Sintflut am Bosporus

Ist die Meerenge durch eine Katastrophe entstanden?

Der Bosporus, die Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer, soll einer Theorie nach erst vor rund 7000 Jahren durch ein dramatisches Ereignis entstanden sein. Sintflutartig, so wird vermutet, haben sich die Fluten des Mittelmeeres ins Schwarze Meer ergossen. Eine Katastrophe der Frühzeit ¿ könnte es diejenige sein, von der die Bibel erzählt?

Im Alten Testament spricht Gott zu Noah: "Ich will eine große Flut über die Erde kommen lassen, um alle Geschöpfe unter dem Himmel zu verderben." Allein Noah mit seiner Sippe sollte verschont werden. Lässt sich dieses globale Vernichtungsszenario mit einer historischen Flutkatastrophe erklären?

Einst ein Süßwassersee

An der türkischen Schwarzmeerküste entdeckten Forscher in Sedimentproben Hinweise auf eine erstaunliche Vergangenheit. Nur in der obersten Schicht fanden sie Schalen von Salzwassermuscheln. In den Ablagerungen ab hundert Metern unter dem heutigen Wasserspiegel lagen weit verstreut Reste von Süßwassertieren. Die Schlussfolgerung der Forscher: Das Schwarze Meer muss früher ein See gewesen sein. Die Sedimentkerne verraten außerdem, dass der Übeergang zwischen beiden Phasen sehr abrupt verlief.

Verteilung von Süß- und Salzwassermuscheln im Schwarzen Meer
Trick Schwarzes Meer Quelle: ZDF

In weiteren Expeditionen stießen sie in einer Tiefe von über hundert Metern auf Uferbewuchs, auf Strände und Dünen, die mehr als 7000 Jahre alt sind. Mit dem Echolot zeichneten sie ein Bild des Meeresbodens. Dabei fielen den Forschern tiefe Gräben auf, die urtümliche Flusstäler sein mussten. Aber am Meeresgrund bilden sich keine Flusstäler. Sie sind ein Indiz dafür, dass es hier einst einen tiefer liegenden See gab, in den große Ströme wie die Donau mündeten.

Klimawandel als Ursache

Dieser See war größer als alle heutigen Seen. Die Forscher gehen davon aus, dass seine fruchtbaren Ufer dicht besiedelt waren. Vermutlich waren die Menschen in ihrer kulturellen Entwicklung der Zeit weit voraus. Von ihren Siedlungen fehlt heute jede Spur.

Als die letzte Eiszeit vor rund 10.000 Jahren zu Ende ging, gab es einen dramatischen Klimawandel. Das Schmelzwasser ließ weltweit die Meeresspiegel ansteigen. Einer Theorie zufolge trennte damals am Bosporus nur eine schmale Felsbarriere den großen See vom Mittelmeer. Sie hielt den steigenden Wassermassen nicht stand. Wissenschaftler haben errechnet, dass die Fluten des Mittelmeeres das Schwarze Meer binnen eines Jahres auffüllten. Andere widersprechen dieser Theorie. Neue Hinweise stützen jedoch das Szenario einer sintflutartigen Katastrophe am Bosporus.

Gab es die Arche Noah wirklich?

Bau der Arche Noah (Animation)
Trick Arche Noah Quelle: ZDF

Ob es tatsächlich die Schwarzmeerflut war, die die historische Grundlage für die Geschichte von Noah und seiner Arche war, bleibt zu bezweifeln. Noah sollte eine Arche bauen, um seine Familie und die Geschöpfe der Erde vor der großen Flut zu retten. So lautete Gottes Auftrag nach dem Buch Genesis.

Berg Ararat in der Osttürkei
Berg Ararat Quelle: dpa

Die Vorgaben für den Bau des Schiffes sind ziemlich präzise: Baumaterialien sollen Tannenholz und Erdharz sein, eine Art Pech. Auch die Maße und die Zahl der Stockwerke werden in der göttlichen Botschaft genannt. Alle Landwirbeltiere und Vögel sollen in der Arche Platz finden, alles in allem mindestens 145.000 Tiere. 300 Ellen lang soll die Arche sein - ungefähr so groß wie die Titanic. Auf der Suche nach demhistorischen Wahrheitsgehalt der Bibelepisode führten Forscher statische Berechnungen durch. Das Ergebnis: Mit seiner reinen Holzkonstruktion ohne Metallverstärkung hätte Noahs Schiff vermutlich keine einzige Seemeile zurücklegen können, sondern wäre sofort zerborsten und gesunken.

Die Archesucher

Wie die meisten Bibelgeschichten ist das Epos von der Sintflut nicht wörtlich zu verstehen. Die Realität dahinter zu ergründen, beschäftigt viele Gläubige bis heute. Am Berg Ararat soll die Arche Noah einst gelandet sein. Der mächtige Vulkan erhebt sich in der Osttürkei, nahe an der armenischen Grenze. Fände man hier Reste des biblischen Schiffes, wäre das eine Sensation. Doch lange war die Region militärisches Sperrgebiet. Luftbilder wurden geheim gehalten, Verschwörungstheorien florierten.

Lavastruktur, die an ein Boot erinnert
Lavastruktur Arche Quelle: SWR

Als das Militär schließlich die Luftaufnahmen freigab, folgte eine Reihe von Beweisversuchen. Manche meinten, aus der Vogelperspektive deutlich die versteinerte Arche ausmachen zu können. Amateurforscher aus aller Welt reisten in die Türkei. Doch das vermeintliche Relikt von Noahs Boot entpuppte sich lediglich als erkaltete Lava - typisch für das vulkanisch geprägte Land der Türkei, das zwischen der Arabischen und der Europäischen Kontinentalplatte eingeklemmt ist.

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