Sensationelle Spuren im Sand

Die Stadt der Pyramidenbauer

Am Fuße der Pyramiden liegen Hunderte von Gräbern: von Königinnen, von Prinzen, Adligen und hohen Beamten. Doch wo ruhen jene Abertausende von Menschen, die die Pyramiden tatsächlich erbauten?

Zahi Hawass, Leiter der Antikenverwaltung, war wie besessen davon, das Grab der Pyramidenarbeiter zu finden. Unermüdlich verfolgte er sein Ziel und verbrachte Monate im Wüstensand.

Elektrisierende Zeichen

Riesig war die Freude über die ersten Funde wie ein ausgesprochen schönes, mit Putz bedecktes Grab. In Hieroglyphen steht der Name: "Ptah Shepsu". Auf der anderen Seite ist eine Nische für die Leute, die dem Verstorben während der Feierlichkeiten Opfer darbrachten. Dort steht: "Bekannter des Königs". Die Zeichen elektrisieren die Archäologen. Über 1000 weitere Gräber haben sie entdeckt. Meist sind die letzten Ruhestätten der Arbeiter aus einfachen Lehmziegeln, einige sind kleinen Pyramiden nachempfunden.

Auf dem Hügel stoßen die Ägyptologen auf größere Grabbauten - die der Aufseher und Vorarbeiter. Nach über 4500 Jahren treten die Pyramidenbauer plötzlich aus ihrer Anonymität heraus und liefern wertvolle Informationen über die Entstehung des größten Bauwerks der Menschheit. Aufschlussreiche Berufsbezeichnungen finden sich: "Der Aufseher jener Arbeiter, die die Steine ziehen", "der Aufseher der Westseite der Pyramide". Jeder neue Fund enthüllt ein weiteres Detail der versunkenen Epoche. Tausende von Inschriften, Hunderte von Alltagsutensilien tauchen auf. Und damit neue Fragen: Wer durfte Bierkrüge mit ins Jenseits nehmen? Sklaven sicher nicht. Wer also waren die Pyramidenarbeiter?

Im Nichts verschwunden

In einem Archiv in Giza sind Statuen aus dem alten Reich unter Verschluss. Eine Frau, die Getreide malt, um Brot zu backen, ist die erste, die man gefunden hat. Gab es gar eine ganze Stadt auf der Pyramiden-Baustelle? Eine solche Baugemeinschaft würde sicher Spuren hinterlassen. Können zehntausende von Arbeitern, ganze Generationen, einfach ins Nichts verschwinden?

Der Ägyptologe Mark Lehner kartografiert seit den 80er Jahren präzise das ganze Pyramidenplateau. Er stieß auf eine wissenschaftliche Goldmine. Er war schließlich in der Lage die Steinbrüche zu lokalisieren. 1500 Leute haben dort einst die großen Blöcke geschlagen. Irgendwo im Schatten der Pyramiden verbarg sich eine mächtige Stadt, versunken im Wüstensand.

Entstehung einer Hochkultur

Archäologe Lehner findet erst nur wenige, dann Hunderte von Bäckereien. Sie geben einen ersten Einblick in die Welt der Pyramidenarbeiter und in die altägyptische Geschichte. Sie hatten keine wundersamen Brotfabriken. Sie machten auf der Baustelle das, was sie auch Zuhause taten. Dies war erstes Backen auf industriellem Niveau. Alles schien nach einem exakten Plan zu verlaufen. Jeder hatte seinen Platz und alles hatte seinen Sinn: dies war die Phase der Entstehung einer Hochkultur.

Am südlichen Rand seines Grabungsgebiets spürt Mark Lehner die Überreste zweier massiver Steinmauern auf. Stein aber taucht zwischen den Lehmziegeln der versunkenen Stadt nur selten auf. Mit Stein baute man für die Ewigkeit und dies war nur dem König vorbehalten. Die Mauern müssen gewaltig gewesen sein. Was immer sie umschlossen oder bewacht haben, es musste von extremem Wert für die alten Ägypter gewesen sein.

Königliche Domäne

Vor Mark Lehner liegt der bedeutendste Bereich der ganzen Stadtanlage, eine königliche Domäne. Lehner stößt auf merkwürdige, halbrunde Formen: Diese Silos bilden das Herzstück der versunkenen Stadt. Die Energiezelle des gesamten Pyramidenkomplexes. Im Wüstenland Ägypten wiegt Getreide so viel wie Gold. Ohne Brot hätte sich nicht ein einziger Stein bewegt. Das kolossale Grabmal sicherte über Jahrzehnte hinweg die Versorgung von über 30.000 Menschen.

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