Sibirienchronik

Von 150.000 v. bis 1905 n. Chr.

Wilde Reiterhorden aus den weiten Steppen Südsibiriens waren die ersten, die sich nach Westen aufmachten und der übrigen Welt vermittelten, dass ihr Horizont doch recht begrenzt war. Aber es dauerte lange, bevor das Land hinter dem Ural ins europäische, ja sogar russische Bewusstsein drang.


Circa 150 000 v. Chr.: Menschen siedeln sich im Altai-Gebiet, in den Hochebenen im östlichen Sibirien und später auch in der zentralsibirischen Ebene an.


Circa 20 000 v.Chr.: Existenz einer ersten Hochkultur in der Bailkalregion.


Circa 1000 v.Chr.: Ankunft und Herrschaft der Skythen (= berittene Bogenschützen, die ursprünglich aus dem östlichen Iran eingewandert sind) in Sibirien. Zwar liefern sie den Sibiriaken wichtige Entwicklungsimpulse, jedoch bilden sie auch ein massives Hindernis für eine eigene staatliche, gesellschaftliche und zivilisatorische Entwicklung.


Circa 800 v. Chr.: Die zu den Turkvölkern zählenden Hunnen erlangen die Herrschaft über Teile Sibiriens.


Circa 1. Jahrhundert v. Chr.: Das Ende der Hunnenära: Die südlichen Verbände der Hunnen werden in bitteren Kämpfen mit China besiegt. Die nördlichen Verbände unterliegen aufständischen sibirischen Stämmen.


Circa Ende des 2. Jahrhundert n. Chr.: Die sibirischen Stämme sind aufgrund von Differenzen untereinander Stämmen und den fehlenden organisatorischen Strukturen nicht in der Lage das entstandene Machtvakuum zu füllen. Die 100jährige Allianz der sibirischen Stämme, die den Aufstand gegen die Hunnen eingeleitet hatte, zerbricht.


Circa 600 n. Chr.: Beginn der Türkenherrschaft. Die Türken breiten sich von den östlichen Räumen Zentralasiens und der nördlichen Wüste Gobi weit in sibirische Räume hinein aus.


1196: Der neue Führer der Mongolen, Dschingis-Khan, erwirkt einen Zusammenschluss der verschiedener Mongolen-Gruppen, somit ein Erstarken der Gruppe, und die Erschließung neuer Gebiete. Obwohl die neuen Eroberer den besiegten Völkern nicht versuchen ihre Organisation und ihr System aufzuzwingen, litten die Sibiriaken unter der Herrschaft, da sie ihrer Autonomie beraubt wurden. Eine der wenigen sozialen Veränderungen durch die Mongolenherrschaft war die veränderte Rolle der Frau. Frauen hatten bis dahin eine weitgehende gleichberechtigte Stellung in den meisten sibirischen Gesellschaften.


1227: Tod des Dschingis-Khan. Die Nachfolger setzten sein Werk fort, jedoch glänzen die Mongolen nicht mehr mit der gleichen Einigkeit.


1251: Fürst Batü gründet an der Wolga die "Goldenen Horde".


15. Jahrhundert: Das Mongolenimperium wird in fünf Khanate gespalten: Krim, Kasan, Astrachan, Sibir und Kasimow.


1462-1505: Regierungszeit Iwans III., Beginn der Expansion Moskoviens nach Osten.


1552: Eroberung Kasans durch Iwan IV.


1557: Da militärische Auseinandersetzung mit Moskau droht und der Tataren-Fürst, Kutschum, von Osten eindringt, um den Thron zu erobern, leistet der sibirische Tataren - Khan Ediger einen Eid auf den russischen Zaren Iwan IV. und erklärt das Khanat Sibir zum offiziellen Vasallen Moskoviens. Im Gegenzug bietet Moskovien dem Khanat Sibir Schutz.


