Skandinavien - Land der Wikinger

Wilde Natur im hohen Norden

Landschaft auf den Lofoten

Dokumentation | Terra X - Skandinavien - Land der Wikinger

Dirk Steffens interviewt die Hundeschlitten-Weltmeisterin Hege Ingebrigtsen

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Ein raues Land, von Meeren umtost und Eispanzern bedeckt: Leben in Skandinavien bedeutet eine ständige Auseinandersetzung mit den Naturgewalten. Unter den extremen Bedingungen wechselnder Eis- und Warmzeiten konnte sich hier im Lauf der Erdgeschichte eine einzigartige Natur entfalten. Sie prägte die Bewohner seit jeher und brachte legendäre Seefahrer hervor.

Landschaft auf den Lofoten
Norwegens zerklüftete Küste ist ein Wasserlabyrinth mit Fjorden und Inseln. Quelle: mev

Drei Jahrhunderte lang verbreiteten am Horizont auftauchende Wikingersegel in Europa Angst und Schrecken. Die Drachenboote machten nicht nur die Küstenregionen Europas unsicher, sie drangen auch entlang der Flüsse ins Landesinnere vor.

Überleben unter harten Bedingungen

Die besondere Geografie Skandinaviens verhalf den wilden Nordmännern zu ihrer militärischen Überlegenheit: Das Wasserlabyrinth aus Fjorden, Inseln und Seen erzwang bereits seit der Jungsteinzeit die Entwicklung einer ausgefeilten Schiffsbautechnologie. Schnell und hochseetauglich waren ihre Gefährte, technisch ihrer Zeit weit voraus und perfekt für die gefürchteten Blitzüberfälle. mehr ...

Das Leben in der rauen Natur stellt auch für die Tierwelt eine permanente Herausforderung dar. In der skandinavischen Taiga fallen die Temperaturen während der achtmonatigen Kälteperiode oft unter minus 40 Grad. Trotz dieser extremen Bedingungen ist dies der einzige Lebensraum, in dem Europas größte Landraubtiere nebeneinander vorkommen - noch. In Norwegen sind die Wölfe so gut wie ausgerottet, die Bestände in Schweden und Finnland sind bedenklich zurückgegangen Neben Wolf, Luchs und Bär durchstreift noch ein anderer scheuer Jäger die Taiga: der Vielfraß. Einst zu Unrecht als Monster verunglimpft, das seine Opfer köpft und verstümmelt, ist er ein wahrer Überlebenskünstler. Mit seiner marderartigen Leichtbauweise, großen Pfoten mit Spannhäuten und starken Krallen schlägt er alle Rekorde im Langstreckenlauf durch sein tief verschneites Revier. Während andere Tiere sich in den Winterschlaf flüchten, ist der Vielfraß während der kältesten Zeit des Jahres in seinem Element.

Ein Orca kommt zum Atmen an die Wasseroberfläche
In den Gewässern vor den Lofoten beobachten Forscher Orcas. Quelle: ZDF

Fjorde und Orcas

Die Tiere Skandinaviens sind an lange und harte Winter so gut angepasst, weil Schnee und Eis hier schon seit Jahrtausenden die beherrschenden Kräfte sind. Aber anders als oft angenommen wurden die majestätischen Fjorde der norwegischen Küste nicht allein von Gletschern erschaffen. Ein zwei Millionen Jahre dauerndes Wechselspiel von Warm- und Kaltzeiten schuf die beeindruckenden Landschaften, die sich bis heute unter dem Einfluss der Naturgewalten verändern. mehr ...

