Spanier am Amazonas

Gewalt versus Diplomatie

Die Gebiete der Tropenzone in Südamerika waren lange Zeit Terra Incognita, bis die Königshäuser Europas ihre Eroberer entsandten, um die sagenhaften Reichtümer der Indianer zu erbeuten.

Ein Spanier schlägt sich durch den Amazonas. Quelle: ZDF

Die Spanier hatten Südamerikas Küsten nach der Entdeckung durch Kolumbus eingenommen. Von der Inka-Stadt Quito aus zielte Pizarros Expedition jedoch zum ersten Mal ins unerforschte Tiefland hinter den Anden.

Unvorstellbare Dimensionen

Als man sich endlich dem Rio Coca näherte, war die Hälfte des Trecks bereits aufgerieben, tausende der mitgeführten Schweine und Lasttiere aus Hunger geschlachtet. Der Weg nach vorn lag im völlig Ungewissen: Man kannte weder die Ausdehnung des Kontinents, noch ahnte man die unvorstellbaren Dimensionen des größten Flusssystems der Welt: des knapp 6500 Kilometer langen Amazonas mit seinen über 1000 Nebenflüssen.

Nach dem Abstieg aus den Anden taucht Pizarros Tross ins dichte Gewirr der tropischen Bergwälder ein. Noch nicht ahnend, dass sich der Regenwald von den Anden bis zum Atlantik erstreckt. Pizarro und seine Männer ziehen in völlig unbekanntes Terrain. Erst am Rio Coca, dem ersten Fluss, an den sie gelangen, schöpfen sie wieder Mut: Monatelang haben knietiefer Schlamm und eisenhartes Unterholz ihnen den Weg versperrt. Doch am anderen Ufer des Rio Coca entdeckt die von Francisco de Orellana geführte Vorhut endlich eine Indianer-Siedlung. Und mit einem Mal scheinen sich die Versprechungen des El Dorado zu erfüllen. Die Gier nach dem sagenhaften Gold treibt die Konquistadoren weiter.

Gold, soviel man sich wünsche

Den Waldmenschen ist der besondere Wert unverständlich, den die Spanier dem Gold beimessen. Deshalb geben die Omagua-Indianer dem Übersetzer Felipillo, einem Sohn aus hohem Inka-Adel, bereitwillig Auskunft: Der große Strom sei noch viele Tagesreisen entfernt. Dort gebe es reiche Dörfer und Gold, soviel man sich wünsche. Noch ahnen die Spanier nicht, dass nur die wenigsten von ihnen die kommenden Monate überleben würden.

Kaum hat Pizarro bei den Omagua-Indianern neue Kräfte geschöpft, erwartet der anmaßende Eroberer von den vermeintlich Unterworfenen ein tägliches Festmahl. Von der großen Zahl der "Sonnensöhne" überrascht, ernten die Indianer für ihre spontane Gastfreundschaft Gewalt und Feuerbrand. Pizarro und seine wilde Spanier-Horde sind in ihrem Element. Nur Orellana ist wütend und verschlossen: Die gewalttätigen Ausbrüche des Gouverneurs haben ihm alle diplomatischen Bemühungen verdorben. Die Indianer, die ihm bereits Führer bis zum Großen Strom zugesagt hatten, sind verschwunden. Nun würden sie sich wieder allein durch den Urwald kämpfen müssen - und im Ufer-Schlamm versinken.

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