Siegeszug des Islam

Jahwes Gold in Tausendundeiner Nacht?

Weit von Toledo entfernte Ereignisse geben der Geschichte eine unerwartete Wendung. Von Mekka aus tritt eine neue Religion, der Islam, den Siegeszug an und verändert das Gesicht der europäischen Landkarte. In wenigen Jahrzehnten erobern die muslimischen Araber den Nahen Osten und ganz Nordafrika. 711 setzt ein Heer unter dem Banner Mohammeds nach Spanien über.

Wenige Monate später erreichen die Wüstensöhne unter ihrem Anführer Tarek die Hauptstadt. Toledo fällt unter dem Ansturm, König Roderich muss fliehen. Sein Reich ist verloren. Gerade noch rechtzeitig kann er seine Schätze fortschaffen.

"Stadt des Tisches"

Der muslimische Feldherr jagt mit dem Heer unaufhaltsam weiter nach Norden. Eine arabische Chronik wartet mit einer überraschenden Information auf: "Tarek kam zu einer Stadt. Er nannte sie die 'Stadt des Tisches', weil er dort den Tisch des Salomon fand." Dank geographischer Angaben der Quelle bringt die Fahndung nach dem Ort Medinaceli ins Visier. Das Städtchen an einer der Hauptrouten des Landes eroberten die Krieger Allahs im Handstreich. Fiel den Angreifern bei der Erstürmung der kleinen Festung das Hab und Gut der Westgoten in die Hände? Hatte König Roderich auf der Flucht die Reichtümer dort zurück gelassen?

Wenn Tareks Soldaten Kisten voller Geschmeide zusammen rafften, könnten sie auch das jüdische Sakralobjekt entdeckt und mitgenommen haben. Oder hat der arabische Chronist das Märchen vom Tisch Salomons in Toledo gehört und einfach weiter gesponnen? Am obersten staatlichen Forschungsinstitut in Madrid hat sich Dr. Eduardo Manzano Moreno auf die Geschichte von "Al Andaluz", dem arabischen Spanien, spezialisiert. Den heiligen Tisch, so fand der Wissenschaftler heraus, erwähnen sogar mehrere orientalische Autoren.

Zwölf "Votivkronen"

Das archäologische Nationalmuseum hütet die Hinweise, von denen der Forscher spricht: Es besitzt "Votivkronen" aus jener Epoche. Nach der Erzählung bewahrte der Zauberpalast in Toledo ebenfalls zwölf solcher Kronen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Kunstwerke einst neben dem Tisch Salomons lagen, von den Goten aber rechtzeitig versteckt wurden.

Trat der Schaubrottisch hingegen noch einmal eine lange Reise an? So jedenfalls spinnen die islamischen Geschichtsschreiber den Faden weiter. Demnach lässt Tarek das Beutestück von Spanien nach Damaskus verfrachten. In der glanzvollen Metropole, der Perle des Morgenlandes, residierte im 8. Jahrhundert Kalif Walid als Herrscher über das muslimische Weltreich. Selbst die weltbekannten Erzählungen aus "Tausendundeiner Nacht" erwähnen die Ankunft des wertvollen Objektes. Verbirgt sich ein reales Ereignis hinter orientalischer Fabulierlust?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet