Selinunt versus Segesta

Krieg der Supermächte

Dionysios, der Tyrann von Syrakus, kam aus der alten Griechenstadt Selinunt. Ihr Einflussbereich grenzte an den punischen und ihre gewaltigen Säulentempel faszinieren noch heute. Die Stadt war Bollwerk und letzter Vorposten Europas gegen den Orient. Die Heiligtümer von Selinunt entüllten zum ersten Mal die herrlich sinnlich bunte Farbigkeit der Antike.

Dieter Mertens leitet die Ausgrabungen in Selinunt. Das Puzzle aus Millionen von Einzelteilen ergibt Unglaubliches: eine Stadt vom Reißbrett und im Ganzen geplant - vergleichbar mit New York. Und das im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Die schnurgerade Hauptstraße auf der Akropolis ist 2600 Jahre alt.

Blutiger Krieg

Selinunt war eine reiche griechische Kolonie. Die Fruchtbarkeit seiner Ebenen weckte die Begehrlichkeit des Nachbarn Segesta - und stürzte Selinunt ins Verderben. Der dorische Tempel Segestas ist einer der besterhaltenen Italiens. Auch das Theater zeugt von Macht und Reichtum. Nur das große Selinunt verhinderte eine weitere Ausdehnung. Es kam zum blutigen Krieg, der in die Geschichte eingehen sollte als einer der am besten dokumentierten der Antike.

409 vor Christus ruft Segesta Karthago zu Hilfe gegen das schöne, ungeschützte Selinunt, das neun Tage später ausgelöscht sein würde. Der griechische Schriftsteller Diodor beschreibt in allen erbarmungslosen Einzelheiten das Aufeinanderprallen zweier Weltmächte, die Zerstörungswut, die Plünderungen und Vergewaltigungen durch die Karthager. Archäologen entdecken die Stadt auch als Schlachtfeld. Die Karthager müssen mit einer unglaublichen Brutalität diese reiche monumentale Griechenstadt eingenommen haben. Sieht man das auch im archäologischen Befund?

Grausames Gemetzel

Es war ein grausames Gemetzel, ein blutiges Schlachten. Die Bewohner - auch die Frauen - wehrten sich zuletzt von den Dächern herab. Mädchen wie Knaben wurden vergewaltigt. Die Fliehenden wurden in den engen Straßen eingeschlossen und massakriert. Selinunt war voll von Blut und Leichen. Lanzenspitzen und Geschosse zeugen vom letzten verzweifelten Häuserkampf auf dem Stadthügel.


Der Bau einer hochmodernen Festungsanlage durch Dionysios sollte verhindern, dass die Stadt je wieder so leicht eingenommen würde:

Unterschiedliche Bauweisen

Die neue militärische Erfindung verhalf Dionysios auf dem Weg nach Mozia zur Wiedereroberung Selinunts. Doch die Karthager kamen zurück. Selinunt wurde eine punische Stadt. An den unterschiedlichen Bauweisen kann man sehen, dass hier zwei antike Weltmächte aufeinanderprallten. Die lang ovale Form der Zisterne ist eine ganz typische punische Einrichtung. Große Quader sind charakteristisch für griechische Häuser.

Nicht nur die unterschiedlichen Bauweisen geben Auskunft. Auch Keramikdetektive sind Karthagern und Griechen auf der Spur. Geochemiker Schneider untersucht Mertens Proben. Ihre ursprüngliche Herkunft kann man durch chemische Analysen des Tons bestimmen. Schon die ersten Ergebnisse zeigen: Einige sind von weit her importiert, viele stammen aus Nordafrika.

Zeichen der Fruchtbarkeit

Im benachbarten, ehemals griechischen Tempel befindet sich eine punische Kultstätte mit Tanit, der karthagischen Fruchtbarkeitsgöttin, und dem Stierkopf, ebenfalls ein Zeichen der Fruchtbarkeit. Zum Gesamtkonzept des punischen Heiligtums gehörte der Altar, der in einer Nische stand.

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