Showdown auf dem "Last Stand Hill"

Verlierer auf beiden Seiten

Nachdem die Truppe von Reno fast aufgerieben ist, stürzen sich die Indianer-Verbände nun vereint auf das Häuflein Überlebender. Die letzten der 260 Soldaten Custers werden mit Keulen und Äxten erschlagen. Der General und seine Männer sterben sicher nicht wie Helden, sondern voller Todesangst.

Wie Ballistiker feststellen, haben sich einige Soldaten in Panik selbst erschossen. Auf dem Last Stand Hill finden Doug Scott und seine Mitarbeiter zahlreiche Belege für eine bittere Ironie der Geschichte.

Gestorben wie ein Mann






Custers Männer - getötet auch von ihren eigenen Waffen ist das makabre Ende einer Wild-West-Geschichte, die zum Inbegriff vom Mythos des Wilden Westens wurde. Erschöpfte Soldaten, schlechte Taktik, mangelhafte Ausrüstung und Custers Hochmut brachten 260 Soldaten den Tod. So etwas hat es in keinem anderen Indianer-Krieg gegeben. Der verhasste weiße General soll wie ein Mann gestorben sein, berichtet Sitting Bull anerkennend. Er lachte laut, als ihn die Kugeln trafen. Aber auch das klingt wie eine Legende. Karl Windolph, der zur gleichen Zeit an anderer Stelle kämpft, ahnt noch nichts vom Tod Custers.

Sitting Bulls Prophezeiung hat sich erfüllt. Aber der Sieger ist doch der Verlierer. Die Indianernomaden haben zwar eine letzte große Schlacht gewonnen, aber es ist ein Pyrrussieg. Sitting Bull flieht vor Rachefeldzügen der Armee 1877 über die kanadische Grenze und muss sich schließlich halb verhungert stellen. Er wird wie alle Indianer in ein Reservat gesperrt und tritt nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1886 als Star in Buffalo Bills Wildwest-Show auf. 1890 wird die Symbolfigur unter mysteriösen Umständen von einem Sergeant der Sioux-Polizei erschossen.

Beginn einer Legende

In Europa wird der Sitzende Büffel zum Symbol des edlen Indianers, in Amerika aber gilt er lange als grausamer Wilder. Der blondgelockte Custer wird dagegen zum Nationalhelden stilisiert. Der Beginn der Legende vom Little Bighorn.

1926, am 50. Jahrestag der Schlacht, ist Karl Windolph noch einmal dabei, als sich die Überlebenden am Little Bighorn treffen - Weiße und Indianer. Für ein "Versöhnungstreffen" vor der Kamera holt man Sioux und Cheyenne aus den armseligen Ghettos der Reservate. Sie sind die ersten Amerikaner, denen man nicht einmal Bürgerrechte im eigenen Land gewährte. Stolz präsentieren sie sich noch einmal mit den exotischen Insignien ihrer verlorenen Freiheit, Statisten einer Show für die Kamera.

Auch Hollywood schreibt die Geschichte um. Dutzendfach wird das Sterben am Last Stand Hill in Filmen zur Heldenmär verklärt. Erst hundert Jahre nach der Schlacht beginnt man zaghaft, das Indianerproblem verständnisvoller zu inszenieren - und die Rolle Custers zu hinterfragen.

Endgültige Niederlage

Einmal im Jahr kehren Sioux und Cheyenne auf das Schlachtfeld zurück. Tanzend feiern sie ihren Sieg - der ihre endgültige Niederlage besiegelte. Mühsam versuchen Amerikas Ureinwohner ihre Selbstachtung zurück zu gewinnen. Eine Nacht lang wollen sie stolz sein auf ihre Väter, die lieber als Krieger sterben wollten, als ihre Ehre und ihre Freiheit aufzugeben. Bis heute erfüllt Clifford Long Sioux das Andenken an den verzweifelten Kampf seiner Vorväter mit Trauer:

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