Die besondere Form der Fjordlandschaft hat auch im Tierreich zu einzigartigen Jagdstrategien geführt. Orcas schätzen die ruhigen Meeresarme, denn hier finden sie reiche Beute in einer natürlichen Sackgasse. Organisiert in einer langen Kette machen die Killerwale Jagd auf Lachse, die im Sommer in die Flüsse wandern. Mit Klickgeräuschen, die sie zur Echoortung nutzen, scannen sie den Fjord nach Beute ab. Auch auf die riesigen Heringsschwärme haben es die in ihrem Sozialverhalten hoch entwickelten Orcas abgesehen. Im geschickten Zusammenspiel treiben sie die Fische aus rund 300 Meter Tiefe nach oben und drängen sie zusammen, bevor sie mit Schwanzschlägen zum Nahkampf ansetzen. Auf der ganzen Welt findet sich dieses Fangverhalten nur bei den Orcas zwischen Norwegen und Island.

Stockfischgestelle auf den Lofoten
Stockfischgestelle auf den Lofoten Quelle: ZDF

Fischreichtum und Entdeckerlust

Was Norwegens Küste für die Wale so attraktiv macht, hat seine Ursache in der Tiefe. Das Zusammentreffen kalter und warmer Wassermassen - von einem Ausläufer des Golfstroms weit in den Norden transportiert - wirbelt auf dem Meeresgrund abgelagerte Nährstoffe nach oben und bildet die Grundlage für ein üppiges Planktonwachstum. In den höher liegenden Wasserschichten ernähren sich davon die größten Heringsschwärme der Welt.

Die Strömungen in der Tiefe lassen hier ein Unterwasserparadies gedeihen, und wegen des Golfstroms kühlt sich das Meer nie unter null Grad ab. Für die skandinavischen Fischer ein Glücksfall, denn an den eisfreien Küsten können sie auch im Winter fischen, wenn riesige Kabeljauschwärme zum Laichen in die Fjorde ziehen. Von Januar bis April ist auf den Lofoten "Stockfisch-Saison". Nach alter Tradition werden hier jährlich bis zu 37.000 Tonnen Kabeljau zu Trockenfisch verarbeitet. Was heute als Spezialität in aller Welt gefragt ist, ist eine Erfindung der Wikinger: Auf ihren langen Seereisen war der bis zu vier Jahre haltbare Stockfisch überlebenswichtiger Proviant und diente in unwirtlichen Gegenden als Nahrungsgrundlage. Schon seit dem Frühmittelalter trieb Wagemut und die Hoffnung auf Neuland die Nordmänner an ferne Küsten. Eine archäologische Sensation offenbarte, wie weit die Wikinger bei ihren Seereisen tatsächlich gekommen waren. mehr ...

Abenteuerliche Expedition

Der Entdeckergeist der Skandinavier blieb über die Jahrhunderte ungebrochen. Während die westliche Welt weitgehend erkundet war, blieb die Arktis für die Menschen ein Geheimnis. Vom Mythos Nordpol in den Bann gezogen, startete der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen 1893 eine abenteuerliche Expedition: Mit einem speziell konstruierten Schiff, der Fram, wollte er sich vor Sibirien im Packeis einfrieren lassen und mit der Eisdrift an den Pol gelangen. Trotz der Bedenken vieler seiner Zeitgenossen glückte der erste Teil des Plans: Monatelang trieb die Fram, im festen Griff des Packeises gefangen, Richtung Norden. Den Nordpol verpasste Fritjof Nansen allerdings um über 350 Kilometer. Denn die Strömung, auf die er baute, führt tatsächlich südlich am Pol vorbei.

Als Nansen sich darüber klar wurde, verließ er zusammen mit einem Besatzungsmitglied im Februar 1895 das Schiff, um zu Fuß doch noch an den Pol zu gelangen. Aber der Fußmarsch über das Eis war aufreibender als gedacht. Als im Frühjahr der Pol immer noch weit von ihnen entfernt lag, brachen die beiden Männer am 7. April 1895 die Expedition ab. Trotzdem waren sie dem Nordpol so nahe gekommen wie noch kein Mensch zuvor. Ihre Leistung wurde erst durch die Nutzung des ältesten gezogenen Transportmittels der Welt möglich: des Hundeschlittens. Bei seinen Erfindern, den Inuit, erlernte Nansen das Führen von Schlittenhunden, und bis heute sind die Tiere treue Begleiter von Abenteurern und Forschern in Schnee und Eis.

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