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Showdown im Golf von Patras

Das Meer färbt sich rot

Ob zu Lande oder zu Wasser - der taktische Ablauf eines Angriffs folgte im 16. Jahrhundert stets den gleichen Regeln: starre Formation, Abfeuern der Kanonen auf kurze Distanz und der Nahkampf. Hohe Verluste an Mensch und Material - schon immer der bittere Preis des Krieges.

Die eigens für die Schlacht konstruierten Galeassen waren für die Türken eine Horrorwaffe. Die hochbordigen Schiffe konnten nicht gekapert werden und feuerten zudem von allen Seiten. Duodos geniale Erfindung vernichtete auf einen Schlag 35 Prozent der gesamten osmanischen Flotte. Vier der verheerenden Kampfmaschinen setzten 108 Galeeren außer Gefecht. Die Formation war gesprengt, die Übermacht des Sultans gebrochen. Seine Soldaten konnten das Debakel nicht mehr abwenden. Mit Mann und Maus versank ein Großteil der stolzen Armada in der Tiefe.

Flucht aufs offene Meer

Doch weiteres Aufbegehren der Türken brachte die Armada der Allianz unverhofft in schwere Bedrängnis. Erst nach dem Eingreifen der venezianischen Reserve wendete sich das Blatt endgültig zugunsten der Christen. Nicht zuletzt dank der Rudersklaven, die als Gegenleistung für ihre Freiheit das Flaggschiff von Ali Pascha stürmten. Der Oberbefehlshaber des Sultans starb unterm Beil. Den abgeschlagenen Kopf seines Erzfeindes ließ Juan d'Austria durch die triumphierende Menge tragen. Die Schlacht schien gewonnen. Doch noch wütete auf der südlichen Flanke ungebrochen der berüchtigte osmanische Seeräuber.

Mit seinen Mannen eroberte Uluch Ali Pascha ein Schiff nach dem anderen. Als Galeeren unter dem Kommando von Juan d'Austria in geschlossener Formation auf ihn zu fuhren, erkannte der clevere Pirat seine ausweglose Lage. Mit 14 Schiffen flüchtete er aufs offene Meer. Im Golf von Patras wurden Hunderte von Schiffen zurückgelassen. Schwimmende Särge, die im Mittelmeer ein nasses Grab finden. Als die Sonne am Abend des 7. Oktober 1571 versank, war das Meer rot von Blut. In nur fünf Stunden starben 50.000 Spanier, Venezianer, Römer und Türken.

Retter der europäischen Welt

Als die siegreichen Venezianer endlich nach Hause zurück kehrten, tönte den Ankömmlingen aus dem Marcusdom das glorreiche "Te Deum" entgegen. Admiral Sebastiano Venier wurde zum Dogen gewählt. Das ehrwürdige Amt übte der Kriegsheld bis zu seinem Tod aus. Francesco Duodo kümmerte sich als hoher Beamter weiterhin erfolgreich um die Entwicklung von Waffen.


In der Peterskirche zu Rom erhob Papst Pius V. den Oberbefehlshaber der Armada zum Retter der Welt. Der Heilige Vater rühmte Juan d'Austria als den Mann, der Europa vor dem Zugriff der Osmanen bewahrt hatte. Nach seinem epochalen Sieg im Golf von Patras wurde der Adlige Statthalter der Niederlande. 1578 starb er. Marcantonio Colonna, dem Admiral des Papstes, wurden höchste Ehren zuteil. In einem Triumphzug präsentierte er den Römern 120 türkische Gefangene.

Lebendige Erinnerung

Noch heute gedenkt die Stadt am Tiber der Toten und Helden von Lepanto. Jahr für Jahr treffen sich Adlige aus ganz Europa in einer Villa des Vatikans. Fürsten und Prinzen - Nachfahren der Offiziere, die einst an dem Kampf auf See beteiligt waren. Unter Originalstandarten jener Schlacht lassen die Colonnas und mit ihnen angesehene Familien aus Venedig und Spanien die Taten ihrer Ahnen hoch leben.


Auch in Istanbul sind die Geschehnisse aus dem 16. Jahrhundert nicht vergessen. Die Niederlage von Lepanto zerstörte den osmanischen Traum von einer Weltmacht zur See. An Ali Pascha, den Befehlshaber der Flotte, erinnert heute fast nichts mehr. Dem Piraten Uluch Ali Pascha jedoch verlieh der Sultan den Ehrentitel "Kilic", das Schwert. An seinen Einsatz erinnert der prunkvoll geschmückte Sarkophag in einer kleinen Moschee.

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