auf, um das Höhlensystem unter den Kalkzinnen zu erkunden. Den Einstieg markiert ein großes Tor, danach wird es immer enger und dunkler. Stirnlampe an und heiter weiter. Und dann riechen wir es: Ammoniak. Unwillkürlich halten wir uns die Nase zu, doch der Gestank bleibt. Immer lauter wird das Fiepsen und Flattern. Überall an der Decke hängen Fledermäuse. Und auch zu unseren Füßen erwacht die Höhle zum Leben: Im schummrigen Schein unserer Lampen bewegt sich plötzlich der ganze Boden – Millionen von Kakerlaken. Bleibt man kurz stehen, krabbeln sie sofort die Beine hoch. Wir müssen stetig weitergehen, dürfen den Tierchen keine Chance zum „Aufstieg“ lassen.

Wir beginnen mit den Filmaufnahmen und achten peinlich darauf, dass wir keine Tasche und kein Stativ auf den Boden absetzen. Es kostet einige Überwindung, tiefer in die Höhle einzudringen. Doch als wir die Hölle der Krabbeltiere hinter uns gelassen haben, werden wir entschädigt. Der dunkle Gang öffnet sich zu einer riesigen unterirdischen Kathedrale, von oben dringt Sonnenlicht in die Unterwelt. Der Anblick ist atemberaubend – und der Gestank ist weg! Ein paar Kakerlaken haben sich noch in unseren hochgekrempelten Hosenbeinen versteckt. Wir genießen das Naturwunder. Und keiner spricht über den bevorstehenden Rückweg.

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