Sibiriens Fenster zur Eiszeit

Von Bären und Mammuts

Der Eisbär hat sich durch eine spezielle Jagdstrategie an den harten sibirischen Winter angepasst. Doch sein Jagdrevier ist durch den Klimawandel in Gefahr. Schon viel früher in Sibiriens Geschichte gab es dramatische Klimaveränderungen. Vor rund 10.000 Jahren fielen ihnen die Wollmammuts, Verwandte der heutigen Indischen Elefanten, zum Opfer.

Mammutzahn im Schnee mit einigen Mammuts im Hintergrund (Trick) Quelle: ZDF

Der sibirische Winter mit Unmengen an Eis und Schnee stellt die Bewohner vor besondere Herausforderungen. Weit im arktischen Norden hat der Eisbär eine ausgefeilte Jagdstrategie entwickelt. Seine bevorzugte Beute sind Robben. Diese verbergen sich im Wasser unter dem Eis. Um sie zu finden, verlässt sich der Bär weder auf sein Gehör noch auf seine Augen - die Nase ist es, die ihm den Weg weist.

Spezialist für die Robbenjagd

Eisbär erschnüffelt Beute Quelle: ZDF


Robben müssen von Zeit zu Zeit an die Oberfläche, um zu atmen. Sie nutzen dafür Atemlöcher im Packeis. Die Löcher spenden lebenswichtige Luft und sind gleichzeitig für die Robben eine große Gefahr. Denn Eisbären kennen und lieben den Mundgeruch von Robben. Noch in einem Kilometer Entfernung erspüren sie ihre Beute. Wenn sie ein Robbenloch geortet haben, können sie mit der Wucht ihres Gewichtes meterdicke Eisschichten durchbrechen. Nicht jeder Versuch gelingt, doch solange es genug Packeis und Robben darunter gibt, ist dem Eisbär ausreichende Beute sicher.

Die Bären sind auf die ausgedehnten Eisflächen angewiesen. Nur hier funktioniert ihre Jagdstrategie. Doch der Lebensraum der Eisbären ist durch den Klimawandel in Gefahr. Das Packeis schmilzt zusehends, schon bald könnte die Arktis in den Sommermonaten eisfrei sein. Noch kann niemand sagen, ob die Eisbären mit den rasanten Veränderungen Schritt halten und sich anpassen können.

Eisbären und Mammuts Quelle: ZDF

Mammutjäger - gestern und heute

Das Leben in Sibirien war schon früher dramatischen Klimaveränderungen ausgesetzt. Eine Tierart steht wie kaum eine andere für die unwiderruflichen Folgen: Das Wollmammut entwickelte sich vor rund 300.000 Jahren in Sibirien als Art in der Familie der Elefanten und war bis zum Ende der jüngsten Eiszeit in Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet. Die Erwärmung veränderte den Lebensraum der Tiere. Die weiten Grassteppen, auf denen sie ihre spezifische Nahrung fanden, verschwanden. In ihren letzten Rückzugsgebieten trafen die Mammuts auf einen neuen, mächtigen Feind: den Menschen. Die meisten Forscher glauben, dass der Mensch durch Überjagung das Schicksal der Mammuts besiegelte.

Mammutskelett im sibirischen Eis Quelle: ap

Die Überreste der Eiszeitgiganten schlummern seit Jahrtausenden in den frostigen Böden Sibriens. Und immer wieder werden sie dort gefunden - in den letzten Jahren sogar häufiger, weil die global steigenden Durchschnittstemperaturen Sibiriens Permafrostboden allmählich auftauen lassen. Wenn Erosion durch Wind und Wasser dann die oberen Bodenschichten abträgt, gelangen die Stoßzähne an die Oberfläche. Immer wenn das passiert, machen die Mammutjäger fette Beute. Der Handel mit Elfenbein aus Mammutstoßzähnen ist ein lukratives Geschäft. In Asien werden bis zu 500 Euro pro Kilo bezahlt, ein großer, gut erhaltener Zahn bringt rund 15000 Euro ein.

Ein Forschertraum wird Wirklichkeit

In Sibiriens Boden stecken aber noch viel gewaltigere Schätze. Für die Wissenschaftler ist der Permafrostboden wie ein Fenster mit Blick auf die Eiszeit. Im Mai 2007 machte ein Rentiernomade auf der sibirischen Halbinsel Jamal einen sensationellen Fund: Er entdeckte das besterhaltene Mammut aller Zeiten. Flusswasser hatte das Tier aus dem Boden gelöst und an seine Fundstelle geschwemmt. Es war zum Zeitpunkt seines Todes etwa sechs Monate alt - ein komplett erhaltenes weibliches Jungtier mit Rüssel, Augen und Fellresten am Körper, als Eismumie über die Jahrtausende konserviert.

Wissenschaftler inspizieren urzeitliches Mammutbaby Quelle: reuters

Funde wie dieser enthalten eine Fülle an Informationen für Wissenschaftler. Mit allen verfügbaren Methoden, wie der Computertomografie, wurde der Kadaver vor zwei Jahren durchleuchtet und studiert. So erfuhren die Forscher nicht nur die Todesursache, sondern auch Interessantes über die Ernährungsgewohnheiten von Mammuts. Wie die heutigen Elefanten essen Mammutbabys den Kot ihrer Mutter, um mit den darin enthaltenen Bakterien die Pflanzennahrung verdauen zu können.

Ein (wahres) Mammut-Projekt

Doch das Mammut birgt noch einen weiteren Schatz: seine exzellent erhaltene Erbinformation. Aus ihr lässt sich die Herkunft des Mammutbabys ablesen, sie verführt die Forscher zum Träumen. In Zukunft sollen Mammuts nicht nur in den Schaukästen eines Museums zu bestaunen sein: In einigen Jahren, vermuten Wissenschaftler, könnte es gelingen, Mammuts zu klonen. Die Träume eines russischen Forschers gehen noch weiter: In Sibirien soll eine Art Jurassic Park der Eiszeit entstehen: ein "Pleistozän-Park". Dort sollen die zum Leben wiedererweckten Mammuts angesiedelt werden - vielleicht in Gesellschaft weiterer ausgestorbener Tiere aus der Eiszeit.

Momentan erscheint das aber nicht realistisch, denn schon die Entschlüsselung des Mammut-Erbguts bereitet gewaltige Probleme. Und auch wenn diese in absehbarer Zeit gelingen sollte, so ist der Weg über die Rekonstruktion des Erbguts bis zum geklonten Mammut immer noch lang und mühsam: DNA und Chromosomen müssen nachgebaut und in einen künstlichen Zellkern eingeschleust werden. Dieser würde in eine Elefanten-Eizelle eingesetzt und einer Elefantenkuh eingepflanzt werden. Jeder dieser Schritte brächte eine Fülle neuer Probleme mit sich, die Forschung daran würde Millionen kosten. Noch bleibt wohl die Wiederauferstehung des Mammuts Science-Fiction.

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