Sensation im Stollen

In der Royal Cachette findet Emil Brugsch 36 Särge

Nachdem Heinrich Brugsch aus finanziellen Gründen nach Deutschland zurückkehren muss, nimmt sich Mariette dessen jüngeren Bruders Emil Brugsch an. Emil wird der neue Konservator, doch er macht mit dem Verkauf von Mumien lukrative Geschäfte. Lange drückt Mariette ein Auge zu. Doch auch wenn Emil Brugsch der Bruder seines guten Freundes ist, hat Mariettes Geduld ein Ende.

Emil Brugsch im Stollen Quelle: ZDF

Museen und reiche Privatleute in Europa und den USA werden direkt aus seinem Museumskeller beliefert - für den Direktor ist das irgendwann zuviel. Es dauert weitere zwei Jahre bis Mariette aus Emil Brugsch einen wissenschaftlichen Assistenten gemacht hat. Erst dann führt er ihn in das Tal der Könige. Der oberste Direktor der ägyptischen Altertümer erweitert sein Aufgabenfeld. Seine ganze Schaffenskraft widmet er der Suche nach der verschwundenen Mumie von Ramses II. Er ist besessen von der Idee, den Sarkophag des mächtigen Pharao zu entdecken.

Suche nach dem Sarg des Ramses

Das Grab des Ramses war zwar schon lange gefunden - doch es war leer. Auf dem Schwarzmarkt waren nun aber immer mehr Grabbeigaben aufgetaucht, die nur einen Schluss zuließen: Räuber hatten die letzte Ruhestätte des Ramses gefunden. Mariette vermutet, dass sich der Sarg von Ramses noch immer irgendwo im Tal der Könige befinden muss.

Abtransport der Pharaonen-Särge Quelle: ZDF

Was Mariette nicht ahnt: Die Priester des Gottkönigs hatten ihren Pharao schon vor Jahrtausenden aus dem Tal der Könige herausgeschafft. Denn wie die Totenruhe vieler anderer Herrscher, währte auch die des Ramses nur wenige Jahre. Dann kamen die Räuber. Sie stahlen das Gold aber ließen die Särge zurück. Um sie für die Ewigkeit zu retten, versteckten die loyalen Priester um 1000 vor Christus die Mumien ihrer Könige an geheimen Plätzen. Die Pharaonen begannen postum zu wandern und verließen das heilige Tal der Könige.

Letzter Besuch bei Mariette

30 Jahre hat Mariette in Ägypten gegraben und geforscht und die letzte Zeit wie ein Besessener nach der Mumie des großen Ramses gesucht. Er trotzte dem extremen Klima, Räuberbanden und Überfällen - doch gegen die Diabetes ist er machtlos. Der nach Ägypten zurück gekehrte Heinrich und sein Bruder Emil Brugsch wissen, wie schlecht es um ihren Mentor bestellt ist. Bei ihrem letzten Besuch bringen sie gute, ja, sensationelle Neuigkeiten: Die ägyptische Polizei hat Informationen eines der Mitglieder der legendären Grabräuber des Rasul-Clans bekommen und ein verstecktes Königsgrab aufgespürt, wahrscheinlich mit der Mumie von Ramses dem Zweiten.

Heinrich und Emil Brugsch am Krankenbett von Auguste Mariette Quelle: ZDF

Auch Heinrich ist fasziniert, muss aber wieder zurück nach Deutschland gehen. So bleibt es allein an Emil, die Mumie von Ramses endlich aufzuspüren. Emil Brugsch reist in aller Eile nach Luxor. Er darf keine Zeit verlieren, denn Nachrichten über neu entdeckte Königsgräber sprechen sich schnell herum. Ob der Polizei wirklich der große Fang gelungen ist? Laut Polizeibericht befindet sich das Grabversteck, die so genannte "Royal Cachette", einige Kilometer südlich vom Tal der Könige. Mitglieder der berüchtigten Grabräuberfamilie Rasul führen Emil Brugsch zu der Stelle. Ist es eine Falle? Oder ist dieses unscheinbare Loch wirklich die letzte Ruhe für den größten Pharao?

Das Grabversteck der Pharaonen

Am 6. Juli 1881 steht Emil Brugsch vor einer Riesen-Sensation, in einem Stollen, der ihn möglicherweise zu den unsterblichen Pharaonen führt. Es ist der Moment, der den Archäologen selbst unsterblich machen könnte. Schon die ersten Meter lassen keinen Zweifel: Der Stollen ist tatsächlich ein Grabversteck. Särge liegen in diesem Bergverlies quer durcheinander, Grabbeigaben überall, die Räuber haben sich hier nach und nach bedient. Es ist die letzte Ruhestätte für die größten Herrscher des Alten Ägypten - und dazu zählte Ramses II. In der Royal Cachette findet Emil Brugsch 36 Särge, darunter die des Tutmosis III., Sethos I. und Ramses II. In seinen Aufzeichnungen wird er sich der Bedeutung seines Erfolges bewusst.

Am 14. Juli 1881 segelt Emil Brugsch mit seinem kostbaren Fund nilabwärts. Aus Angst vor Dieben hatte Brugsch absolutes Stillschweigen angeordnet. Doch im ganzen Land hat sich herumgesprochen, dass die großen Pharaonen auf dem Weg in die Hauptstadt sind. Auch in den Straßen von Kairo verabschieden sich die Ägypter voller Ehrfurcht von ihren einstigen Herrschern. Auguste Mariette erlebte den Erfolg seines Assistenten nicht mehr.

Pharaonen-Särge im Boot auf dem Nil Quelle: ZDF

Entstehung einer Wissenschaft

Heute wacht das in Stein gemeißelte Ebenbild Mariettes vor dem Ägyptischen Museum über Ramses den Zweiten. Die Mumie des Pharaos liegt tatsächlich an einem Ehrenplatz. Doch die erhoffte ewige Ruhe ist Ramses nicht mehr vergönnt. Das Aufspüren der Mumie des mächtigsten Herrschers des alten Ägypten ist ein Symbol für die Entstehung einer Wissenschaft. Archäologen retten historisches Wissen vor Grabräubern - so beginnt sich der Nebel über den Anfängen Ägyptens zu lichten.

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