1563
: Eroberung des Regierungssitz Kaschlyk durch Khan Kutschum und Hinrichtung Khan Edigers und der Familie. Russland leistet dem Vasallen keine Hilfe. Sibirien wird in das Kutschum Reich eingegliedert.


1564: Zar Iwan IV. erteilt der Kaufmannsfamilie Stroganow (Die wohlhabende Kaufmannsfamilie hatte große Macht und Einfluss auf die russische Politik. Iwan IV. war einer ihrer bedeutensten Gönner.) den Auftrag befestigte Siedlungen entlang der russischen Ostgrenze in Transuralien zu errichten.


1582
: Der Kosakenführer Jermak wird von der Kaumannsfamilie Stroganow beauftragt Sibirien zu erkunden.


1582: Beendigung des Kutschum Regime durch die Kosaken (= keine ethnisch definierte Volksgruppe oder Nationalität; Die Kosaken besitzen jedoch eine Art Gruppenidentität; gemeinsame Weltanschauung: Gott, Zar, Vaterland; Mitglieder verstanden sich als 'Freie' - unterlagen keiner staatlichen Obrigkeit; Jermak Timofew - Führer)


1585: Tod des Kosakenführer Jermak. Immer mehr Abenteuerlustige reisen nach Sibirien.


1648: Semjon Deschnjow entdeckt die Bering-Straße und umrundete mit seiner Expedition das östliche Ende Sibiriens.


1653: Kirchenreform Nikons. Die Altgläubigen spalten sich ab und suchen Zuflucht in Sibirien.


1680
: Zar Fjodor III unterzeichnet einen Erlass, der die Suche von Gold-, Silber und Kupfervorkommen vorantreiben soll.


1697: Kamtschatka wird durch Wladimir Atlasow für Russland in Besitz genommen.


1700: Der Russe Semjon Remesow fertigt sibirische Land- und Stadtkarten an.


1708: Sibirien wird Gouvernement und erhält ein eigenes Wappen (zwei Zobel, die das russische Staatswappen tragen).


Anfang 18. Jahrhundert
: In Sibirien werden christliche Schulen, die auch zu einer zunehmenden Verbreitung des russischen Schrifttums führen.


1710: Russische Bevölkerung in Sibirien: 313.000


1725: Tod Peters des Großen, kurz zuvor gibt er den Befehl zur Ausrichtung einer großen Expedition durch Sibirien (Vitus Bering).


1730: Baubeginn der interkontinentalen Verkehrstrasse Sibirskij Trakt (große sibirische Landstraße).


1733: Die russische Kaiserin Anna schickt ein Forscherteam auf eine 10jährige Expedition nach Sibirien.


1781: Gründung der Handelsgesellschaft 'Russisch-Amerikanische Company'.


19. Jahrhundert: Der sibirische Goldrausch entbrennt. Daraufhin ziehen viele Russen nach Sibirien.


1804: Sibirien wird Generalgouvernement.


1832: Verordnung über freien Handel in Sibirien. Der Handel wird für viele zu wichtigsten Einnahmequelle.


1861: Bauernbefreiung; Abschaffung der bäuerlichen Leibeigenschaft und Frondienste. Jedoch gilt dies für die völlig verarmten Bauern nur in der Theorie, denn sie mussten weiterhin ihre Schulden unbezahlt abarbeiten.


1867: Verkauf von Russisch-Alaska.


1888: Gründung der ersten sibirischen Universität in Tomsk.


1891
: Die Bauarbeiten der Transsibirischen Eisenbahn beginnen in Wladiwostok. Als erster und einziger Zar reist Zar Nicolaus II auf der Verkehrsstraße Sibirskij Trakt durch Sibirien nach Petersburg.


1901: Gründung des 'Sibirischen Bundes der Sozialdemokraten'


1904: Die Bauarbeiten der Eisenbahnstrecke werden beendet.


1905: Der Blutsonntag, 9. Januar, in St. Petersburg wird zum Auslöser für die erste Russische Revolution.

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