Skandal um Nofretete

Ägypten fordert die wertvolle Büste zurück

Schon die erste Ausstellung im Jahr 1924 machte sie zum ersten Covergirl der Geschichte. Niemand kann sich ihrer majestätischen Schönheit entziehen. Wer sie sieht, verfällt dem Ägypten-Fieber. Doch kaum gingen die ersten Bilder um die Welt, sorgte die "älteste Berlinerin" für einen handfesten Skandal.

Karikatur von Borchart Quelle: ZDF

Ägypten fordert die Büste zurück und sieht sich über ihren immensen Wert getäuscht. Ein Tauschgeschäft wird vorgeschlagen: Nofretete gegen ein kostbare Statue aus dem Alten Reich.

Leidenschaftlicher Pressekrieg

Karikaturen stellen Borchardt als Entführer der schönen Königin dar. Ein leidenschaftlicher Pressekrieg zwischen Berlin und Ägypten entbrennt. Was mag der Entdecker angesichts dieser Kampagne empfunden haben? Bei Borchardt trifft jede Woche ein Pressespiegel aus Deutschland ein, der den Streit um die bunte Königin dokumentiert. Jeder Artikel wird ausgeschnitten und eingeklebt.

Borchardt sammelt Zeitungsberichte über Nofretete (Spielszene) Quelle: ZDF

Mit detektivischem Spürsinn bewegt sich Borchardt in den Fälscher-Clans von Kairo - Kontakte, die ihn zusammen mit seiner Geheimniskrämerei in ein schiefes Licht bringen. Der Archäologe macht es sich zur Leidenschaft, Fälschungen zu enttarnen. Er gibt sogar selbst Stücke in Auftrag, um die Methoden kennen zu lernen. Später wird man ihm unterstellen, sein Know-How genutzt zu haben - um die Nofretete zu fälschen. 1927 sorgt der Entdecker für einen Skandal, indem er Artefakte in europäischen Museen als perfekte Fälschungen entlarvt. "Ich habe mehr gefunden, als ich wünschte", schreibt Borchardt. "Keine Sammlung ist frei von Fälschungen."

Wissens-Missbrauch?

Borchardts Know How ist in Ägypten von Anfang an gefragt. Doch im Streit um die Nofretete machen ihm Kritiker heute zum Vorwurf, sein Wissen missbraucht zu haben. Bis ins Detail beschreibt Borchardt die Statuen im Ägyptischen Museum von Kairo. Er ist der Initiator des Catalogue général, in dem alle Artefakte erfasst werden. Wie kaum ein anderer schult er dabei den Blick für die hohe Kunst der altägyptischen Bildhauer.

Zahi Hawass ist der schärfste Gegner von Borchardt, er will die bunte Königin zurück. Wer, wenn nicht Borchardt, hätte den wahren Wert der Büste einschätzen können, argumentiert der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung. Mit seiner Erfahrung sei Borchardt moralisch verpflichtet gewesen, das einzigartige Fundstück im Land zu lassen. Doch ein entsprechendes Gesetz gab es nicht. Aus Borchardts Schatz ist nur ein einziges Porträt der Nofretete in Kairo geblieben.

Hitler setzt der Diskussion ein Ende

Im Jahr 1933 erklärt Adolf Hitler die Nofretete zu seiner Ikone: "Ich werde den Kopf der Königin niemals aufgeben", so seine Rede. "Es ist ein Meisterwerk, ein Juwel, ein wahrer Schatz." "Ich werde ihr ein Museum in Berlin bauen", verspricht Hitler, "und ich träume davon, dieses Wunder mitten in einem Saal, gekrönt von einer Kuppel, zu platzieren". Verwirklichen kann er seine Pläne nicht. Doch der Kampf um die Nofretete findet für lange Zeit ein Ende.

Die NS-Zeit hat für die Borchardts beachtliche Konsequenzen. Während sich in Deutschland ein antisemitisches Regime der Nofretete bemächtigt, zieht sich das jüdische Ehepaar aus deutschen Kreisen in Kairo zurück. "Deutsche werden von Deutschen in Konzentrationslager gebracht", schreibt Mimi Borchardt an die deutsche Frauengruppe. "Das Gefühl für solches Unrecht scheint in den meisten Deutschen erstickt zu sein."

Ludwig Borchardt, ein politisch interessierter Mensch, der kein Blatt vor den Mund nimmt, muss um seine Existenz fürchten. Sogar in Kairo sieht er sich Denunziationen in Bezug auf die Nofretete ausgesetzt. Er fängt an, eine Nation zu suchen, der er sein Institut übereignen kann.

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